Viel erlebt. © Rainer Sturm / pixelio.de
Viel erlebt. © Rainer Sturm / pixelio.de
Aktuelle psychologische Forschung zeigt, dass es glücklicher macht, in Erfahrungen zu investieren, als in Dinge.

“Whoever said money can’t buy happiness simply didn’t know where to go shopping.”, hat die Schauspielerin Bo Derek behauptet. Die Psychologen Thomas Gilovich und Amit Kumar der Cornell University in Ithaca, NY versuchen, genau das zu widerlegen. Sie untersuchen seit längerem, wie sich das Empfinden von Glück verändert, wenn man sein Geld vorrangig in Erfahrungen investiert oder in Dinge. In ihrem Artikel A wonderful life: experiential consumption and the pursuit of happiness. fassen sie ihre Ergebnisse zusammen.

Was kann glücklich machen?

Die Forscher unterscheiden zwei Arten von Käufen:

  1. materielle und
  2. erfahrungsbasierte.

Die erste Art wird definiert als “spending money with the primary intention of acquiring a material possession,” (z.B. Kleidung, Computer, Fernseher, Möbel,…) die zweite als ”spending money with the primary intention of acquiring a life experience – an event or series of events that you personally encounter of live through.” (z.B. Restaurant- und Barbesuche, Konzertkarten, Vergnügungsparks, Urlaube)

Sie geben selbst zu, dass diese Unterscheidung nicht gänzlich scharf ist, da unweigerlich materielle Dinge gekauft werden, die dem Zweck einer Erfahrung dienen, wie Sportgeräte.

Warum machen Erfahrungen glücklicher?

Die Ergebnisse zeigen, dass erfahrungsbasierte Käufe längerfristig glücklicher und zufriedener machen. Drei Punkte stehen heraus: Erfahrungsbasierte Käufe

  1. fördern soziale Beziehungen direkter und effektiver als materielle Güter.
  2. machen einen größeren Teil der Identität einer Person aus.
  3. werden nach eigenen Maßstäben bewertet und rufen weniger Vergleiche innerhalb des eigenen Netzwerks hervor.

Nahezu alle Erfahrungen macht man nicht alleine, sondern teilt sie in einer Gruppe. Damit werden bestehende Beziehungen gestärkt oder neue geformt. Selbst negative Erfahrungen wandeln sich in späterer Reflexion oft in positive. Ein gutes Beispiel, das ich selbst erlebt habe, sind alle Geschichten über die Erlebnisse während meines Grundwehrdienstes: mit der Zeit hat sich mehr und mehr gewandelt in lustige Anekdoten, die man gerne immer wieder erzählt. Daraus folgt wie von selbst der Punkt 2.

Dass jedes Gerät, das man kauft, immer vergleicht wird, haben schon Pirron und Knapp in den 50er-Jahren besungen: Er muss nur grösser als dem Nachbarn seiner sein.” (Der Fernseher.) Daran hat sich bis heute nichts geändert. Das Problem der Vergleichbarkeit der Dinge in Relation dazu, ob sie glücklich machen, ist offensichtlich. Das Glück währt bei vielen nur so lange, so lange sie aufgrund des Kaufs innerhalb ihres Netzwerks einen scheinbaren Vorteil erlangen können. Gleichzeitig tritt ein rascher Gewöhnungseffekt ein, der das gerade noch Aufregende verblassen lässt, und es als neuer Alltag erscheint.

Nicht nur glücklicher, auch zufriedener

Neben dem Glück haben die Forscher ihre ProbandInnen gefragt nach ihrer Zufriedenheit zum Kauf in Bezug auf das ausgegebene Geld. Fragt man nach materiellen Käufen, nimmt die Zufriedenheit mit der Zeit ab, während sie bei erlebnisbasierten Käufen sogar zunimmt.

Noch mehr ein Grund, beim nächsten Fernseher ganz gründlich nachzudenken, ob der Kauf tatsächlich notwendig ist, oder ob sich das Geld nicht viel sinnvoller anlegen lässt.

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