Vier Planetare Grenzen sind bereits überschritten. Die nachwachsende Ressourcen werden auch immer knapper.

Gleich zwei neue Studien verdeutlichen: Wir müssen dringend die Ressourcen dieser Erde schonen!

Im Jahre 2009 machten sich Wissenschaftler aus der ganzen Welt daran, neun globale Bereiche zu bestimmen, deren Systeme und Prozesse die Stabilität eines für uns lebenswerten Erdsystems gewährleisten – die sogenannten planetaren Grenzen:

 

  1. Atmosphärische Aerosolbelastung
  2. Verschmutzung durch Chemikalien
  3. Klimawandel
  4. Versauerung der Ozeane
  5. Abbau der stratosphärischen Ozonschicht
  6. Verlust der Biodiversität
  7. Landnutzungsveränderungen
  8. Globale Süßwassernutzung
  9. Phosphor-/Stickstoffeintrag in die Biosphäre

In einer neuen Studie wurden für diese Bereiche nun aktuelle Berechnungen vorgenommen. Das Ergebnis: In den vier Bereichen Klimawandel, Artenvielfalt, Landnutzung sowie Phosphor- und Stickstoffkreislauf haben wir die Grenzen bereits überschritten und somit den für uns sicheren Bereich verlassen. Nach Einschätzung der Wissenschaftler sind dabei vor allem die Bereiche Klimawandel und Artensterben von entscheidender Bedeutung. Bei erheblichen Überschreitungen in nur diesen beiden Bereichen könnte das Ökosystem Erde in einen neuen Zustand versetzt werden. Eine recht stabile Epoche von immerhin 12.000 Jahren ist dabei, instabil zu werden.

Laut Leitautor Will Steffen vom Stockholm Resilience Centre bedeutet das Überschreiten der Planetaren Grenzen, dass die Erde für uns weniger lebensfreundlich wird, dass Bemühungen zur Armutsbekämpfung beeinträchtigt werden und dass sich das menschliche Wohlergehen in vielen Teilen der Welt verschlechtern könnte, auch in den reichen.

Regional mehr Planetare Grenzen überschritten

Der Bereich Globale Süßwassernutzung ist zwar noch nicht überschritten, regional sieht es in manchen Regionen der Erde da schon anders aus, vor allem im Westen der USA und in Teilen Südeuropas, Asiens und des Mittleren Ostens. Eine der Herausforderungen ist es generell, dass die Planetaren Grenzen eng miteinander verbunden sind. Schutzmaßnahmen in einem Bereich könnten sich negativ in einem anderen auswirken. Wolle man beispielsweise den Wasserverbrauch in der Landwirtschaft reduzieren, könnte sich dies negativ auf die Landnutzung auswirken, da man in der Folge mehr Anbaufläche für denselben Ertrag bräuchte. Lösungen müssten hier eher in einer effizienten Wassernutzung bei gleichbleibender Anbaufläche gesucht werden.

Bezüglich des Klimawandels halten die Wissenschaftler fest, dass der CO2-Anteil der Atmosphäre 350 ppm nicht überschreiten sollte, um nicht über einen globalen Temperaturanstieg von 1,5 Grad zu kommen. Der CO2-Anteil lag zuletzt jedoch bei 399 ppm, für die Autoren der Studie also schon in der „unsicheren Zone“. Jährlich kämen sogar noch weitere 3 ppm hinzu. Dabei zeigten die Analysen, dass sogar das von der Weltgemeinschaft angesteuerte 2 Grad-Ziel noch große Risiken mit sich bringe.

Auch die nachwachsende Ressourcen kommen an ihre Grenzen

Wer denkt, nachwachsende Rohstoffe seien unbegrenzt nutzbar, den belehrt eine zweite Studie eines besseren: Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), der Yale University und der Michigan State University wiesen nach, dass auch sie an ihre Grenzen gelangen. Einige Schlüsselressourcen hätten ihren Peak (Zustand der maximalen Steigerungsrate) sogar bereits überschritten.

Die Forscher analysierten u. a. 20 erneuerbare Güter aus dem Bereich Ernährung wie Mais, Reis, Fisch und Fleisch. Darunter haben sie 18 Ressourcen ausgemacht, die ihren Peak schon vor einigen Jahren überschritten haben, die meisten davon zwischen 1988 und 2008 (z. B. Milch 2004, Eier 1993, Fisch 1988). Insgesamt würde alles knapper. Einer der ursächlichen Faktoren sei die Zunahme der Weltbevölkerung.

In der Landwirtschaft fiel die maximale Zuwachsrate in die 1950er. Seitdem wurde der Ackerbau intensiviert. Weitere Steigerungsmöglichkeiten durch Zuchtmethoden oder Gentechnik wird es laut Experten nur noch im Bereich von 1 bis 2 Prozent geben. So sind auch die Herausforderungen bezüglich der nachwachsenden Ressourcen enorm. Vor allem solle der Mensch sich von der Hoffnung verabschieden, schwindende Ressourcen einfach durch andere ersetzen zu können.

Links zu den Studien:

Steffen, W., Richardson, K., Rockström, J., Cornell, S., Fetzer, I., Bennett, E.M., Biggs, R., Carpenter, S.R., de Vries, W., de Wit, C.A., Folke, C., Gerten, D., Heinke, J., Mace, G.M., Persson, L.M., Ramanathan, V., Reyers, B., Sörlin, S. (2015): Planetary Boundaries: Guiding human development on a changing planet. Science (Express, online) [DOI: 10.1126/science.1259855]. http://www.sciencemag.org/content/347/6223/1259855.abstract

Seppelt, R., A. M. Manceur, J. Liu, E. P. Fenichel, and S. Klotz. 2014. Synchronized peak-rate years of global resources use. Ecology and Society 19(4): 50. http://www.ecologyandsociety.org/vol19/iss4/art50/

 

Quellen:

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: Vier von neun „planetaren Grenzen“ bereits überschritten. 16. Januar 2015. https://www.pik-potsdam.de/aktuelles/pressemitteilungen/vier-von-neun-planetaren-grenzen201d-bereits-ueberschritten (zuletzt aufgerufen: 23.Februar 2015).

Spiegel online: Ressourcen: Menschheit treibt Natur über Belastungsgrenzen. 15. Januar 2015. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/planetary-boundaries-belastungsgrenzen-der-erde-ueberschritten-a-1013203.html. (zuletzt aufgerufen 23. Januar 2015).

Helmholtz Zentrum für Umweltforschung: Nachwachsende Ressourcen kommen an ihre Grenzen. Der Mensch sollte sorgfältig mit nachwachsenden Rohstoffen umgehen. 14. Januar 2015. http://www.ufz.de/index.php?de=33456 .(zuletzt aufgerufen 23. Januar 2015). 

Titelbild: © Martina Liel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*