In den Niederlanden kann man in einer ganz besonderen Konstruktion Vögel beobachten, ohne sie zu stören.

Letzten Herbst wurde die Haringvliet-Schleuse in der Nähe von Stellendam in den Niederlanden geöffnet, um die Wasserqualität und die Biodiversität in diesem Gebiet zu verbessern. Durch die Schleusenöffnung wird innerhalb weniger Jahre ein gesundes Ökosystem mit hoher Biodiversität entstehen, in dem auch viele Vögel nisten. Auch die Migration von Nordseefischen in dieses Gebiet wird durch diese Schleusenöffnung gefördert. Da man auch dem Menschen die Möglichkeit geben wollte, dieses Gebiet und seine Veränderungen zu beobachten und zu genießen, hat man ein paar Observatorien und Aussichtstürme gebaut.

Das markanteste Objekt am Haringvliet ist eine eiförmige Konstruktion aus Holz, die mit Reet bedeckt ist. Aus dieser Konstruktion kann der Mensch unbemerkt den diversen Vogelarten zusehen, die in dem Gebiet leben und brüten. Das eiförmige Vogelobservatorium hat den Namen ‘Tij bekommen, was ein Wortspiel ist. Das niederländische Wort tij bedeutet Gezeiten, mit dem Apostroph davor ist es aber gleichzeitig eine umgangssprachliche Kurzform von het ei, zu Deutsch schlicht das Ei. (Im Niederländischen wird der Digraph ‘ij’ genauso ausgesprochen wie ‘ei’ im Deutschen.)

‘Tij liegt im Naturschutzgebiet Scheelhoek, hier umfasst ein Deich ein großes Gebiet mit Röhricht. Außerhalb des Deiches ist die Landschaft durch kleine Inseln gekennzeichnet. Auf diesen Inseln brüten verschiedene Vogelarten, vor allem Watvögel und verschiedene Schwalbenarten. Das Ei liegt am Ende des Deiches. Wandert man dort hin, kann man auch auf dem Deich schon Uferschwalben, Seeschwalben und einige Watvögel sehen. Gegen Ende des Weges, bevor man das Ei erreicht, wurde der Weg übertunnelt, so können Menschen das Observatorium erreichen ohne die brütenden Vögel zu stören. Der Tunnel ist aus Hartholzplatten errichtet und mit Sand bedeckt, so dient auch er als Brutplatz für Vögel.

Das Ei selbst ist eine faszinierende Konstruktion aus Holz und Reet, mit Treppen und verschiedenen Plattformen im Inneren. Die parametrische Holzkonstruktion ist mit Schilfrohr verkleidet, hat aber mehrere Öffnungen, die als Fenster dienen. Nach oben in den Himmel und nach vorne zum Wasser ist es ganz geöffnet, sodass man hier freie Sicht auf Fauna und Flora hat. Die Einzelteile für die Holzkonstruktion wurden in Finnland gefertigt, mit dem Schiff in die Niederlande gebracht und vor Ort zusammengebaut. Das Reet, das für die Außenverkleidung verwendet wurde, wurde direkt am Haringvliet geerntet. Das Ei kann jederzeit wieder abgebaut und abtransportiert werden, um es woanders aufzubauen oder auch zu recyceln.


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Bild: ro-ad.org

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