Fotocredit: Jasper Wilde auf Unsplash
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Wieso eine Dürre oft jahrelange Auswirkungen hat und mit welchen Wetterextremen wir uns in Zukunft befassen müssen.

Mir kommt dieser Sommer extrem nass vor, doch in Wahrheit leidet die Landwirtschaft nach wie vor unter der Trockenheit der letzten Jahre. Was genau die Probleme sind, und was wir auch im Kleinen tun können, um dem Klimawandel entgegen zu wirken, darüber möchte ich heute schreiben.

Extreme Wetterbedingungen durch den Klimawandel

Monatelang kaum Regen, große Hitze, Trockenheit und dadurch Waldbrände, aufgeplatzte Straßen und Missernten. 2018 war der Klimawandel in unseren Breiten so greifbar wie noch nie. Die gemessene Dürreperiode war die größte seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Extreme Witterungen hat es früher schon gegeben, doch so drastisch wie in den letzten Jahren war es noch nie. Die Folgen waren selbst aus dem Weltall zu sehen, schockierende Bilder gingen um die Welt. Alles, was eigentlich grün sein müsste, war plötzlich vertrocknet und braun.

Bauern, die normalerweise drei bis vier Ernten aus ihrem Grünland ziehen, konnten nur einmal schneiden. Danach spross kaum ein Grashalm aus dem dürren Boden. Selbst auf ehemals guten Böden wuchs nichts mehr. Tiere fanden auf der Weide nichts mehr zu essen, es mussten bereits im Sommer die Wintervorräte angegriffen werden. Viele Bauern mussten Futter zukaufen oder den Tierbestand senken, um den Futterbedarf zu reduzieren. Betroffen waren vor allem Bio-Bauern, die den Großteil ihres benötigten Futters selbst anbauen. Im Krisenfall erlaubt die Öko-Richtlinie der Europäischen Union auch Bio-Bauern zu konventionellem Futter zu greifen. Doch Öko-Verbände schränken diese Ausnahmeregelung ein und schließen zum Beispiel Maissilage als Futter aus.

Doch nicht nur für die Tiere war die Witterung ein Problem. Auch Gemüse wie Zwiebeln, Mais oder Kartoffeln verkümmerten noch am Acker. Die Kartoffelernte in Deutschland fiel 2018 weit geringer aus, als noch in den Jahren zuvor. Der Ertrag war niedriger und noch dazu waren die Knollen kleiner als sonst. Auch weniger Getreide konnte geerntet werden.

Grüne Lunge in Gefahr

Auch die Wälder in Mitteleuropa hatten und haben unter der Hitze zu leiden. Vor allem Fichten und Kiefern, die ökonomisch wichtigsten Bäume, sind aufgrund ihres flachen Wurzelwerks betroffen. Von Trockenheit gestresste Bäume sind zudem eine leichte Beute für den Borkenkäfer, der sich 2018 rasant verbreitete. Um seine Ausbreitung zu bekämpfen wurde im großen Stil abgeholzt. Was natürlich langfristig keine gute Lösung ist, da Wald für ein Ökosystem enorm wichtig ist.

Es gibt auch Gewinner

Die warmen Temperaturen und vielen Sonnenstunden haben an anderer Stelle aber auch ihr Gutes für die Natur: die Gemüse- und Obsternte fiel im Vorjahr nahezu rekordverdächtig aus und auch die Winzer hatten ihre wahre Freude. Mengenmäßig übertrifft der Weinjahrgang 2018 die Vorjahre und auch die Qualität ist hervorragend.

So eine Dürreperiode kann mitunter mehrere Jahre dauern, da es deutlich höhere Niederschlagsmengen braucht, um das Defizit wieder auszugleichen. Gibt es nur normale Niederschlagsperioden reicht das nicht aus. Wissenschaftler erwarten für die Zukunft noch häufigere Dürreperioden, ganz generell extreme Wettersituationen wie Starkregen und Stürme in unseren Breiten – die letzten Monate bestätigen die Prognosen. Es ist also definitiv an der Zeit etwas zu tun!

Was können wir also gegen die Dürre tun

Wie so oft landen wir wieder beim Begriff „Biologisch“. Ökologisch bewirtschaftete Böden sind aufnahmefähiger für Wasser und können es auch länger speichern. Die CO2 Emissionen müssen radikal vermindert werden, um den unkontrollierten Klimawandeln zu verhindern. Dabei helfen ökologisch orientierte Anbaumethoden, Kompostierungsverfahren und reduzierte Bodenbearbeitung ohne Pflug (die sogenannte „Mulchsaat“, bei der die Pflanzenreste nach der Ernte liegen bleiben, um den Boden vor Erosion zu schützen), sowie die Kombination von Ackerbau und Waldwirtschaft – ökologische Landwirtschaft eben. Wald ist elementar für den Wasser- und Stoffkreislauf und auch für das Klima und die biologische Vielfalt. Um ihn fit für den Klimawandel zu machen empfehlen Experten bestehende Monokulturen in Mischwälder mit Eichen, Buchen, Linden, Ahorn und Elsbeere umzubauen. Diese heimischen Baumarten sind robust und anpassungsfähig.

Wenn Landwirte ihre Fruchtfolgen erweitern, werden sie immer auch Fruchtarten haben, die an auftretende Extremsituationen besser angepasst sind als andere. Außerdem können sogenannte Zwischenfrüchte angebaut werden, die auch als Gründünger dienen können. Zudem gibt es Züchtungen mit hoher Trockentoleranz, die für eine erfolgreiche Ernte immer wichtiger werden. Auch Bewässerungssysteme spielen künftig eine wichtigere Rolle als früher. Glücklicherweise gibt es hier mittlerweile auch viele Lösungen, zum Beispiel die nachhaltige Variante der Tropfbewässerung. Dabei sind in ausgelegten Schläuchen in regelmäßigen Abständen Auslässe angebracht, über die nur geringe Wassermengen an den Boden abgegeben werden, dafür laufend.

<a href="https://unsplash.com/photos/HxxmKwvUbgI">Fotocredit: RedCharlie auf Unsplash</a>
Fotocredit: RedCharlie auf Unsplash

Klimafreundliche Verbraucher

Bei den meisten Verbrauchern kam übrigens keine Besorgnis auf – warum auch? Die Freibäder wurden überrannt und die Folgen des Klimawandels spiegelten sich in unserem Alltag nicht wider. Die Regale im Supermarkt waren voll. Die Preise für Lebensmittel sind gleichmäßig niedrig. Nur Kartoffeln wurden im Vorjahr merklich teurer. Andere Produkte, wie Milch oder Mehl, wurden trotz der Knappheit nicht teurer. Warum? Im konventionellen Bereich bestehen hier immer noch Überschüsse. Den Löwenanteil der Kosten machen eben auch nicht die Rohstoffe aus, sondern andere Kosten wie Personal, Lagermiete oder Energie. Um als Verbraucher etwas zu bewirken hilft es nach wie vor vermehrt zu Bio-Produkten zu greifen, Lebensmittelmüll zu minimieren und Energie zu sparen.

In meinem kleinen Garten versuche ich den Boden nach ökologischen und nachhaltigen Grundsätzen zu pflegen. Das ist ein kleiner Teil, aber wenn viele so denken, dann wird die Größe der Fläche plötzlich relevant.

Quellen:
Schrot & Korn, Andreas Marx, „
Im Griff der Dürre
Klimareporter
Welt.de, 22.09.2018, Kathrin Reisinger, „Eine Dürre, wie es sie noch nie gab

 

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