Wer wirklich umweltbewusst leben möchte, sollte nicht nur auf Fliegen, sondern auch Streaming verzichten. -Fotocredits: HAL9001/Unsplash
Wer wirklich umweltbewusst leben möchte, sollte nicht nur auf Fliegen, sondern auch Streaming verzichten. -Fotocredits: HAL9001/Unsplash
Dass Fliegen als Klimasünde Nummer 1 gilt, ist den meisten bereits bekannt. Doch es gibt einen neuen Stern am Klimasündenhimmel: Streaming.

Bisher haben nur wenige die Informations- und Kommunikationstechnologie – kurz ICT genannt – als Nachteil für das Klima eingeordnet. Denn die Digitalisierung galt auch in Klimafragen als Fortschritt. Doch damit wurde der ICT-Sektor unterschätzt. Denn vor allem das Streaming von Videos treibt den steigenden Stromverbrauch an. Mittlerweile wird Streaming sogar als genauso klimaschädlich wie Fliegen angesehen.

Wie kommt dieser Vergleich zu Stande?

Laut dem französischen Thinktank „The Shift Project“ war Streaming im vergangenen Jahr für einen Treibhausgasausstoß verantwortlich, der so hoch war wie jener von Spanien (300 Megatonnen CO2).

Bereits eine halbe Stunde Streaming verursacht Emissionen, die 1,6 Kilogramm Kohlendioxid entsprechen. Umgerechnet wäre das so viel CO2, wie bei einer 6,28 Kilometer langen Autofahrt ausgeschüttet werden.

Der eigentliche Verbrauch entsteht dabei nur zum Teil durch den Nutzer beziehungsweise die Nutzerin. Problematisch sind vor allem die sogenannten Serverfarmen, also die zahlreichen Rechner, welche die Daten des Internets bereithalten und weitergeben.

Das bedeutet, dass nicht nur Streaming an sich, sondern generell die digitalen Medien Treibhausgasemissionen verursachen. Nämlich weltweit gesehen vier Prozent – das ist mehr als die zivile Luftfahrt. Davon wird der meiste Datenverkehr (80 Prozent) durch Videostreaming verbraucht.

Durch Streamingdienste werden 80 Prozent des weltweiten Datenverkehrs verbraucht. -Fotocredits: Will Porada/Unsplash

Die Prognose ist bitter: laut „The Shift Project“ wird sich die Menge des CO2 Ausstoßes in den nächsten sechs Jahren verdoppeln. Denn pro Jahr werden 11 Prozent mehr Smartphones produziert, die immer energieintensivere Features aufweisen. Aber auch in unserer Freizeit oder im Haushalt sind digitale Geräte auf dem Vormarsch – dazu gehören zum Beispiel auch Fitness-Armbänder oder komplexe Überwachungssysteme für Haus und Wohnung.

Das kann jeder und jede einzelne tun

  • Filme nicht mehr auf dem Smartphone über eine mobile Datenverbindung streamen, sondern in niedrigerer Auflösung über das WLAN anschauen. Denn wer Filme über sein Smartphone konsumiert, benötigt 1.500-mal mehr Energie, als bei gewöhnlichem Betrieb.
  • Die Autoplay-Funktion abschalten, damit die Mediendateien nicht mehr automatisch abgespielt werden.
  • Streaming-Dienste bewusst nutzen.
  • Auf nachhaltige Suchmaschinen – zum Beispiel Ecosia – umsteigen. Die Künstlerin Joana Moll hat für eines ihrer Projekte ausgerechnet, dass 23 Bäume gepflanzt werden müssen, um die CO2 Ausschüttung, die durch eine Sekunde Googeln weltweit entsteht, wieder auszugleichen.
  • Bildschirme mit HD-Qualität und nicht 4K oder 8K-Auflösung kaufen.

Fazit:

Streamingdienste haben sich mittlerweile in unser aller Leben und Alltag eingenistet. Darauf zu verzichten, dürfte für die meisten schwierig sein. Aber vielleicht ist es auch gar nicht notwendig, sondern reicht, wenn wir unseren Zugang dazu und unseren Konsum überdenken.

Ich habe mich zum Beispiel von Netflix, Amazon Prime und Co. abgemeldet. Wenn ich einen Film oder eine Serie sehen möchte, dann muss ich dafür zahlen. Dadurch zwinge ich mich auch, den Film beziehungsweise die Serie ganz bewusst wahrzunehmen und verhindere somit Binge-watching, das ich früher viel gemacht habe.

 Vielleicht ist das ja auch eine Möglichkeit für euch?

Quellen:

Streaming ist das neue Fliegen – Neue Zürcher Zeitung

Flugscham? Streamingscham!: Wie sehr die Digitalbranche das Klima belastet. – Der Tagesspiegel

Das neue Fliegen: Streaming verursacht immer mehr CO2 – Der Standard

23 Bäume, um eine Sekunde googeln wiedergutzumachen