Fotocredit: unsplash.com/Chuttersnap
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Wie das Fehler machen uns helfen kann, zu wachsen.

Wir wachsen in unserer Gesellschaft mit dem Gedanken auf, dass Fehler etwas Schlechtes sind. Dass wenn wir etwas tun, das nicht so geplant war, etwas Schlechtes ist. Auch wenn etwas kaputt geht, oder wir uns oder andere verletzen, ist es immer nur etwas Schlechtes. Gleichzeitig haben wir nur durch ganz viel aufstehen und umfallen und wieder aufstehen gehen gelernt. Waren das nicht auch ganz viele Fehler?

Was ist ein Fehler?

Laut Duden ist ein Fehler eine irrtümliche Entscheidung, Maßnahme, bzw. ein Fehlgriff. Aber wie können wir dies im Vorhinein wissen? In den wenigsten Fällen ist es auf den ersten Blick völlig klar, dass etwa ein Sprung in die heiße Lava wohl unser Untergang sein wird. Und selbst wenn wir glauben, dass es absolut klar ersichtlich ist, was ein Fehler ist und was nicht, so kann es sich nachträglich genauso herausstellen, dass es auch etwas Gutes hatte, oder sogar viel besser war, als die vermeintlich „bessere“ Entscheidung.

Fehler erkennen

Woran können wir also erkennen, ob wir gerade die richtige Entscheidung treffen, oder die richtige Maßnahme setzen? Einerseits hilft uns meist unsere Erfahrung in einem gewissen Gebiet, die Situation ein bisschen besser einschätzen zu können. Aber unterm Strich erfahren wir es immer erst dann, wenn wir uns für eine Richtung entschieden haben, und ein paar Schritte gegangen sind.

Kinder machen ständig "Fehler". So lernen wir. Und niemand würde es ihnen verbieten oder schlechtreden wollen. - Fotocredit: unsplash.com/Arwan Sutanto
Kinder machen ständig „Fehler“. So lernen wir. Und niemand würde es ihnen verbieten oder schlechtreden wollen. – Fotocredit: unsplash.com/Arwan Sutanto

Wie lernen wir aus Fehlern?

Das Relevante bei Fehlern ist nicht, dass wir sie vermeiden sollten, und am besten gar keine Entscheidungen treffen oder Dinge tun sollen, wo wir möglicherweise etwas falsch machen könnten. Viel mehr geht es darum, etwas zu tun, und dann zu erkennen, ob diese Schritte unterm Strich tendenziell positiv oder negativ waren.

Allein schon, indem wir das Wort „Fehler“ aus der Frage entfernen, erlauben wir uns, die Situation neutraler zu betrachten. Der wesentliche Aspekt der Erfahrung ist, dass wir bewusst damit umgehen, und erkennen, was wir daraus lernen können. Egal, ob es ein „Fehler“ war oder nicht.

Wie werden Fehler etwas Positives?

Was tun wir aber, wenn wir ganz klar einen Fehler gemacht haben? Wenn wir andere Menschen und/oder uns selbst verletzt haben? Wenn wir etwas zerstört haben, das irreparabel ist oder scheint? Dann muss diese gesamte Erfahrung dennoch noch kein Fehler oder etwas rein Schlechtes gewesen sein. Dann werden wir vor die Herausforderung gestellt, aus dieser neuen, veränderten Situation das Beste zu machen. Dadurch lernen wir entweder, wie wir kaputt scheinende Dinge oder Beziehungen möglicherweise doch reparieren oder sogar noch besser machen können, oder wir lernen, was wir zu tun haben, dass das Gleiche nicht noch einmal passiert.

Manche Dinge können wir nicht mehr reparieren oder wieder gut machen. Aber wir können dennoch überlegen, was wir Gutes daraus erschaffen können. Egal ob es ein Kunstwerk wird, oder Brennholz. - Fotocredit: unsplash.com/Tim Mossholder
Manche Dinge können wir nicht mehr reparieren oder wieder gut machen. Aber wir können dennoch überlegen, was wir Gutes daraus erschaffen können. Egal ob es ein Kunstwerk wird, oder Brennholz. – Fotocredit: unsplash.com/Tim Mossholder

Nachhaltiges Fehler-machen

Wie kann also Fehler machen nachhaltig sein? Nachhaltigkeit hat viel auch damit zu tun, dass wir neue Wege beschreiten müssen, und uns mit neuen Problemen auseinander setzen müssen. Und wenn wir den Weg nicht kennen, ist er vollgepflastert von potentiellen Fehlern. Dies darf uns aber nicht davon abhalten, alles nur menschenmögliche zu tun, um dennoch eine praktikable Lösung für diverse Situationen zu finden.

Vieles davon, was uns heute vor umwelttechnische und andere Herausforderungen stellt, könnte als Fehler der früheren Generationen oder auch uns selbst aus der Vergangenheit gesehen werden. Uns oder anderen dafür jedoch die Schuld zu geben, lenkt die Aufmerksamkeit lediglich in eine stoppende und wenig konstruktive Richtung. Wenn wir jedoch sagen, dass all diese Taten keine Fehler, sondern schlichtweg Versuche waren, unser Leben besser zu machen, und dass wir schlichtweg jetzt gerade andere Wege ausprobieren müssen, können wir aufzeigen, dass wir „aus unseren Fehlern lernen“ können. Dass wir nicht ständig das Gleiche tun, und andere Resultate erwarten. Und, dass wir dadurch an einer Möglichkeit arbeiten, tatsächlich ein gutes Leben für alle zu ermöglichen.

Fazit

Wenn wir keine Fehler machen würden, würden wir nie wachsen und lernen. Dann wüssten wir nicht, was wir riskieren und was wir gewinnen. Wir würden uns aber auch immer stärker einschränken, und Schritt für Schritt unglücklicher werden, da wir nichts Neues mehr in unser Leben lassen. Und gerade die neuen Dinge sind die, die unsere Begeisterung wecken, unsere Kreativität befeuern und uns das Gefühl geben, etwas bewirken zu können.

Wenn wir also Fehler nicht als Scheitern sondern als Hinfallen zu sehen lernen, dann tun wir uns leichter, auch wieder aufzustehen und weiterzugehen.