Fotocredit: unsplash.com/Vince Gx
Fotocredit: unsplash.com/Vince Gx
Auf kleinem Raum zu leben geht in ganz vielen unterschiedlichen Formen. Eine davon ist eine Jurte.

Neben dem in den letzten Jahren immer populärer gewordenen kleinen Holzhäusern auf Rädern, gibt es viele Alternativen, reduziert zu leben. Manche Menschen leben extrem reduziert im Auto, Camper oder Van. Andere wählen etwas größere, aber doch noch reduzierte “Cottages” mit festem Fundament und massiven Wänden. Und dann gibt es aber eben auch Menschen, die es bevorzugen, in Jurten zu leben.

Was ist eine Jurte?

Eine Jurte ist ein mongolischer Rundbau, der einem Zelt ähnelt. Ein spezielles Gerüst aus Holz gibt die Struktur vor, und ein in passender Form genähter Stoff – traditionell ein Filz – bildet die Haut. In der Mitte – oder auch an der Seite ist meist im Dach eine Öffnung, wodurch es möglich ist, ein Feuer zum Heizen oder auch Kochen zu nutzen.

Die original mongolischen Jurten sind auf die Begebenheiten und vor allem das Klima dort angepasst, und können daher nur bedingt in Europa zu 100% so verwendet werden. Zumindest nicht ganzjährig.

Jurten sind so viel mehr als nur "Zelte". Sie haben eine ganz spezielle Wirkung auf uns. - Fotocredit: unsplash.com/Patrick Schneider
Jurten sind so viel mehr als nur “Zelte”. Sie haben eine ganz spezielle Wirkung auf uns. – Fotocredit: unsplash.com/Patrick Schneider

Die „europäische“ Jurte

In Mitteleuropa regnet es wesentlich mehr, bzw. hat es eine höhere Luftfeuchtigkeit. Das gilt speziell auch im Winter, weshalb eine original mongolische Jurte mit Filzbespannung nur bedingt zu empfehlen ist. In unseren Breiten werden stattdessen häufig LKW-Planen oder imprägnierte Zeltstoffe für die Hülle verwendet. Wenn wir wirklich ganzjährig in einer Jurte leben wollen, macht es auch Sinn, einen stabilen, gedämmten Boden zu bauen, und auch die Wände und Decke der Jurte zu dämmen. Dazu benötigen wir im Grunde zwei Jurtenrahmen, wo dazwischen die Dämmung – meist Schafwolle – angebracht wird.

Manche Menschen bauen auch eine Außenschicht aus Holz, und nutzen somit lediglich die ursprüngliche Form. Es gibt also viele unterschiedliche Varianten, Jurten auf unser Klima anzupassen. Dabei geben wir teilweise Vorteile der ursprünglichen Bauweise auf, um andere Nachteile auszugleichen.

Auch in unseren Breiten finden wir immer wieder Jurten. - Fotocredit: unsplash.com/Annie Spratt
Auch in unseren Breiten finden wir immer wieder Jurten. – Fotocredit: unsplash.com/Annie Spratt

Gründe für das Leben in der Jurte

Warum würde aber jemand überhaupt in einer Jurte leben wollen? Dafür gibt es viele unterschiedliche Antworten.

Die runde Bauform

Der wohl wesentlichste Grund für viele ist die runde Form. Ähnlich wie bei Domen und Kuppeln hat die runde Bauform eine ganz besondere Wirkung auf uns, die in Worten nur schwer zu beschreiben ist.

Leicht transportabel

Je nach Komplexität, Boden und Dämmung kann die Zeit des Auf- und Abbaus zwar variieren, aber in den meisten Fällen sollte eine Jurte innerhalb von einem Tag, maximal zwei auf- bzw. abgebaut sein. Dies ist zwar mehr zeitlicher Aufwand als für ein Tiny House auf Rädern, aber dafür benötigen wir weder einen Kran, noch einen Tieflader oder andere schwere Zugfahrzeuge. Unterm Strich benötigt ein Transport also weniger Energieaufwand.

In der Mongolei kann man auch Jurten-Hotels besuchen. - Fotocredit: unsplash.com/Yang Shuo
In der Mongolei kann man auch Jurten-Hotels besuchen. – Fotocredit: unsplash.com/Yang Shuo

Nachteile der Jurte

Das Leben in der Jurte hat aber natürlich auch einige Herausforderungen. Ein bereits erwähnter ist die fehlende Masse, weshalb es eine ziemliche Herausforderung ist, den Raum auch länger ohne aktiv zu heizen warm zu halten. Es gibt aber noch weitere Aspekte, die möglicherweise eine Jurte weniger reizvoll machen.

Keine Fenster

Zumindest wenn wir vom originalen Design ausgehen, hat die Jurte lediglich eine Tür, und in manchen Fällen in der Mitte eine Dachkuppel, wo Licht eindringen kann. Nicht aber Fenster in den Wänden. Wir sehen also nicht einfach so, was um uns herum draußen passiert. Außer, wir passen das Design etwas an.

Einrichtung

Auch die Inneneinrichtung kann zur Herausforderung werden, da wir es meist nicht gewohnt sind, runde Räume einzurichten. Gleichzeitig kann es aber auch eine Bereicherung sein, sich neuen Herausforderungen zu stellen.

Genehmigung

Gerade im deutschsprachigen Raum kann das Aufstellen einer Jurte möglicherweise auch zur Herausforderung werden, wenn es um baurechtliche Vorgaben und Genehmigungen geht. Sie fallen rein rechtlich unter die Bezeichnung eines “fliegenden Baus”, was teils eine Baugenehmigung genötigt und teils nicht. Je nach Gemeinde kann es hier aufgrund der Unklarheit des Spezialfalls sehr unterschiedlich ablaufen.

Ganz besonders schön ist es, wenn der Mittelkreis der Jurte it einem Kuppelfenster versehen ist. - Fotocredit: unsplash.com/Espen Bierud
Ganz besonders schön ist es, wenn der Mittelkreis der Jurte it einem Kuppelfenster versehen ist. – Fotocredit: unsplash.com/Espen Bierud

Fazit

Wie bei jeder anderen Form von Ting Living ist das Leben in einer Jurte sehr speziell , und wohl nur für die Menschen geeignet, die diese Bau-und Wohnform ganz explizit wählen.

Aber wir können eine Jurte ja auch noch für andere Dinge als das ganzjährige Wohnen nutzen. Sie kann uns etwa auch nur als Aufenthaltsraum, Rückzugsort oder für spezielle Anlässe wie zur kreativen Arbeit, zum Meditieren, oder für Seminare dienen. Wir können sie ungedämmt und nur im Sommer nutzen, und dazwischen abbauen. Und auch die Größe kann schließlich initial relativ frei gewählt werden. Eine Jurte bietet uns also jede Menge kreativen Spielraum, wie wir sie nutzen können.

Weiterführende Quellen

jurtenwerkstatt.at
jurten.heimat.eu
jurtenland.eu