Wie wirken sich die Covid-Pandemie, Inflation, hohe Transportkosten und Rohstoffpreise für Batteriezellen auf weltweite Energiespeicher aus? Hinkt Europa trotz starkem globalen Wachstums hinterher?

Die globalen Märkte für Energiespeicher werden bis zum Ende des Jahrzehnts zusammen um das 15-fache auf 411 GW (1,19 TWh) wachsen. Das Wachstum wird durch die jüngsten politischen Veränderungen in den USA und Europa angekurbelt. Allerdings könnten Lieferkettenbeschränkungen die Entwicklung verlangsamen, so die neueste Prognose von BloombergNEF (BNEF).

Das Forschungshaus prognostiziert, dass 13% mehr Kapazität – 46 GW (145 GWh) – als zuvor geschätzt, gebaut wird. Angetrieben wird das Wachstum durch den US-amerikanischen Inflation Reduction Act (IRA), der 369 Milliarden US-Dollar für saubere Technologien vorgesehen hat, und den REPowerEU-Plan der EU, der die Ambitionen erhöht hat, die Abhängigkeit von Gas aus Russland zu verringern. BNEFs „2H 2022 Energy Storage Market Outlook“  schätzt, dass mindestens rund 30 GW (111 GWh) Energiespeicher bis 2030 gebaut werden, obwohl Lieferkettenengpässe bis 2024 zu erwarten sind.

Tendenzen weltweit

In Europa hat sich laut BNEF die russische Invasion in der Ukraine deutlich auf die Entwicklung der Energiespeicherung ausgewirkt. Die USA und China werden bis 2030 die beiden größten Energiespeichermärkte bleiben und mehr als die Hälfte der weltweiten Installationen ausmachen. Europa holt jedoch mit einem deutlichen Kapazitätsanstieg auf, der durch die aktuelle Energiekrise angeheizt wird.

Die Rekordstrompreise zwingen die Verbraucher:innen, neue Formen der Energieversorgung in Betracht zu ziehen, was das kurzfristige Wachstum im Wohnsegment unterstützt. Allerdings gibt es auch im Verbrauchersegement Lieferprobleme. Zusätzlich zur Covid-Pandemie, haben Inflation, hohe Transportkosten und Rohstoffpreise Batteriezellen im letzten Jahr verteuert. In der Zwischenzeit haben Projekte lange Vorlaufzeiten für die Finanzierung, Entwicklung und Inbetriebnahme.

Wer wird die Nase vorne behalten?

Regional wird der asiatisch-pazifische Raum bis 2030 den Aufbau von Speichern auf Megawattbasis anführen, wobei die Dynamik durch den schnell wachsenden Markt in China unterstützt wird. Amerika wird mehr Kapazität auf Megawattstundenbasis hinzufügen, da Speicheranlagen in den USA in der Regel mehr Speicherstunden haben. Afrika, Europa und der Nahe Osten hinken, auch nach den jüngsten politischen Entwicklungen, hinterher.

BNEF stellte fest, dass vor allem die sich schnell entwickelnde Batterietechnologie den Markt für Energiespeicher  antreibt. Lithium-Ionen-Batterien machen derzeit die Mehrheit der Installationen aus, aber viele Nicht-Batterie-Technologien befinden sich in der Entwicklung, wie Druckluft und thermische Energiespeicherung. Dennoch wird erwartet, dass Batterien den Markt mindestens bis in die 2030er Jahre dominieren werden, was zum großen Teil auf ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit, ihre etablierte Lieferkette und ihre bedeutende Erfolgsbilanz zurückzuführen ist.


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