Der Mensch braucht relativ wenige Dinge zum Leben. Manche kaufte man vor einiger Zeit noch einmalig fürs Leben. Seit Beginn der Industrialisierung allerdings werden die Menschen mit Ramsch überschüttet, mit…

Der Mensch braucht relativ wenige Dinge zum Leben. Manche kaufte man vor einiger Zeit noch einmalig fürs Leben. Seit Beginn der Industrialisierung allerdings werden die Menschen mit Ramsch überschüttet, mit Schaden für die Gesundheit und die Umwelt und hergestellt von Sklaven. In welchem Jahrhundert leben wir eigentlich?

(http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/eu-kommission-tester-finden-mehr-gefaehrliche-produkte-in-europa-a-900258.html ) ; (http://www.zeit.de/2013/20/wegwerfgesellschaft-industrie-ramsch); (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/boese-dinge-ausstellung-im-museum-fuer-kunst-und-gewerbe-hamburg-a-900118.html).

 

Seit 50 Jahren vergiften wir uns – und die Mitwelt

 

Vom Babyspielzeug bis zum Gebäude, die giftigen Produkte der chemischen Industrie sind allgegenwärtig. Erlaubt ist, was billig ist und massenhaft hergestellt werden kann. Risiken, von der Herstellung bis zur Entsorgung werden nicht beachtet, solange das Produkt eine Rendite verspricht. Es geht nicht mehr darum, etwas, was die Menschen brauchen, herzustellen, sondern irgendetwas zu erfinden, was möglichst massenhaft verkauft werden kann. Der Markt wird dann schon dafür geschaffen. Selbst Gebäude – und das betrifft fast alle Bauten seit den 60er Jahren – müssten eigentlich abgerissen und als Sondermüll entsorgt werden. Die erste Ausgabe des Buches „Wohngifte“ Anfang der 80er Jahre listete alle Materialien auf, die für den Anwender, den Nutzer und schließlich für die Umwelt schädlich sind. Von Dämmstoffen über Holzschutzmittel, Farben, Teppichbelägen bis zu Holzplatten und Stoffen war so ziemlich alles vertreten, was überall im Haus zu finden war. Manche Materialien wurden daraufhin vom Markt genommen oder in der Zusammensetzung verändert, aber leider waren sie längst massenhaft verbaut worden. Umbauten oder gar Abrisse dieser Gebäude müssen oft mit besonderen Schutzvorkehrungen für die Arbeiter erfolgen, alles Material als Sondermüll behandelt werden. Die Kosten sind immens, werden den skrupellosen Herstellern aber nicht angelastet. Diese trägt – wie immer – der geschädigte Bürger selbst. (http://umweltinstitut.org/fragen–antworten/wohngifte/wohngifte-42.html)

(http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-05/interview-braungart)

 

Nicht Qualität ist gefragt, sondern einzig Masse, also Umsatz

 

Der Kunde ist schon lange nicht mehr König, sondern wurde längst zum Sklaven degradiert, der unsinnige Produkte konsumieren soll. Oft ist er sogar der Müllmann, der giftige Abfallstoffe, die die Industrie eigentlich teuer entsorgen müsste, in Form eines Produktes sogar noch bezahlt, um es dann als Sondermüll entsorgen zu lassen. Dass er vielleicht gefragt würde, was er denn brauche, um es dann in möglichst hoher Qualität herzustellen, gehört in die Vergangenheit. Der Bedarf wird von der Industrie geschaffen, nicht mehr von den Kunden erfragt.

Der Motor hinter all diesem Irrsinn ist die Sucht nach Rendite. Schon ein Bankdarlehen, das eine Firma vielleicht benötigt, um eine Ware herzustellen, muss mit Zinsen zurückgezahlt werden. Das Geld soll sich – für den Geldgeber – vermehren, egal wie. Der Hersteller hat nun das Problem, das er in seiner Kalkulation auch noch diese wachsende Summe zusätzlich einkalkulieren muss. Der Betrieb muss wachsen, mindestens um den Betrag der Zinsen. Finanziert sich der Betrieb aus Mitteln privater „Investoren“, muss das Wachstum gar noch größer sein, weil diese eine Verzinsung – diese heißt nun Rendite – erwarten, welche über den üblichen Bankzinsen liegt. Ohne Aussicht auf Wachstum gibt es sonst kein Geld. Zu dem Problem der Gestaltung eines guten Produkts kommt nun der Stress, dieses in möglichst großer Zahl und zu möglichst geringen Kosten herstellen zu müssen. Viele Dinge werden nur deshalb gekauft, weil sie so billig sind – wir sind ja nicht blöd – und nicht, weil der Mensch diese braucht. Am Ende sind die Kunden eben doch blöd, nämlich so blöd, ihr Geld permanent aus dem Fenster zu werfen, für Dinge, die sie nicht brauchen und wenn sie sie brauchen, dann in so erbärmlicher Qualität, dass sie nach kurzer Zeit als Schrott dem Geld hinterherfliegen – nämlich aus dem Fenster.

 

Der Kunde ist eigentlich nicht dumm, lässt sich aber immer mehr für dumm verkaufen

 

Den Menschen ist der Sinn für Qualität und der Anspruch, diese auch zu erhalten, systematisch abtrainiert worden. Schon die Kleinsten werden mit Müll überschüttet, der sie sogar noch krank macht, oft gar fürs Leben. Die gesamte Erlebenswelt, schon der kleinen Erdenbürger ist voller Dinge, die völlig überflüssig sind, aber die kindliche Neugier missbrauchen. Ebenso missgeleitet ist der natürliche Sammeltrieb. An allen Ecken wird den Menschen zugerufen, vor Augen gehalten, dass das neue Produkt so viel besser sei als das vorhergehende und vielleicht auch noch viel billiger. Die gesamte Erziehung unserer Industriegesellschaften macht uns zu dummen Konsumenten, die glauben, dass der Besitz besonderer Produkte uns Anerkennung verschafft, man zumindest als Loser gilt, wenn man diese nicht besitzt.

Noch vor 100 Jahren gab es  in den jeweiligen Kulturkreisen keine Zweifel, wie ein Produkt gestaltet und beschaffen sein muss. Plötzlich ist dieses Wissen verloren, der Mensch verloren in einem Meer der Beliebigkeit. Worte wie „Geschmack“ oder eben „Qualität“ sind zu sinnleeren Worthülsen geworden. Die angebliche Freiheit allerdings, die sich in dieser „Welt der Möglichkeiten“ zeigen soll, ist eine völlige Unfreiheit. Es herrscht eine skrupellose Diktatur, der sich die Menschen genauso freiwillig unterwerfen, wie einst dem „guten König“ oder „dem guten Führer“. Die Menschen in den „freiheitlichen Demokratien“ waren unfreier, als die „armen Brüder und Schwestern“ in den wenigstens offensichtlichen Diktaturen. Diese haben ihnen immerhin gezeigt, wie leicht man sich der Diktatur entledigen kann. Es wird Zeit, dass wir Konsumsklaven uns endlich befreien und nicht ein Leben lang auf einen neuen Spartacus warten.

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