Während des Future of Meat Forums in Wien konnten sich die Besucher und Besucherinnen über wahrscheinliche Zukunftszenarien austauschen.

Urbanes Gärtnern ermöglicht uns direkt in die Prozesse einzugreifen. Durch den privaten Gemüseanbau lösen wir uns von langen Transportwegen. Gemüse selbst anzubauen gibt uns eine große Menge an Wissen in die breite Gesellschaft zurück. Häufige Motive hinter dem expliziten Anbau von Gemüse, im Gegensatz zu Blumen, sind neben dem kulinarischen Faktor durchaus die Kritik am heutigen Welternährungssystem. Der stetigen Entfremdung von unseren Lebensmitteln wird so entgegen gewirkt.

Die Kuh im Balkongarten – ein unwahrscheinliches Szenario

Prognosen zeigen, dass die Nachfrage nach Fleisch (tierischem Protein) steigen wird. Die Erzeugung, eben dieses Fleisches, bringt schon jetzt unseren Planeten an seine Grenzen. Während sehr ambitionierte Hobbygärtner und Hobbygärtnerinnen das ein oder andere Huhn in ihrem Schrebergarten halten, werden Kühe und Schweine wohl nicht so schnell wieder in die Mitte unserere Städte ziehen.

Die Ansätze um unseren fleischlastigen Ernährungsstil umwelt- und sozialverträglicher zu gestalten sind zahlreich. An drei aneinander folgenden Tagen wurde zur Diskussion, rund um das Thema Zukunftsfleisch, ins Future Food Studio von Hanni Rützler geladen. Im Rahmen meines agrarwissenschaftlichen Studiums beschäftige ich mich mit der Frage, wie eine zukunftsfähige Landwirtschaft ausehen könnte und welche Art von Produkten diese erzeugen wird. In regelmäßigen Abständen gibt es öffentliche Veranstaltungen im Future Food Studio in der Brunnengasse (1060 Wien). Es gilt Experten und Akteure der Branche und die Zivilgesellschaft an einen gemeinsamen Tisch zubringen.

So sehen die wahrscheinlichsten Szenarien aus:

Den Aufhänger des Future of Meat Forums bot eine interaktive Videoinstallation. Der Designerin Madleine Berlis und ihrem Team geht es darum unseren Fokus auf den Teller der Zukunft zu richten. Welche Speisen wird er beinhalten? Die heiß diskutiertesten Szenarien sind: weniger Fleisch essen und diese Tiere im Einklang mit der Natur halten, einen Teil des tierischen Proteins durch Insekten als Nahrung zu ersetzen, vegane und vegetarische Ersatzprodukte, sowie Laborfleisch.

Was passiert wenn sich Experten und Expertinnen der Branche und Foodies ein Wochenende über das Thema Zukunftsfleisch unterhalten?

Bei der In Vitro Produktion von Fleisch wird anhand von Stammzellen Fleisch in der gewünschten Form und Konsistenz gezüchtet. Gerade unter den Veganern und Veganerinnen, mit denen ich mich bis jetzt zu diesem Thema austauschen konnte, stößt diese Alternative auf hohe Akzeptanz. Die Veranstaltung bot einen guten Rahmen um fantastische Pläne für die Zukunft zu spinnen. Folgt man dem Zukunftsthema Laborfleisch und akzeptiert dieses als Möglichkeit, ergeben sich weitere spannende Implikationen. Die Frage, ob man sich dann auf tierische Stammzellen beschränken müsste, oder auch aus seinen eigenen Zellen ein gänzlich individuelles Steak zaubert, löste allgemeine Heiterkeit und leichtes Unbehagen aus.

Proteine der Zukunft:

Produkte von Schnecken und hochwertige Schrimps sind in der Herstellung hochpreisig. Viele Arbeitsschritte können nicht durch Maschinen ersetzt werden. Die vielen Arbeitsstunden treiben somit den Preis in die Höhe. Aus ernährungsphysiologischer Sicht sind sie eine durchwegs gute Lösung. Dies haben sie mit Insekten gemein, die den viel etablierteren Meerestieren in ihrer Zusammensetzung stark ähneln. Insekten sind letztendlich auch nur Tiere, somit ist ihr Protein dem des Menschen ähnlicher. Dies bedeutet weniger Arbeit, für unseren Magen bei der Umwandlung in nutzbare Energie, als für die Aufspaltung von pflanzlichen Proteinen verwendet wird. Ein noch etwas weniger diskutiertes Thema sind Mikroorganismen und ihr indirektes Potential für die menschliche Ernährung. Sie sind es schließlich, die in den Mägen von Wiederkeuern, die pflanzlische Stoffe aufschließen und für das Tier verwertbar machen. Ohne den Umweg über die Kuh, könnten wir derzeit das versteckte Ernährungspotential von Alpenregionen und kargem Weideland kaum für den Menschen nutzbar machen. Die Frage nach der Proteinquelle der Zukunft bleibt weiterhin spannend. Es lohnt sich über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen und eigene Zukunftsvisionen zu entwickeln. Zahlreiche Start Ups in diesem Bereich belegen dies und machen Appetit auf eine vielseitige Zukunft.

Quellen und weiterer Lesestoff:

http://thefutureofmeat.com/

http://hanniruetzler.blogspot.de/

Bilder/Fotografin: Vera Kondratiuk  

Portrait 1

Die Freischnauzeköchin ist zum Bloggen über ihre Freude an der Fotografie von Essen gekommen. Seit 2013 gibt es ihre vegetarischen Rezepte online und Tipps zum (nachhaltigen) Leben in Wien. Die in ihrem Studium der Agrarwissenschaften erworbenen Erkenntnisse und ihre Erfahrungen als urbane Gärtnerin teilt sie gerne mit ihrer Leserschaft. Ihr Augenmerk richtet sie hierbei auf zukunftsweisende und umweltfreundliche Lösungen.

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