Hurrikan Sandy trifft die hoch technisierten Vereinigten Staaten, insbesondere in der High-Tech-Metropole New York an der schwächsten Stelle, der Infrastruktur. Millionen Menschen sind ohne Strom – und damit auch ohne…

Hurrikan Sandy trifft die hoch technisierten Vereinigten Staaten, insbesondere in der High-Tech-Metropole New York an der schwächsten Stelle, der Infrastruktur. Millionen Menschen sind ohne Strom – und damit auch ohne Heizung, die U-Bahn steht unter Wasser, mindestens ein Atomkraftwerk kämpft mit eingedrungenem Wasser und der Kühlung der Brennstäbe. Jede Naturkatastrophe zeigt aufs Neue, das wir uns immer verwundbarer machen, statt sicherer.

 

Schon die Maya-Kultur ging daran zu Grunde, dass sie zu kompliziert geworden war

Jeder Gelbe Engel, der zu Hilfe gerufen wird, wenn das Automobil mal wieder streikt, erklärt sich für überfordert, wenn er in den Motorraum eines modernen PKW schaut. KfZ-Mechaniker heißen heute Mechatroniker, weil sie fast mehr mit elektronischen Bauelementen zu tun haben, als mit dem klassischen Fahrzeug.

Schon mit der einfachen „Übersicht“ über ihr eigenes Leben, einer Beurteilung der globalen „Lage“ sind die Menschen überfordert. Die Spezialisierung wird immer weiter aufgespalten, kleinteiliger und weiter entfernt von einer ganzheitlichen Sicht.

Hans-Peter Dürr bemängelt das in seinem neuen Buch: „Es gibt keine Materie!“ Auch und gerade in den Wissenschaften ist eine Übersicht auf das Wesentliche verloren gegangen. Rebecca Costa hat dies den Verlust des Gleichgewichts zwischen Wissen und Glauben genannt. Das Wissen um die grundsätzlichen Dinge des Lebens, eine ganzheitliche Sicht geht immer mehr verloren und wird immer mehr von einem blinden Glauben an den Fetisch „Technologie“ ersetzt. Diese Technologie ist aber nicht nur lebensfremd, ohne Seele und Empathie, wie Dürr feststellt, sondern auch gefährlich. Amerikanische Bürger stehen heute fassungslos in den leeren Straßen von Manhatten. Nicht einmal das Handy funktioniert mehr. Die Zerstörungen sind gewaltiger, als die meisten sich es vorstellen konnten – oder wollten. Eine Stadt wie New York ist langfristig gefährdet unterzugehen, allein der Meeresspiegel ist hier inzwischen um mindestens 27 Zentimeter angestiegen und hat Manhatten erstaunlich schnell überschwemmt.

http://www.spiegel.de/panorama/sandy-alarm-in-aeltestem-us-atomkraftwerk-oyster-creek-a-864159.html

 

Die ganzheitliche Wahrnehmung wird mutwillig verhindert

Natürlich ist es nicht im Interesse der großen Konzerne, dass die Menschen die strukturellen Probleme erkennen, dass ihnen klar wird, wie weit sie sich von ihrem natürlichen, in den letzten Millionen Jahren erlernten Leben entfernt haben. Es fällt ihnen auch schwer einzugestehen, wie sehr ihr heutiger Lebensstil für die Zerstörung des Lebensraumes so vieler Geschöpfe und letzten Endes ihres eigenen verantwortlich ist. Gleichzeitig wird ihnen nun immer öfter vor Augen geführt, wie verwundbar dieser Lebensstil ist. Hurrikans, Tzunamis durch Beben in den Ozeanen oder gar in Seen, wie im Genfer See im Jahre 563, Erdbeben und Überschwemmungen durch extreme Niederschläge sowie Vulkanausbrüche sind Ereignisse, die auf unserem Planeten nun einmal vorkommen. Ihre Zerstörungskraft hat nicht zugenommen, aber unser Leichtsinn und unsere Verwundbarkeit.

Auch Klimaveränderungen sind bisher schon oft aufgetreten, haben grundlegend die Lebensbedingungen auf der Erde verändert. Es gab aber auch eine Zeit, in der wir Menschen als Nomaden dann eben unsere Zelte abgebrochen haben und weiter gezogen sind. Das ist heute nicht mehr möglich.

 Seitdem wir uns entschlossen haben, sesshaft zu werden, übernehmen wir Verantwortung für den Platz, den wir besiedeln und für die Menschen, die dort leben. Wir sind nun genötigt, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Unsere technischen Hilfsmittel und die Kenntnisse der Wissenschaft helfen uns dabei nicht, wie die erstaunlichen Urteile gegen die italienischen Wissenschaftler gezeigt haben, die das Erdbeben in LÁquila nicht rechtzeitig bemerkt und davor gewarnt haben. Vielleicht sollte man zuerst einmal schauen, wie sinnvoll es ist, in bekanntermaßen gefährdeten Gebieten zu siedeln und ob es Möglichkeiten gibt, dort so zu bauen, dass die Schäden nicht so groß werden.

So müssen wir auch unseren Einfluss auf das Klima auf unserem Planeten ernst nehmen. Er verändert die Lebensbedingungen erheblich und macht es sehr schwierig, darauf angemessen zu reagieren. Eine globale Völkerwanderung, wie vor und nach den letzten Eis- oder Warmzeiten würde unsere gesamte Struktur zerstören (http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-10/gastbeitrag-hertsgaard). Die Zusammenbrüche der Maya-Kultur, der Khmer oder der Römer waren noch lokal begrenzt. Nun haben wir uns den gesamten Globus vorgenommen und mit einer Struktur überzogen, die den einzelnen Menschen hilflos macht. Alle wesentlichen Entscheidungen werden von den globalen Konzernen und Banken getroffen, folgen den Gesetzen des Marktes, eines Marktes, der rücksichtslos agiert.

 

Katastrophen werfen uns auf uns selbst zurück

In existenziellen Krisen sind Menschen plötzlich offen, ihre Umwelt mit anderen Augen zu sehen. In Griechenland haben sich erstaunliche Kooperativen gebildet, Menschen, die sich plötzlich gegenseitig helfen, umeinander kümmern. In den USA müssen viele Menschen nun neu beginnen, haben jetzt alles verloren. Es entstehen auch hier erstaunliche Partnerschaften und bisher nicht erkannte Zusammenhänge werden wahrgenommen. Der Gouverneur von New Jersey lobt den einstigen politischen Gegner Obama und der Ex-Republikanische Bürgermeister von New York empfiehlt, ihn wieder als Präsidenten zu wählen, weil er sich dafür einsetze, den Klimawandel aufzuhalten.

Ob diese Erfahrungen ausreichen, endlich die gesamte Struktur unserer „Zivilisation“ in Frage zu stellen bleibt abzuwarten.

Ohne Desaster, ohne die Katastrophe können wir Menschen offenbar nicht erkennen, wie sehr wir in die Natur, deren Teil wir nun einmal sind, eingegriffen haben. Es ist in der Tat so, wie uns die psychologische Forschung aufzeigt, dass wir zuerst „aus dem Bauch“ urteilen und handeln, den scheinbar bequemen Weg gehen und unser Bewusstsein erst hinterher erkennt, was wir getan haben. Jede Entscheidung wird von unserem Gehirn schon getroffen, bevor uns erst das Problem wirklich ins Bewusstsein gelangt. Nur wenn wir uns angewöhnen könnten, diese unsere bereits getroffene Entscheidung erst einmal zu prüfen, also erst zu denken und dann erst zu handeln, könnten wir auch zu vernünftigen Entscheidungen kommen. Bisher müssen wir leider erst einmal „gegen die Wand fahren“, den Schmerz spüren, bevor die Vernunft einsetzt.

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