Gezeitenkraft, grüner Wasserstoff und Batteriespeicher. EMEC zeigt auf den Orkney Inseln, wie die Energiezukunft aussehen kann.

Die Europäische Meeresenergie‑Testanlage EMEC (European Marine Energy Centre)  hat ein weltweit einzigartiges Demonstrationsprojekt abgeschlossen: Erstmals wurden Gezeitenkraft, Wasserstoffproduktion und Batteriespeicher in einem einzigen integrierten Energiesystem vereint. Die Anlage auf den Orkney‑Inseln zeigt, wie maritime erneuerbare Energiequellen künftig stabil, flexibel und emissionsfrei in Energiesysteme eingebunden werden können.

Ein 3‑in‑1‑System für die Energiewende

Das Projekt kombiniert drei Technologien, die einzeln bereits erprobt sind, deren Zusammenspiel jedoch bislang kaum realisiert wurde:

  1. Gezeitenkraftwerk
  • Nutzung der starken Strömungen zwischen den Orkney‑Inseln
  • Planbare, regelmäßige Energieerzeugung. Ein Vorteil gegenüber Wind und Sonne
  • Strom wird direkt in das lokale Netz eingespeist oder für die Wasserstoffproduktion genutzt
  1. Elektrolyseur für grünen Wasserstoff
  • Überschüssige Gezeitenenergie wird genutzt, um Wasserstoff zu erzeugen
  • Der Wasserstoff kann gespeichert, transportiert oder in Industrie und Mobilität eingesetzt werden
  • EMEC betreibt seit Jahren eine der ersten maritimen Power‑to‑Gas‑Anlagen weltweit
  1. Batteriespeicher
  • Kurzfristige Netzstabilisierung
  • Glättung von Lastspitzen und Produktionsschwankungen
  • Optimierung des Betriebs des Elektrolyseurs

Durch die Kombination entsteht ein hochflexibles Energiesystem, das sowohl Strom als auch grünen Wasserstoff bereitstellen kann – und gleichzeitig Netzengpässe vermeidet.

Warum dieses Projekt wichtig ist

Die Orkney‑Inseln produzieren bereits heute mehr erneuerbare Energie, als sie verbrauchen können. Das führt paradoxerweise zu Abregelungen. Windräder und Gezeitenkraftwerke müssen zeitweise gedrosselt werden, weil das Netz die Energie nicht aufnehmen kann.

Das EMEC‑Projekt zeigt einen Weg aus diesem Dilemma:

  • Überschussstrom wird nicht verschwendet, sondern in Wasserstoff umgewandelt.
  • Batterien stabilisieren das Netz, sodass mehr erneuerbare Energie eingespeist werden kann.
  • Gezeitenkraft liefert planbare Energie, die das Gesamtsystem berechenbarer macht.

Damit entsteht ein Modell, das auch für andere Regionen mit hohen erneuerbaren Anteilen relevant ist. Von Küstengebieten bis hin zu Binnenländern mit Netzengpässen.

Relevanz für Österreich

Auch wenn Österreich keine Gezeitenkraftwerke betreiben kann, ist das Projekt ein wertvoller Ausblick auf zukünftige Energiesysteme:

  • Sektorkopplung: Strom, Speicher und Wasserstoff werden intelligent verknüpft.
  • Flexibilisierung: Batteriespeicher und Power‑to‑Gas reduzieren Netzengpässe.
  • Versorgungssicherheit: planbare erneuerbare Energiequellen stabilisieren das Gesamtsystem.

Für Energieversorger, die bereits in Photovoltaik, Windkraft, Batteriespeicher und Wasserstoffforschung investieren, zeigt EMECs Demonstration, wie integrierte Systeme künftig aussehen können: lokal, flexibel, resilient und emissionsfrei.

Ein Schritt Richtung maritimer Wasserstoffwirtschaft

Das Projekt ist Teil eines größeren Trends: Weltweit entstehen maritime Wasserstoff-Hubs, die Offshore‑Energie direkt in grünen Wasserstoff umwandeln. EMEC gilt dabei als Pionier – und liefert mit dem 3‑in‑1‑System einen weiteren Meilenstein.


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Bilder: EMEC