Mal ganz ehrlich- überall hört man immer wieder, wie schlecht Plastik doch sei, und wie gut es wäre, es zu vermeiden, wo es nur geht. 2017 wurden weltweit rund 380…

Mal ganz ehrlich- überall hört man immer wieder, wie schlecht Plastik doch sei, und wie gut es wäre, es zu vermeiden, wo es nur geht. 2017 wurden weltweit rund 380 Millionen Tonnen Kunststoff verbraucht. Aber was ist jetzt wirklich das große Problem mit diesem Multitalent an Stoff? Ohne Plastik wäre unsere Welt nicht annähernd so weit fortgeschritten, wie sie es nun mal ist. Werkzeuge, Roboter, Computer, Handys, Brettspiele, DVDs, Vinylscheiben und so vieles mehr haben unsere Welt unglaublich toll und angenehm gestaltet.

Es gibt Einsatzgebiete für Kunststoffe, an denen nur sie perfekte Ergebnisse erzielen können- zum Beispiel Lasermaschinen oder Bohrwerkzeuge beim Zahnarzt. Ohne Kunststoffe wären die viel zu schwer, um sie gut verwenden zu können, oder auch einfach zu teuer. Auch als Verpackungsmaterial ist Kunststoff oft unerlässlich- als Kanister für frisches Wasser- gerade in trockenen Gebieten zum Beispiel. Alles andere wäre hier unmöglich verwendbar. Man braucht sie als biegsame Isolatoren um Kabel, oder als Klebstoffe in der Luftfahrt.

Vorteile von Plastik

Kunststoffe sind in vielen verschiedenen Formen und Verbindungen vorhanden. Manche sind extrem weich und biegsam (Plastiksackerl beim Einkaufen, Verpackungsfolien …), andere sehr hart und trotzdem elastisch (Tupperware, Plastikflaschen …)- oder hart und brüchig (Lichtschalter, Klobrillen …). Es gibt sogar flüssige Kunststoffe, die beispielsweise in Kosmetika eingesetzt werden.

Aus Kunststoffen kann man unglaublich viele Dinge herstellen. Sie werden zu Textilfasern gemacht, zum Rohrbau verwendet, als Materialien in der Autoindustrie oder als Lacke, Harze und Klebstoffe. Beim Arzt als Spritzen, Pflaster und Schläuchen … Die Möglichkeiten scheinen schier unendlich.

Und so viele Vorteile Plastik unbestreitbar hat, so viele Nachteile gehen damit leider einher. Um das ganze Ausmaß zu verstehen, müssen wir auf die verschiedenen Kunststoffe gesondert eingehen.

Das Problem mit Plastik

„Das“ Problem sind eigentlich mehrere. So bedeuten Polymere in Kosmetika ein direktes Problem für Umwelt und Körper, während Plastisackerl aus dem Supermarkt Probleme für Umwelt und Meeresbewohner bedeuten und so weiter.

Dass Kunststoffe giftig sein können und die Umwelt bedrohen weiß inzwischen fast jeder. Sehen wir uns also an, was an Plastik sonst noch problematisch ist.

Photo: Hermes Rivera

Die Entsorgung

Beginnen wir mit der Entsorgung. Es ist wie mit allen problematischen Stoffen auf dieser Welt- sie werden hergestellt, ohne auch nur den geringsten Plan zu ihrer nachhaltigen Entsorgung.

Nicht vergessen werden darf dabei aber, dass Recycling von Kunststoffen nicht gerade einfach ist. Es gibt so unendlich viele verschiedene Verbindungen, die man nicht vermischen sollte, weil das einen großen Qualitätsverlust bedeuten würde. Eine Plastikflasche zusammen mit einem Plastik-Blumentopf oder einer Klarsichtfolie einschmelzen? Nicht unbedingt perfekt.

Klar, Plastikflaschen und viele alltäglich verwendete Kunststoffe werden zumindest in Österreich großteils recycelt oder energetisch verwertet (Verbrennung), aber die Wahrheit ist doch, dass nur eine einzige im Wald vergessene Plastikflasche ein so großes Problem darstellt, dass man sich ehrlich fragen sollte, ob man das verantworten kann. (Ganz davon abgesehen, dass die weltweite Recyclingquote 2012 nur 3% (!!!) betrug.) Und ein Blick in unsere Ozeane und auf unsere Strände reicht aus, um eine klare Antwort zu geben.

Denn Plastik kann nicht mit organischen Stoffen „interagieren“. Das bedeutet, es verrottet nicht, kann nicht gefressen oder verdaut werden und bleibt dem Wald, oder dem Meer erhalten. Und das so gut wie unendlich lange. Denn selbst wenn durch Abrieb und Alter aus der Flasche irgendwann Milliarden winziger Partikel entstanden sind, sind diese immer noch aus demselben Stoff, wie die Flasche ganz zu Anfang. Weichmacher, Flammschutzmittel und andere giftige Stoffe, mit denen der Kunststoff versetzt wurde, reichern sich dann in der Umwelt an und können dort wiederum für Schäden sorgen.

Aber schon bevor ein Teil Kunststoff sich „auflöst“ werden die Nachteile von Plastik sichtbar: Gerade im Meer richten sie immensen Schaden an. Tiere fressen sie, halten sie für Futter und verenden an vollen Mägen, verstrickt in einem Plastiknetz, oder an inneren Verletzungen.

Photo: rawpixel

Gesundheitsgefahr

Die Polymerstrukturen der Kunststoffe sind, wie schon erwähnt, eigentlich als ungefährlich für den Körper einzustufen. Sie werden nicht von organischen Membranen aufgenommen, sind deswegen also theoretisch sicher. Das Problem stellen die hinzugefügten Additive dar, die fast immer giftig für die Umwelt und Lebewesen sind. Diese Additive können sogar „ausschwitzen“, sie treten also mit der Zeit aus dem Kunststoff aus und gelangen so in die Umwelt.

Für Kunststoffe im medizinischen oder Lebensmittelbereich gelten deswegen ganz besonders strenge Auflagen.

Zu den oben erwähnten Additiven zählen zum Beispiel das bekannte Bisphenol A (als Härtemittel in Beschichtung von Dosen etc.), Phthalate (hormonell wirksam) diverse Weichmacher und andere.

Kleiner interessanter Fakt am Rande: In einer Studie des Wiener Umweltbundesamtes von 2004, wurden 8,8 mg/kg BPA (Bisphenol A) in Hausstaub nachgewiesen.* Und erst 2011 wurde die Produktion von Babyflaschen mit BPA in der EU verboten! Wer als Kind also an etwas genuckelt hat, hat ziemlich sicher einiges davon abbekommen.

Bisphenol A kann zum Beispiel die Fruchtbarkeit bei Männern beeinträchtigen und Proteine und Enzyme blockieren, die für das Wachstum wichtig sind.

Phtalate, die als Weichmacher funktionieren, haben ähnliche Wirkungen auf den Körper. Sie wurden in Kinderspielzeugen verwendet und kommen noch immer in manchen Arzneimitteln vor.

Und so geht es weiter, es gibt keine wirklich völlig bedenkenlosen Additive. Aber um diesen Artikel nicht ausarten zu lassen, beschränken wir uns auf diese kurzen Beispiele. Denn die Aussage ist klar: Kunststoffe sind in vielen Bereichen nicht mehr wegzudenken. Bezüglich Umwelt und Gesundheit ist ihre Verwendung im Alltag aber weiterhin fragwürdig.

Nur, das Problem ist nicht so einfach zu lösen: Sollen auf einen Schlag alle Getränke nur mehr in Glasflaschen verfügbar sein? Energietechnisch macht das gar keinen Sinn. Und es geht auch nicht darum, Plastik komplettt zu verbannen. Es geht darum, dort mit der Reduktion zu beginnen, wo wir können.

Photo: Danielle Macinnes

Das kann der völlig unnötige Plastik-Strohhalm im Kaffeehaus sein, oder die (beschichteten) Coffee-to-go-Becher. Man kann versuchen, bei der Verpackung beim Einkaufen zu sparen und möglichst viel offenes Obst und Gemüse kaufen.

Für mehr Tipps für einen nachhaltigeren Einkauf ohne Mikroplastik- sieh doch hier vorbei.

Die Lichtblicke

Aber noch einmal zum Thema Plastik zurück. Wir erinnern uns daran, dass Kunststoffe an sich nicht mit Organismen „zusammenarbeiten“ können, weil sie keine organischen Zellmembrane durchdringen. Das bedeutet theoretisch, dass sich diese Stoffe nie wirklich auflösen.

Wieso theoretisch? Nun, es gibt ein paar Lichtblicke in diese Richtung. Tatsächlich sogar aus dem Reich der Insekten. (Und in meinem letzten Artikel wollte ich sie noch essen.)

Von zwei Mottenarten ist bekannt, dass sie mithilfe von Darmbakterien Polyethylen zersetzen können. Eine dritte Mottenlarve kann sich innerhalb von Sekunden durch Polyethylen-Folien fressen. Wie genau das funktioniert ist aber noch nicht bekannt.

Erst 2016 wurde ein Bakterium entdeckt, dass PET-Abfälle zersetzen kann, dafür aber leider extrem lange braucht.

Am spannendsten: Die allseits bekannten Mehlwürmer können tatsächlich nur von Polystyrol ernährt werden und wandeln dieses in CO2 und abbaubaren Kot um. Dabei können sie bis zu 40mg täglich essen- also eine vielleicht einmal brauchbare Methode, um den Kunststoff loszuwerden.

Die Forschung steht bei all diesen Methoden aber noch ganz am Anfang. Trotzdem gibt es ein paar vielversprechende Ansätze, um Kunststoffe vielleicht doch biologisch wertvoll oder zumindest unschädlich zu verwerten.

Alternativen?

Alternativen für nicht abbaubare Kunststoffe sind logischerweise abbaubare Kunststoffe, sogenanntes Bio-Plastik. Was genau es damit auf sich hat, und ob es wirklich so gut ist, wie einem glauben gemacht wird, kommt bad in einem Folge-Artikel.

Photo: Javier Molina

Fazit

Es bleibt zu sagen, dass Kunststoffe in vielen Bereich unerlässlich sind, aber gerade im alltäglichen Gebrauch Schaden anrichten können, den man nicht sieht. Das Umweltproblem in den Ozeanen ist schon längst nicht mehr in den Griff zu kriegen.

Wären die zugesetzten Stoffe auf JEDER Verpackung, und jedem Stück Plastik aufgelistet, wäre ein bewusster Umgang mit ihnen einfacher. So, wie es aber aktuell ist, würde ich persönlich dazu raten, Plastik wo es geht, zu vermeiden. Schlechtes kann davon eigentlich nicht kommen.

 


Quelle:

*http://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/BE258.pdf


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