Die Stadt wieder zu einem Ort zu machen, in dem Menschen mit der Umwelt im Einklang leben können, scheint ein ehrgeiziges Projekt zu sein, im Angesicht der chaotischen Zustände in…

Die Stadt wieder zu einem Ort zu machen, in dem Menschen mit der Umwelt im Einklang leben können, scheint ein ehrgeiziges Projekt zu sein, im Angesicht der chaotischen Zustände in vielen Megastädten. Im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung führt daran aber auch kein Weg mehr vorbei.

 

Stadt als Problem und als Chance

 

Die Stadt – ihrer Wortbedeutung nach eine „Stätte“ (von althochdeutsch „stat“) – kann heute und besonders bei einer Betrachtung über die Problematik der Ver- und Entsorgung nur noch als „verdichteter Siedlungsraum“ definiert werden. Die kleinste Stadt Deutschlands Arnis, mit 403 Einwohnern, würde hier in jedem Fall als kleineres Dorf zu behandeln sein.

Bei einer Betrachtung der Energieversorgung derartig dicht besiedelter Stätten schneiden diese gegenüber einer Flächensiedlung mit weiter verstreuter Bebauung traditionell besser ab. Schon die Römer hatten Systeme entwickelt, ihre „Städte“ zentral mit Wärme zu versorgen, vorrangig natürlich dort, wo Wärme in Form von Thermalquellen vorhanden war (z.B. Trier, Bath). Seit dem 19. Jahrhundert wird das System einer Fernwärmeversorgung auch in europäischen Städten genutzt, insbesondere aufgrund der Feuergefahr und der starken Umwelt- und Gesundheitsprobleme durch die vielen Einzelfeuerstätten der frühen Großstädte. Allerdings konnte dieses nur wirkungsvoll umgesetzt werden, wenn die Energieversorgung der Stadt in kommunaler oder staatlicher Hand war. Dagegen standen die Interessen der Öl- und später der Gas- und Elektrokonzerne, ihre Produkte abzusetzen.

So ist die Fernwärmeversorgung in der ehemaligen DDR mit etwa 32 Prozent der Haushalte wesentlich höher, als in den alten deutschen Bundesländern mit knapp 9 Prozent. Allein Städte, die im 20. Jahrhundert noch anfänglich Stadtwerke besaßen, wie Berlin oder Hamburg, haben noch entsprechende Rohrleitungsnetze, wenigsten in einigen Stadtteilen. Mit der Privatisierung der Energieversorgung und dem Verkauf der Stadtwerke wurde der weitere Ausbau vernachlässigt.

 

Zurück zu den Wurzeln, Energieversorgung in Bürgerhand

 

Es ist offensichtlich, dass Wärmenetze effizienter, kostengünstiger zu verlegen und zu nutzen sind, wenn die Energiedichte größer, also die Wege zu den einzelnen Abnehmern kürzer sind. Wenn dann noch Vernunft in den Planungsbehörden regiert und bei jeder Erneuerung eines Bürgersteiges, einer Strasse, jeder Tiefbaumaßnahme Fernwärmerohre prophylaktisch verlegt werden, kann eine Stadt in recht kurzer Zeit vollständig „verrohrt“ werden.

Die Kosten für derartig mit verlegte Netze liegen bei etwa 40 Prozent der üblichen Kosten. Ist so ein Netz erst einmal vorhanden, kann jedes Haus, ob historisches Gebäude oder moderner Neubau, problemlos angeschlossen werden, wird doch einfach die vorhandene Heizung durch eine Übergabestation ersetzt, die zudem einen Bruchteil des Platzes einnimmt und den Schornstein überflüssig macht. Vorbildlich waren hier natürlich Staaten wie die DDR, wo es keine Interessenkonflikte wie in kapitalistischen Ländern gab.

In Greifswald gab es zum Beispiel die Abwärme des Kernkraftwerks, in Städten wie Neu-Brandenburg Erdwärme vollständig klimaneutral. Nach dem Anschluss der „neuen Bundesländer“ mussten in Greifswald erst einmal fossile Energieträger (erst Öl, später Erdgas) in neuen Blockheizkraftwerken einspringen, da das AKW sofort abgeschaltet wurde. Die Westkonzerne wollten ohnehin lieber Öl, Gas und Strom verkaufen, als die fast kostenlose Wärme aus der Erde den Bürgern überlassen. Erst mit Beginn der Maßnahmen zum Klimaschutz werden die alten Systeme saniert und reanimiert.

 

Klimaneutrale Energie auch und gerade für die Städte

 

Wien hat das umfangreichste Fernwärmenetz Europas, versorgt von „Wien Energie“ und erzeugt die benötigte Wärme bereits zu über 20 Prozent ohne fossile Rohstoffe, nämlich durch Abfallverbrennung. Hier liegt für große Ballungsräume das erste große Potenzial. Basel, München und Hannover entdeckten als nächstes Reservoir die Wärme aus den Tiefen der Erde und errichten Geothermiekraftwerke, auch immer mit der gleichzeitigen Erzeugung von Wärme und Strom. Den Rest decken zurzeit noch vorwiegend Erdgasheizkraftwerke.

Da allerdings die Europäische Union bereits seit Jahren propagiert, dass der gesamte Erdgasbedarf in Europa mit Biogas gedeckt werden könnte, werden nun auch Biogasanlagen besonders gefördert, die das Gas aufbereiten und in das Erdgasnetz einspeisen. Dazu würden etwa 30 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen benötigt. Völlig außer Acht gelassen wurde dabei allerdings das enorme Potenzial an biologischen Reststoffen. Allein aus den riesigen Mengen der Lebensmittelreste lässt sich ein Drittel dieser Flächen einsparen.

Zwar liegt in Städten, besonders wenn dort noch energieintensive Industrie angesiedelt ist, der Strombedarf über dem Landesdurchschnitt – also über 20 Prozent des Gesamtenergiebedarfs, so ist dieser trotzdem noch unter dem Bedarf an Wärme – etwa 50 Prozent des Gesamtverbrauchs. In „intelligenten“ Heizkraftwerken oder Geothermieanlagen wird dann auch im Sommer, bei geringerem Wärmebedarf aus der überschüssigen Wärme zusätzlich Strom erzeugt. Wenn dann noch gerade in der Industrie ein intelligentes Wärmekonzept die Abwärme nicht mehr in die Umwelt abgibt, sondern auch nutzt, liegen hier enorme Potenziale. Die Ziele mancher Großstädte, in kürzester Zeit klimaneutral zu werden sind durchaus realistisch. Die Probleme einer nachhaltigen Müllentsorgung sind in vielen Städten – siehe Wien – dabei gleich mitgelöst worden.

 

Und wo ist das Problem der Umsetzung

 

Überall dort, wo die Versorgung der Stadt, die Infrastruktur der Lebensnerven noch in Händen der Stadtverwaltung ist, in Form von Stadtwerken, kann und wird flexibel und verantwortlich gehandelt. Da die Bürger eingebunden sind, besteht auch ein Interesse, die Bereitschaft mit zu denken. Überall dort, wo lebenswichtige Bereiche privatisiert wurden und sogar noch von international operierenden Großkonzernen bedient werden, besteht überhaupt ein Interesse zu einer nachhaltigen Entwicklung. Konzerne wie RWE haben bisher kaum 3 Prozent Erneuerbare Energie im Programm, während einzelne Stadtwerke es schon auf über 50 Prozent bringen.

Viel schlimmer ist allerdings, dass Geld aus der Stadt fließt, das eigentlich vollständig dort, in der Hand der Bürger oder eben der Stadtverwaltung bleiben könnte. Zahlreiche Skandale, wie um den Konzern VEOLIA oder Suez zeigen, dass nur Rendite zählt, nicht die Qualität der Versorgung und schon gar nicht ein fairer Preis für den Kunden.

1 Kommentar

  1. Die richtige Balance zwischen Marktversagen und Staatsversagen zu finden ist schwierig. Wir wissen aus Erfahrung, dass in überregulierten, autoritären Systemen wie in der DDR die Korruption blüht – und wir wissen auch, dass ungebremstes Profitstreben im freien Markt uns in eine ökologische, und letztlich auch ökonomische, Sackgasse führt. Der Weg nach Utopia ist noch nicht gefunden.

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