Es gibt nichts, was es nicht gibt; und so gibt es auch eine „Alge des Jahres“. Für 2012 hat die Deutsche Botanische Gesellschaft in dieser Kategorie die Armleuchteralgen der Gattung…

Es gibt nichts, was es nicht gibt; und so gibt es auch eine „Alge des Jahres“. Für 2012 hat die Deutsche Botanische Gesellschaft in dieser Kategorie die Armleuchteralgen der Gattung Chara gewählt. Somit wird ein Organismus gekürt, der stellvertretend für viele nicht so bekannte Arten steht, die vom Aussterben bedroht sind, denn 20 der heimischen Armleuchteralgen stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Organismen.

Eine Alge mit verschiedenen Überlebensstrategien

Die Heidenelke als Blume des Jahres 2012 ist in ihrer Farbpracht wunderschön, der Baum des Jahres, die Europäische Lärche, imposant. Doch was ist so besonders an der Armleuchteralge? Das Argument für ihre Inthronisierung war für die Botaniker vor allem die verschiedenen Überlebensstrategie der einzelnen Sorten.

Weltweit gibt es von ihnen 300. Meist kommen sie in kalkreichen, nährstoffarmen Süßwasserseen vor. Doch manche haben sich aber auch an Brackwasserstandorte mit höherem Salzgehalt angepasst. Es gibt Vertreter, die sich schnell als Pioniere in neuen Gewässern ansiedeln. Andere sind empfindlicher und fühlen sich nur bei ganz bestimmten Standortbedingungen wohl, nehmen aber dann das ganze Ökosystem für sich in Beschlag.

Eine Alge mit Vergangenheit

So macht es beispielsweise die  Hornblättrige Armleuchteralge (Chara tomentosa). Sie wuchert über den gesamten Gewässerboden, bietet vielen Jungfischen eine gute Kinderstube und vielen anderen Arten Nahrung und Schutz. Auch einigen Vogelarten dient sie als Nahrung. Die Vögel sorgen gleichzeitig dafür, dass die robusten Sporen weitergetragen werden und neue Standorte besiedelt werden können.

Die Sporen sind vor Trockenheit und Frost durch eine Kalkhülle geschützt. An ihnen haben Wissenschaftler erforscht, dass es Armleuchteralgen schon vor 400 Millionen Jahren gegeben hat. Ihren detschen Namen bekam die Alge übrigens, da ihre Form tatsächlich an einen mehrärmigen Kerzenständer erinnert.

Das männliche Geschlechtsorgan (Antheridium) der Feinen Armleuchteralge (Chara virgata) ist auffallend orange-rot gefärbt. Die darüber liegende Eizelle ist von spiralförmig gedrehten Zellen umgeben, die nach der Befruchtung verkalken. Die verkalkten Dauerstadien überstehen Hitze oder Trockenheit und werden von Enten, Gänsen und anderen Wasservögeln in neue Gewässer getragen.

Eine Alge als Indikator für Wasserqualität

Auch wenn verschiedene Chara Arten im Laufe der Jahrhunderte raffinierte Überlebensstrategien entwickelt haben, so kann sie sich heutigen Umweltveränderungen – wie so viele Arten – nicht mehr so schnell anpassen. Durch Landwirtschaft und Industrie reichern sich Gewässer immer mehr mit Nährstoffen an. Daher sind manche Arten der Armleuchteralge bedroht.

Biologen nutzen die Empfindlichkeit der Armleuchteralgen auf Nährstoffe. Wo die Alge vorkommt, ist die Wasserqualität gut. Durch den Bau von Kläranlagen hatten sich so beispielsweise die Bestände über die letzten Jahrzehnte erholt. Bleibt nur zu hoffen, dass wir sie bald wieder von der Roten Liste der gefährdeten Arten streichen können.

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Botanischen Gesellschaft (DBG) e.V. vom 02.01.2012: Alge des Jahres 2012: Armleuchteralge Chara – bedrohter Pionier mit Hang zur Dominanz

Titelbild: © Sven Dahlke, Biologische Station Hiddensee.
Bild 2: © Gustav Johansson, Hydrophyta Ekologikonsult, Schweden.

 

Bildquelle und Text neben Bild: Deutschen Botanischen Gesellschaft (DBG) e.V.

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