Fukushima I Nuclear Power Plant_02 © kawamoto takuo (hige-darumaひげだるま), Flickr
Fukushima I Nuclear Power Plant_02 © kawamoto takuo (hige-darumaひげだるま), Flickr
Der Super-GAU von Fukushima 2011 ist noch lange nicht vorüber. Das Schlimmste könnte uns noch bevorstehen, sagt der deutsche Physiker Sebastian Pflugbeil.

Das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi ist seit dem 11. März 2011 trauriger Fixpunkt der Nachrichten. Eine Suche auf derstandard.at listet exakt 1000 Artikel, in denen der Name erwähnt wird, seit der Katastrophe bis zum 11.10.2013. Es ist so, als hätte uns die dunkle Vergangenheit der Energieerzeugung eingeholt, in einer Gegenwart, die sich überwiegend einer Zukunft verschrieben hat, die von Erneuerbaren Energien bestimmt wird. Die Geister, die gerufenen, verfolgen uns.

Japan hat, unfreiwillig und unter Druck der Öffentlichkeit, den Atomausstieg abrupt vollzogen und alle Atommeiler bis Mitte 2012 heruntergefahren. Der einzige, der nach der Katastrophe durch die strengeren Sicherheitsüberprüfungen kam, das Kraftwerk Ōi, wurde Mitte September 2013 abermals auf unbestimmte Zeit abgeschaltet.

Gestern wurde wieder gemeldet, dass die Strahlenbelastung um Fukushima in die Höhe geschossen ist. Im Meerwasser wurde der höchste Wert seit der Katastrophe gemessen, 13 Mal höher, als noch am Tag zuvor. Die Betreibergesellschaft Tepco vermutet, dass Schlampereien während der andauernden Bauarbeiten innerhalb des Reaktorgeländes die Ursache dafür sind. Schlampereien wie diese sind Dauerbestandteil in der Berichterstattung.

Da wundert es nicht, dass auch das marine Leben Spuren davongetragen hat. Die HuffPo schreibt, dass pazifischer Blaufinnen-Thunfisch auch zwei Jahre nach dem Unglück radioaktiv belastet ist. Ob das gesundheitsgefährdent ist, darüber herrscht große Uneinigkeit. Dass über die letzten Jahrzehnte enorme Mengen an radioaktivem Abfall in den Ozeanen gelandet sind, ist unbestritten. Die Dokumentation Endlager Meeresgrund gibt darüber Auskunft: über 100.000t Atommüll wurde in den 60er Jahren in Stahlfässern ins Meer geschmissen. Die meisten der Fässer sind inzwischen verrostet, die Radioaktivität hat sich über die Meere verteilt.

Man liest übrigens auch wenig darüber, wie sich die Unterwasser-Atomtests auf die Strahlenbelastung der Meere ausgewirkt haben.

Der deutsche Physiker Sebastian Pflugbeil, Präsident der deutschen Gesellschaft für Strahlenschutz, sieht die Gefahr, die von Fukushima ausgeht, vor allem in den nun andauernden Aufräumarbeiten, schreiben die Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Dass es hierbei zu weiteren Zwischen- und Unfällen kommt, stuft er als sicher ein. Alleine die 1.300 Brennelemente (von etwas mehr als 11.000), die in der Ruine des Blocks 4 noch gelagert werden, müssen einzeln geborgen werden. Dazu kommt die zunehmende Belastung durch das laufend mehr werdende radioaktiv verseuchte Kühlwasser. Der Untergrund ist, laut Pflugbeil, aufgrund des ausgetretenen Wassers nicht mehr tragfähig, so dass sich die Gebäude inzwischen verschoben und sich Risse im Mauerwerk gebildet haben. Ein Versagen der Kühlsysteme hätte extreme Folgen und Lecks in den Abklingbecken können sich aufgrund der baustatischen Situation, rasch bilden. Sollte es dazu kommen, könnte der Super-GAU von Fukushima noch ähnliche oder schlimmere Ausmaße annehmen wie Tschernobyl.

Die Aufräumarbeiten im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi sind auf einen Zeitraum von 30 bis 40 Jahre bemessen. Das Thema wird uns also noch länger beschäftigen.

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