Fünf landwirtschaftlichen Fachschulen sind dabei.

Im Rahmen eines wissenschaftlichen Projektes werden Schülerinnen und Schüler aus fünf landwirtschaftlichen Fachschulen ganz „verrückt“ nach Natur. Bei NaturVerrückt geht es nämlich darum, wissenschaftlich fundierte phänologische Daten zu erheben. Aktiv mitmachen und die Natur einmal hautnah, abseits vom Klassenraum, kennenlernen ist hier das Ziel.

Auf Facebook wurde jüngst auch ein eigener Logowettbewerb ausgeschrieben und dank der eingereichten Zeichnungen konnte das Projekt mit einem eigenen Logo ausgestattet werden. So ist die Community in alle Phasen des Projektes inkludiert.

Wir haben uns näher mit dem Projektleiter Helfried Scheifinger von der ZAMG unterhalten.

Sie sind Projektleiter des Schulprojekts NaturVerrückt. Worum genau geht es bei diesem Projekt?

Das muss ich gleich vorweg richtigstellen: Die Idee stammt von Klaus Wanninger (LACON), auch der Großteil des Projektantrages. Er ist der eigentliche Motor des Projektes.

Die ZAMG beschäftigt sich ja schon seit vielen Jahrzehnten mit der Phänologie und betreibt ein phänologische Beobachtungsnetz. Die Idee, hier bei Sparkling Science mitzumachen und einen Antrag einzureichen ist nicht neu. Wir hatten ja schon einmal vor einigen Jahren bei einem der ersten Sparkling Science Ausschreibungen einen nicht geglückten Anlauf unternommen.

Dieses Mal hat es geklappt, vor allem, weil Klaus Wanninger gleich einmal fünf landwirtschaftliche Schulen von seiner Idee begeistern konnte. Hier sind zwei Partner aufeinandergetroffen, die einander ergänzen. Die ZAMG steuert den wissenschaftlichen Unterbau und institutionellen Rahmen bei, Klaus Wanninger die direkte Zusammenarbeit mit den Schulen.

So bin ich zur formalen Projektleitung von NaturVerrückt gekommen und kümmere mich um den zum Teil recht intensiven Austausch mit der Förderstelle.

Die Projektbeschreibung:

Die Phänologie untersucht Zusammenhänge zwischen dem saisonalen Zyklus von Pflanzen- und Tieren als Funktion des jahreszeitlichen Witterungsverlaufes. Pflanzen wirken dabei als sehr empfindliche, integrierende Indikatoren des bodennahen Klimas und reagieren mit zunehmend früheren Eintrittszeiten der Blüte oder Fruchtreife unmittelbar auf die „verrückte“ Temperaturentwicklung der letzten Jahrzehnte. Daher wird die Phänologie als Klimaimpaktindikator immer mehr geschätzt und von der Wissenschaft verwendet. Die Folgen der Verschiebung der Eintrittszeiten auf diverse Ökosysteme sind noch kaum abzusehen. Langjährige Beobachtungen des Zeitpunktes von Austrieb, Blüte oder Fruchtreife lassen die Wirkung des Anstiegs der globalen Mitteltemperatur auf den saisonalen Zyklus der Vegetation auch für Laien sichtbar werden. Im Forschungsprojekt NaturVerrückt erheben Schüler/innen aus fünf landwirtschaftlichen Fachschulen phänologische Daten an eigens gepflanzten Hecken und an landwirtschaftlichen Nutzpflanzen der Versuchsflächen. Über eine gemeinsam mit den Jugendlichen entwickelte Phäno-App werden die Daten von den Klassen direkt in das phänologische Beobachtungsnetzwerk der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) sowie die paneuropäische phänologische Datenbank PEP725 eingespeist und stehen so auch anderen Forschungs- und Bildungsinitiativen zur Verfügung. Mithilfe von am Schulgelände erhobenen Wetterdaten werden die Zusammenhänge zwischen Temperaturverlauf und Naturentwicklung der Wildgehölze und landwirtschaftlichen Kulturarten dokumentiert. Die aktuelle saisonale Entwicklung der Pflanzen an den Schulstandorten und die „naturverrückte“ Forschungsarbeit der Schüler/innen können dabei über eine Vernetzungswebsite von der interessierten Bevölkerung live mitverfolgt werden.

Wer wird bei diesem Projekt mit dabei sein und welche Ergebnisse werden erwartet?

Beteiligt sind folgende Schulen:

1. Landwirtschaftliche Fachschule Edelhof, Niederösterreich

2. Landwirtschaftliche Fachschule Giesshübl, Niederösterreich

3. Landwirtschaftliche Fachschule Warth, Niederösterreich

4. Landwirtschaftliche Fachschule Hohelehen, Niederösterreich

5. Landwirtschaftliche Fachschule Mistelbach, Niederösterreich

Weiters:

1. LACON – Landschaftsplanung & Consulting, Wien

2. Universität für Bodenkultur Wien, Institut für Zoologie, Wien

3. Deutscher Wetterdienst, Leipzig, Deutschland

4. ÖKOLOG Schulnetzwerk Niederösterreich

5. Verein Regionale Gehölzvermehrung, Niederösterreich

6. Forstbaumschule Amon, Niederösterreich

7. Wetterstationen e-wetter e.U.

Zu welchen Ergebnissen soll es kommen?

Folgende drei Projektziele werden angestrebt:

1. Erfassung der phänologischen Entwicklungen von ökologisch wichtigen heimischen Wildgehölzarten für die noch wenig phänologische Daten vorliegen.

2. Dokumentation der Wirkung der Variabilität des Klimas auf jahreszeitliche Entwicklungsstadien ausgewählter Wildgehölzarten und landwirtschaftlicher Kulturarten. Damit soll eine Abschätzung möglicher Konsequenzen der steigenden Temperaturen auf die Landwirtschaft durchgeführt und im Anschluss mögliche Adaptionsmaßnahmen diskutiert werden.

3. Entwicklung moderner Erhebungsmethoden (Online-Applikationen) und Materialien zur Dokumentation phänologisch-klimatischer Zusammenhänge durch Schüler/innen, Landwirt/innen und die breite Öffentlichkeit.

Können Sie das noch genauer erklären?

Der erste Schwerpunkt ist sicher ein didaktischer. Der Kontakt mit den landwirtschaftlichen Schulen, die Zusammenarbeit mit Lehrern und Schülern steht im Zentrum. Unsere Motivation für das Projekt entspringt der Hoffnung, dass die hier gesammelten Erfahrungen über die Projektlaufzeit und über das Projekt selbst hinausreichen.

Dabei geht es um die Schüler/innen selbst, die lernen, dass es die ZAMG gibt und woran dort unter anderem gearbeitet. Sie erfahren etwas über die Klimavariabilität und lernen, wie man systematische Naturbeobachtungen anstellt und welchen Nutzen diese Beobachtungen haben. Wir erhoffen uns begeisterte Beobachter, die über ihre Schulzeit hinaus ihre phänologischen Beobachtungen sammeln und in unsere Datenbank füttern. Oder auch in ihrem Bekanntenkreis einfach davon erzählen und so vielleicht den einen oder anderen dafür interessieren.

Die dazugehörigen Fachbegriffe heißen ‚Citizen Science‘ oder auch ‚Crowd Sourcing‘. Damit werden Datenerhebungsmethoden beschrieben, die sich durch die rasante Entwicklung der digitalen Kommunikationsmittel aufgetan haben. Vor allem die Biowissenschaften profitieren von der Beteiligung interessierter Laien.

So kommt die Wissenschaft an Datensätze heran, die über herkömmliche Methoden praktisch unfinanzierbar wären. Aus Sicht des Betreibers eines phänologischen Beobachtungsnetzes ist das eine großartige Sache, vor allem, wenn wir unseren stetigen Schwund an sehr treuen und zuverlässigen Beobachtern betrachten, die uns oft über viele Jahrzehnte mit sorgfältig ausgefüllten phänologischen Papierbögen versorgt haben.

Das phänologische Internetportal konnte zwar seit 2006 den Datenfluss schon deutlich erhöhen, aber die räumliche Dichte lässt im Westen Österreichs sehr zu wünschen übrig. Das Institut für Zoologie der BOKU arbeitet zurzeit intensiv an der Smartphone-App, die dann von den Schülern zur Dateneingabe im Feld verwendet werden soll. Die Rückmeldungen der Schüler unterstützen die optimale Gestaltung der App. Die Bedienung soll ja nicht nur einfach, sondern auch attraktiv ausgelegt sein.

Foto: Scheifinger H., ZAMG

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