Ist nachhaltiges Leben teuer? Lange Jahre war es ruhig um die Ökobewegung, Bio-Müsli die Kost hysterischer Weltuntergangs-Neurotiker in Strickjacken. Statt an Atomkraftwerke fesselte man sich ans Internet, statt Stubenarrest gab…

Ist nachhaltiges Leben teuer?

Lange Jahre war es ruhig um die Ökobewegung, Bio-Müsli die Kost hysterischer Weltuntergangs-Neurotiker in Strickjacken. Statt an Atomkraftwerke fesselte man sich ans Internet, statt Stubenarrest gab es jetzt das Handy-Verbot. Die Generation-Golf fuhr schneller und schneller – und plötzlich waren sie da. Wie aus dem Nichts (scheinbar) kamen sie und schweben seitdem drohend über unseren Köpfen: Klimawandel, CO2 und Ressourcenknappheit. Die Generation-Golf muss bremsen.

Was ist eigentlich Nachhaltigkeit?

Der Bremsvorgang heißt „Nachhaltigkeit“: „Nachhaltige Entwicklung heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Zukunftsfähig wirtschaften bedeutet also: Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben.“ So schreibt es der Rat für Nachhaltige Entwicklung. (www.nachhaltigkeitsrat.de)

Mit einem Phänomen treten häufig auch seine Anhänger auf den Plan; in dem Falle die sogenannten „Lohas“ (Lifestyle of Health and Sustainability). So wird eine Gruppe von Menschen genannt, die meist zur besser verdienenden Schicht mit hohem Bildungsabschluss gehören und einen besonders gesunden und ökologischen Lebensstil führen. Ist es denn so, dass zu einem nachhaltigen Leben ein ebenso nachhaltiges Einkommen gehört?

Nachhaltigkeit rechnet sich

Das Öko-Institut Freiburg (www.oeko.de) ist in einer Studie1 unter anderem auch dieser Frage nachgegangen und fand heraus, dass ein klimabewusster und nachhaltiger Lebensstil keine Einschränkungen in der Lebensqualität bedeutet und in der Regel sogar noch günstiger ist. Von den größten Möglichkeiten der CO2-Einsparung sei lediglich der vollständige Umstieg auf Bio-Lebensmittel teurer.

Das größte Klimaschutzpotential, mit drei Tonnen CO2-Einsparung für einen Zwei-Personen-Haushalt, stecke in der Wärmedämmung von Gebäuden. Und wer Energie spart, spart bares Geld. Der Austausch der alten Heizungsanlage verbunden mit der Installation von Solarkollektoren mache weitere 1,5 Tonnen CO2 aus. Dabei seien beide Maßnamen letztendlich für den Verbraucher kostenneutral, da die sinkenden Energiekosten die Investition ausgleichen.

Größtes Einsparpotential liegt in den Bereichen Energie und Ernährung

Eine weiterer wichtiger Schritt zum CO2- und Geldsparen sei der Austausch alter Elektrogeräte mit neuen, energiesparenden Varianten. Wer sich beispielsweise einen neuen Kühlschrank der Energieklasse A++ anschaffe, könne bis zu 76 Prozent Strom sparen.

Es muss nicht gleich Bio-Kost sein, um das Klima zu schonen. Weniger Fleisch bei mehr Obst und Gemüse würde schon eine günstigere Öko-Bilanz ausmachen und ist außerdem noch gesünder. Fleisch- und Milchprodukte haben von allen Lebensmittelgruppen zusammen schon einen Anteil von 55 Prozent an den CO2-Emissionen.

Das CO2-intensivste Lebensmittel ist Rindfleisch. Dieses sollte man öfters durch andere Fleischsorten ersetzen. Beim Einkaufen sollte man auf die geeignete Menge an Nahrung achten. In deutschen Durchschnittshaushalten werden pro Jahr Lebensmittel im Wert von 400 Euro weggeworfen, weil zu viele Reste übrig bleiben oder Sachen in der hintersten Ecke des Kühlschranks in andere Lebensformen übergehen.

Viele Tipps zum nachhaltigen Leben und Hilfe bei Produktentscheidungen liefert beispielsweise der Nachhaltige Warenkorb des Nachhaltigkeitsrates.

Bewusster Konsum – Auf was verzichten wir denn?

Billige Anschaffungen sind oft nur vermeintliche Schnäppchen, wenn sie nach kurzer Zeit schon den Geist aufgeben und schnell wieder ersetzt werden müssen. Auf Langlebigkeit der Produkte sollte man achten und bei jeder Kaufentscheidung den tatsächlichen Bedarf abchecken. Das schont langfristig Ressourcen und Portemonnaie.

Nachhaltigkeit bedeutet auch Teilen. Wie oft benutzt man Bohrmaschine, Akkuschrauber und Kreissäge im Jahr? Und braucht wirklich jeder in der Straße seinen eigenen Rasenmäher? Könnte man sich nicht absprechen und sich die Geräte gegenseitig ausleihen? So tritt man auch wieder in ein engeres Verhältnis zu seiner Nachbarschaft und kommt eventuell sogar das ein oder andere Mal in den Genuss von frisch gebrühtem Kaffee und selbst gebackenen Kuchen. Ein Kaffeklatsch, der Geld spart und Ressourcen schont.

Und wer Autofahrten unter drei Kilometern vermeidet, und dafür die Brötchen lieber mit dem Rad holt, hat Sprit und damit Geld gespart und gleichzeitig was für seine Fitness getan. Alles in allem: Ein nachhaltiger Lebensstil ist günstiger und gesünder.

Bild: © Martina Liel

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