Milchverpackungen
Milchverpackungen
Denn bei der Verpackung kommt es auf mehr an, als das Material!

Ich erinnere mich noch gut daran, als ich im Waldviertel mit meiner Oma mit einer verbeulten Milchkanne aus Zink zum Nachbarn spaziert bin, um frische Milch zu holen. Aus einem großen Bottich schöpfte der Bauer die Milch in die Kanne und wir bekamen einen Schluck frischer, warmer Milch zum Kosten. Daheim mussten wir dann die Milch immer umrühren, da sich oben das Fett abgesetzt hat.

Heute sieht das eher so aus: ich gehe mit meinen Kindern in den Supermarkt und suche verzweifelt aus den vielen, angebotenen Milchprodukten welche mit einem normalen Haltbarkeitsdatum und vollem Fettgehalt. Ich finde es einfach bedenklich, wenn die Milch mehrere Wochen lang hält und mag es, wenn sie fett ist und satt macht. Aber das ist eine andere Geschichte. Heute geht es um die Verpackung!

Auswirkungen von Verpackungsmaterialien auf die Umwelt

Bevor ich speziell zu den Milchverpackungen komme, möchte ich über die allgemeinen Auswirkungen von Verpackungsmaterialien auf die Umwelt eingehen. Viele Verpackungen fallen vor allem wegen der großen Abfallmenge auf, dabei reichen die Umweltauswirkungen wesentlich weiter. 

Zu allererst müssen wir den Energie-, Wasser- und Rohstoffverbrauch während der Herstellung betrachten, in weiterer Folge dann der Energieverbrauch des Transports. Danach der Wasser und Reinigungsmittelverbrauch bei Mehrwegsystemen, bei denen die Verpackung mehr als einmal verwendet wird. Auch im Zuge der Abfallsammlung, -verwertung und -entsorgung wird Energie verbraucht. In gut gemachten Ökobilanzen wird also die Klimabelastung durch CO2 Emmissionen über den gesamten Produktlebenszyklus unter die Lupe genommen.

Endlich gibt es Milch wieder in der Glasflasche

Lange gab es nur noch Milch im Tetrapak zu kaufen, doch vor einiger Zeit hat auch die Glasflasche wieder ihren Weg ins Regal gefunden. Ich fand das toll und habe von da an nur noch Milch in Glasflaschen gekauft, die ich natürlich brav zum Recycling gebracht habe. Bis ich ein Gespräch mit einer Boku-Studentin geführt habe, die meinte eigentlich wären Glasflaschen in diesem Fall gar nicht umweltfreundlicher. Seitdem beschäftigt mich dieses Thema sehr, und ich habe viel recherchiert.

Herstellung und Recycling von Glasflaschen

Glasflaschen werden vom Glaswerk zum Abfüller transportiert und gelangen dann in den Handel. Von dort aus zum Konsument, dann im besten Fall zur Altglassammelstelle, zur Umladestation und danach gibt es zwei Möglichkeiten:

Eine Einweg-Glasflasche wird umgehend wieder retour zum Glaswerk gebracht, wo sie eingeschmolzen und zu einer neuen Flasche verarbeitet wird. Ein Transportvorteil ist hier, dass das Glas am Weg von der Altglassammelstelle bis zum Glaswerk in Scherben transportiert werden kann. So passt mehr Glas in einen LKW. Dagegen gibt es aber einen sehr hohen Energieaufwand beim Einschmelzen.

Eine Mehrweg-Glasflasche wird dagegen ausgewaschen und so viele Male zwischen Abfüller, Handel, Konsument und retour transportiert.

Ganz generell kann man zu Glas im Gegensatz zu allen anderen Verpackungen sagen: Glas ist inert. Das bedeutet, dass es nicht mit darin aufbewahrten Lebensmitteln reagiert und folglich auch keine Chemikalien an sie abgibt. In meinen Augen ein unschlagbarer Vorteil.

Aktuelle Situation im Handel

Bisher sind die im Handel angebotenen Flaschen alle Einwegflaschen. Eines der Argumente des Handels ist, dass der Reinigungsaufwand für Mehrwegflaschen jeden Umweltvorteil zunichte macht. Dagegen sprechen jedoch alle veröffentlichten Ökobilanzen, in denen Glas-Einwegflaschen mit Glas-Mehrwegflaschen verglichen wurden. Glas-Mehrweg ist in Summe ganz klar umweltfreundlicher als Glas-Einweg. Natürlich verursacht der Waschvorgang bei Mehrwegflaschen einen Aufwand an Energie, Wasser und Reinigungsmitteln. Aber dieser ist in jeder Ökobilanz bereits berücksichtigt. Im Übrigen muss nämlich auch Einwegglas vor dem Einschmelzen gereinigt, sortiert und zermahlen werden.

Fotocredit: Andrew Seaman auf Unsplash
Fotocredit: Andrew Seaman auf Unsplash

Glasflaschen daheim wiederverwerten

Natürlich könnt ihr die Einwegglasflaschen daheim für andere Dinge verwenden: als Vasen, Aufbewahrungsflaschen etc. Doch ist das wirklich umweltfreundlicher? Wenn alle Österreicher das so handhaben würden, müssten ja trotzdem immer neue Flaschen produziert werden, die bei der Produktion die Umwelt belasten. Und außerdem hat jeder nur eine bestimmte Kapazität um Glasflaschen aufzubewahren. Das ist also im Grunde auch keine Lösung.

Herstellung und Recycling von Tetrapaks

Die häufigste Alternative zur Glasflasche ist der Tetrapak, wie der Getränkekarton umgangssprachlich genannt werden. Er hat ein geringes Gewicht, was Transportenergie spart und lassen sich zumindest zu einem geringen Prozentsatz (rund 36 Przent) recyclen. Leider ist er nicht wiederbefüllbar. Und ist daher in Summe meist die weniger umweltfreundliche Alternative.

Ich sage meist, denn es kommt natürlich immer auf den gesamten Produktlebenszyklus an. Es gibt sogar Berechnungen in den Ökobilanzen die beziffern, wann eine Glasflasche umweltfreundlicher ist als ein Getränkekarton: Sobald sie weniger als 200 Kilometer transportiert und mindestens 15 Mal benutzt wird. Hier kommt also dann auch wieder die Regionalität ins Spiel.

Es ist nicht alles Gold was glänzt

Hier bewahrheitet sich also wirklich der alte Spruch. Die vermeintlich bessere Lösung ist es in Wahrheit oft gar nicht. Ich kaufe meine Milch also derzeit wieder im Tetrapak, oder im Bioladen, wo die Flaschen noch ausgewaschen und wieder verwendet werden. Angeblich wird aber auch im konventionellen Handel mit Ende des Jahres 2019 auf ein Mehrwegsystem umgestellt. Ich bin also sehr gespannt und werde meine Augen offen halten.

Quellen:
Die Umweltberatung, 22.06.2018, „Milch im Glas – der Faktencheck
Süddeutsche Zeitung, 11.05.2017, Valentin Dornis, Julia Klaus, Vivien Timmler und Esther Widmann, „Die größten Müll-Mythen des Alltags
Greenpeace, „Getränkeverpackungen auf dem Prüfstand

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