Trotz zunehmender „grüner“ Technologie steigt der Verbrauch von Öl, Gas und Strom sowie die Menge an CO2 in der Atmosphäre. Zum einen wächst der energieintensive „Wohlstand“ in den Schwellenländern, zum…

Trotz zunehmender „grüner“ Technologie steigt der Verbrauch von Öl, Gas und Strom sowie die Menge an CO2 in der Atmosphäre. Zum einen wächst der energieintensive „Wohlstand“ in den Schwellenländern, zum anderen fahren die Bürger in den Industriestaaten mit „gutem Gewissen“ ihre Hybridautos nun viel mehr als zuvor. Klimaschutz und Nachhaltigkeit werden so nicht erreicht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/enquete-kommission-abgeordnete-warnen-vor-gruener-wachstumsfalle-a-856982.html

 

Wachstum frisst Einsparungen an CO2 oder Energie wieder auf

Zuerst wunderten sich die Verbraucher, dass ihre Stromrechnung nicht kleiner wurde, obwohl sie eisern Strom gespart hatten. Die Konzerne hatten den geringeren Verbrauch durch „angepasste“ – also erhöhte Preise wieder ausgeglichen. Dann stellten Behörden, Büroinhaber, ja auch normale Verbraucher fest, dass der Einsatz von Energiesparlampen nicht zu einer Verringerung des Verbrauchs führt. Die Lampen waren manchmal permanent eingeschaltet, zumindest wesentlich länger, als zuvor die alten Glühbirnen, weil sie so lange brauchten, die erforderliche Helligkeit zu erreichen, auch, weil mehr Lampen eingesetzt wurden – sie brauchen einzeln ja weniger Strom – um eine angenehmere Lichtfarbe zu erhalten.

Autofahrer stellen fest, dass ihre Kilometerleistung steigt, sobald sie ein Fahrzeug mit sparsamerem Motor besitzen. Man muss ja nun nicht mehr überlegen, ob man das Auto nutzt – oder vielleicht das Fahrrad oder den Bus? Der Umsatz an Benzin und Dieselkraftstoff ist jedenfalls nicht spürbar zurückgegangen, zeitweise sogar eher angestiegen.

Der Run auf „Bioprodukte“ hat den Markt genötigt, nicht nur ökologisch erzeugte Lebensmittel aus der ganzen Welt heranzuschaffen, weil die ansässigen Biobauern den Bedarf nicht mehr decken können, sondern hat auch dazu geführt, dass sehr bedenkliche „Bio-Marken“ eingeführt werden, die den strengen Regeln der wirklich nachhaltigen und ökologischen Landwirtschaft überhaupt nicht entsprechen. So ist auch die „Ökobilanz“ nachhaltig angebauter und produzierter Lebensmittel in ein schlechtes Licht geraten.

 

Ohne eine wirkliche Veränderung des gesamten Systems wird nichts erreicht

Rebecca Costa hat in ihrem Buch: „Kollaps oder Evolution“ beschrieben, wie zuvor Hochkulturen zusammenbrachen, weil sie verzweifelt versuchten, unter Beibehaltung ihres Systems den Kollaps zu verhindern und dabei – logischerweise – kläglich gescheitert sind. Die Kulturen der Khmer, der Majas und der Römer sind gescheitert, weil sie das Wissen darum, wie eine menschliche Gesellschaft wirtschaften und zusammenleben muss, verdrängt haben durch den irrationalen Glauben, dass sie technologische Wege kennen würden, den Kollaps zu verhindern. Ihre Kulturen waren aber so kompliziert geworden, dass eine Neuordnung wirklich die Aufgabe des Gesellschaftssystems bedeutet hätte. Dazu waren sie nicht bereit.

Genau an diesem Punkt stehen wir heute. Erschwerend kommt hinzu, dass dieses Mal unsere „Kultur“, unser Wirtschaftssystem die ganze Erde umfasst und nicht mehr lokal begrenzt ist. Nach diesem Kollaps würde wirklich nur ein anderer Planet als „Ausweichquartier“ helfen.

Es kann also nicht helfen, dem „Markt“, der ja angeblich so frei und kreativ, ist zu überlassen, technologische Wege zu finden, um die Menschheit aus der globalen Krise zu führen, ohne dass das gesamte System der Wirtschaft, der Finanzen, des Zusammenlebens schlechthin, neu organisiert wird. Besonders die Satrapen der Konzerne bemühen sich nach Kräften, insbesondere dort, wo sie noch mitreden können, die Veränderung aufzuhalten ( http://www.taz.de/FDP-Arbeitspapier-zum-Oekostrom/!102076/).

 

Sieben Milliarden Menschen auf dem Niveau der USA?

Selbst die Einführung von Zweiliter-Autos würde den globalen Treibstoffbedarf nicht senken, weil der Bestand an Fahrzeugen inzwischen mindestens um das Zehnfache angewachsen sein wird. Die Schwellenländer, besonders China, Indien und Brasilien sind dabei, den Standard Europas, ja der USA zu erreichen, was bedeutet, dass ihr Energiebedarf schneller zunimmt, als er mit herkömmlichen Mitteln gedeckt werden kann. Hier steht bereits ein brutaler Verteilungskampf an, um die letzten Ressourcen fossiler Energieträger. So gut wie alle Fahrzeuge, die in diese Länder geliefert, oder hier produziert werden, brauchen Benzin oder Dieselkraftstoff und das in kaum verringertem Ausmaß. Die explosionsartig wachsende Industrie in diesen Ländern hat einen immensen Energie- und Rohstoffhunger. Wenn alle Menschen auf diesem Planeten einen Lebensstandard, wie die Amerikaner erreichen wollen, ist der Kollaps dieses Planeten bereits in wenigen Jahren unabwendbar. „Lasst uns erst einmal euer Niveau erreichen, dann denken wir über Nachhaltigkeit nach“, ist oft die ehrliche Meinung der Politiker, allerdings auch unserer. Wir können ja auch nur von diesem Wachstum profitieren, weil es unsere Waren und Dienstleistungen sind, die dort gebraucht werden. Jeder Einwand, dass man vielleicht erst Nachdenken und dann handeln solle, wird stirnrunzelnd verurteilt. Man gönne den Menschen wohl nicht unseren Lebensstandard.

 

Soll wirklich der Rest der Menschheit unsere Fehler wiederholen?

Einhunderttausend Kinder in über einhundert Ländern haben sich inzwischen zusammengefunden und pflanzen schon einmal Bäume (bereits über 12,6 Milliarden) um der CO2-Konzentration in der Luft entgegenzuwirken (http://www.plant-for-the-planet.org/de/). Diese Kinder sehen das, was ihre Eltern weltweit anrichten noch unvoreingenommen, sozusagen außerhalb des Systems stehend, so wie unsere Generation in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts fassungslos vor den Trümmern des letzten Krieges stand und fragte, wie man denn einfach so weitermachen könne. Jean Ziegler beschreibt wieder einmal, in seinem neuen Buch: „Wir lassen sie verhungern“, das zwar jährlich weltweit Lebensmittel für 12 Milliarden Menschen hergestellt werden, aber trotzdem alle fünf Sekunden ein Kind Hungers stirbt. Gleichzeitig stürzen sich Staaten in ein finanzielles Chaos, sind völlig überschuldet, während eine Hand voll Menschen so viel Kapital angehäuft hat, dass alle Schulden damit beglichen werden könnten.

Wie ohne eine radikale Änderung der bestehenden Verhältnisse eine Lösung aller anstehenden Probleme erreicht werden soll, übersteigt wirklich die Vorstellungskraft auch der kreativsten Köpfe. Dabei wissen die meisten Menschen, die die Macht hätten, die nötigen Veränderungen zu erzwingen, was zu tun wäre. Allerdings trauen sie sich weder, dies zuzugeben, noch die notwendigen Schritte einzuleiten.

 

Haben wir noch nicht begriffen, dass man Geld nicht essen kann?

Gegen die Lethargie – um nicht Dummheit zu unterstellen – der Menschen kämpfen neben den besagten Kindern, seit Jahrzehnten neben den unermüdlichen Aktivisten von Greenpeace neue, außerparlamentarische Gruppen, wie Attac (http://www.attac.org/), Occupy und besonders die Bauern in den „Schwellenländern“ in der „Via Campesina“ (http://viacampesina.org/en/).

Wir alle, auch in den in dieser Hinsicht abgestumpften Industriestaaten, fühlen in uns eine Unruhe, eine Unsicherheit, ja Stress, weil unser Lebensstil unseren Jahrtausende alten Erfahrungen widerstrebt. Wir sind keine Wesen, die als Einzelkämpfer um jeden Preis den eigenen Vorteil suchen, sondern Gemeinschaftswesen, die nur in einer funktionierenden Gruppe überleben können. Wir haben Millionen Jahre nachhaltig auf diesem Planeten gelebt, aber in den letzten 5000 Jahren einen völlig falschen Weg eingeschlagen. Das ist, gemessen an der langen Zeit davor, ein winziger Moment, jedoch jetzt mit gewaltigen Auswirkungen. Es ist Zeit, diesen Fehler radikal zu beheben. Zeit, uns an der Hand zu nehmen und gemeinsam den Schutt zu beseitigen.