Fotocredit: Pixabay/pixel2013
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„Ich greife lieber zu Glas statt Plastik“ – kommt dir dieser Satz bekannt vor? Die Frage, die sich dazu stellt ist nur: ist Glas tatsächlich immer die bessere Lösung?

Eigentlich sollte man meinen, dass Glas gegenüber Plastik immer die bessere Wahl ist. Haben wir doch die Plastiksackerl abgeschafft und dafür gesorgt, dass wir so viel wie möglich unverpackt einkaufen gehen. Doch alles, was in Glas verpackt ist, ist nicht automatisch immer die bessere Wahl. Wenn wir genauer hinschauen, dann wird das auch schnell klar. 

AM ANFANG WAR DAS GLAS… 

Lasst uns bei der Produktion von Glas beginnen. War dir bewusst, dass hier eine ganze Menge CO2 ausgestossen wird? Alleine im deutschsprachigen Raum verbraucht die Glasindustrie ähnlich viel Energie wie die Luftfahrt, lass dir das mal auf der Zunge zergehen. Dabei ist die „Schmelze“ am höchsten CO2 belastet. Bevor das Glas nämlich geformt werden kann, wird mit Erdgas eine Mischung aus Scherben, Quarzsand, Kalk und anderen Rohstoffen auf 1.600 Grad erhitzt. Die gute Nachricht ist, dass am Einsatz von Wasserstoff statt Erdgas geforscht wird, ist nur fraglich wie lange es noch dauert, bis das spruchreif wird. 

Fotocredit: Pixabay/pix24
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MEHRWEG STATT EINWEG?!

Mehrweg gibt es nun doch schon bei Glas und bald auch bei Plastik. In den 1980er- und 1990er-Jahren waren Mehrweg-Plastikflaschen gang und gäbe, dann wurden sie völlig von Einwegflaschen verdrängt, was die Müllberge anwachsen ließ.

Der Unterschied ist, Glasflaschen lassen sich bis zu 40 Mal neu befüllen, bei Plastik erreichen wir nur knapp halb so viele Füllungen – nämlich etwa 15. Das klingt doch ganz klar danach, dass Glas Meilen weit vorne ist, oder? Naja nicht ganz, denn pro 1000 Liter Inhalt gerechnet, verursacht Plastik einen geringeren CO2 Ausstoss als Glas. Das liegt zum Einen daran, dass Glas weit schwerer ist auf dem Transportweg. Besonders bei Milch kommt noch dazu, dass nur wenige Molkereien Mehrweg Glas anbieten und somit die Flaschen zum Wiederbefüllen quer durchs Land gefahren werden müssen. 

Auch die Reinigung selbst spielt hier eine Rolle. Werden bei Glas nur etwa 100ml Wasser auf eine Flasche aufgewandt, sind es bei einer Plastikflasche schon um die 20-25% mehr. Der Grund? Glas kann mit weitaus höher temperiertem Wasser behandelt werden als Plastik und ist somit rascher sauber. 

Fotocredit: Pixabay/MatthewGollop
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Aktuell macht es also kaum einen Unterschied, ob wir bei Mehrweg zu Glas oder Plastik greifen. Vor allem so lange das Erdgas bei Glas noch eine so gravierende Rolle spielt nicht. Was aber mit Sicherheit gesagt werden kann, das Waschen und erneut Verwenden von sowohl Glas als auch Plastik ist auf lange Sicht unbedingt notwendig, da es weit weniger Emissionen erzeugt als die neue Erzeugung von Einwegprodukten.

Um wirklich etwas gegen den Einweg Müllberg, auf dem wir sitzen zu tun, muss der Trend aber viel weiter gehen als nur in die Lebensmittelindustrie. Auch im Haushalts- und Kosmetikbereich wäre ein Mehrwegsystem umsetzbar und auch sehr ratsam. In einigen Drogerien gibt es bereits Stationen, um das Waschmittel oder andere Flüssigreiniger nachzufüllen. In Unverpacktläden ist das auch für den Kosmetikbereich denkbar. Bis wir hier eine gute Lösung gefunden haben, rate ich dir zu unverpackten und festen Kosmetika zu greifen, wo es sich machen lässt.