Die Eisschmelze auf den Bergen und im Meer führt zu einem Anstieg des Meeresspiegels und gefährdet die Versorgung mit Süßwasser.

In den letzten drei Jahrzehnten hat die Rate des globalen Eisverlusts drastisch zugenommen. Verlor der Planet im Jahr 1994 beispielsweise 800 Milliarden Tonnen, waren es 2017 sogar 1.300 Milliarden Tonnen – eine Steigerung von 63 Prozent in nur 23 Jahren. Sage und schreibe 28 Billionen Tonnen Eis sind damit in dem genannten Zeitraum verloren gegangen. Diese erhebliche Reduktion wird indirekt zu einem Anstieg des Meeresspiegels und schwerwiegenden Folgen für den gesamten Planeten führen.

Diese Ergebnisse, die in dem wissenschaftlichen Journal „The Cryosphere“ veröffentlicht wurden, zeigen, dass der rasante  Anstieg des Eisverlustes hauptsächlich auf Grönland und die Antarktis zurückzuführen ist. Obwohl Eis weltweit verloren geht, haben sich die Verluste aus der Eisdecke der Antarktis und Grönlands am stärksten beschleunigt, erklärt der Hauptautor der Studie, Thomas Slater von der Universität Leeds. Der Verlauf der Eisschmelze hat damit ein Ausmaß erreicht, das den schlimmsten Szenarien der Klimaerwärmung entspricht, die vom „Zwischenstaatlichen Gremium für Klimawandel“ des Weltklimarats festgelegt wurden. Der Anstieg des Meeresspiegels in dieser Größenordnung wird noch in diesem Jahrhundert sehr schwerwiegende Auswirkungen auf die Küstengemeinden haben, so Slater.

Die in der Studie gesammelten Daten deuten darauf hin, dass die Hälfte aller Verluste durch Eis an Land verursacht wurden. Dazu gehören erstaunliche 6,1 Billionen Tonnen, die an Berggletschern verloren gegangen sind: 3,8 Billionen Tonnen bei der grönländischen Eisdecke und 2,5 Billionen Tonnen in der Antarktis. Hinzu kommt ein dramatischer Meereisverlust in den Polarregionen. Die größten Verluste betrafen dabei das arktische Meereis, das von 1994 bis 2017 Verluste von 7,6 Billionen Tonnen verzeichnete, und die antarktischen Eisschelfe, die rund 6,5 Billionen Tonnen verloren haben.

Der Meereisverlust trägt zwar nicht direkt zum Anstieg des Meeresspiegels bei, hat jedoch einen indirekten Einfluss. Eine der Schlüsselrollen des arktischen Meereises besteht darin, die Sonnenstrahlung zurück in den Weltraum zu reflektieren, um die Arktis kühl zu halten. Schrumpft das Meereis, wird mehr Sonnenenergie von den Ozeanen und der Atmosphäre absorbiert, wodurch sich die Arktis schneller erwärmt als irgendwo sonst auf dem Planeten. Dies wiederum beschleunigt nicht nur die Meereisschmelze, sondern verschärft auch das Schmelzen von Gletschern und Eisplatten, wodurch der Meeresspiegel steigt.

Die Eisschmelze in den letzten Jahrzehnten führte zu einem Anstieg des Meeresspiegels um 35 Millimeter. Dies mag wie eine kleine Menge erscheinen, aber mit jedem Zentimeter Anstieg besteht, laufen eine Million Menschen in Gefahr, ihre Häuser zu verlieren. Ein Anstieg des Meeresspiegels erhöht auch die Wahrscheinlichkeit von Sturmfluten. Dadurch sind nicht nur Küstengemeinden gefährdet. Gletscher versorgen Gemeinden weltweit mit Süßwasser. Eisverlust wird auch diese Regionen gefährden.


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