Hättest du gewusst, dass es etwa 2.000 unterschiedliche Apfelsorten gibt? Wahrscheinlich nicht, denn aus dem Supermarkt kennen wir höchstens 6-8 unterschiedliche.

Nicht nur, dass uns die Sortenvielfalt oftmals verborgen bleibt, alte Obst- und Gemüsesorten haben auch noch jede Menge weiterer Vorteile und Benefits. Oder hättest du gedacht, dass beispielsweise eine Fructoseintoleranz davon abhängt, welche Apfelsorte man verspeist?!

Unsere Natur lebt von der Artenvielfalt und diese müssen wir auf jeden Fall helfen zu bewahren. Schätzungsweise sind bereits 75% aller alten Sorten im Lauf der letzten 100 Jahre verloren gegangen und können auch nicht wieder gebracht werden. 

Photocredit: pixabay.com/272447

Wohin und warum sind die alten Sorten verschwunden? 

Seit Beginn der Industrialisierung denken wir Menschen mit Fokus auf Wirtschaftlichkeit und Ertrag. Alte Obst- und Gemüsesorten wurden oftmals viel mehr im Hinblick auf ihren Geschmack gezüchtet. Außerdem war früher wichtig, dass die Pflanzen den Eigenschaften ihres Standorts gerecht wurden. Deshalb sind viele von ihnen auch nicht so ertragreich, wie es der Handel gerne gehabt hätte und in den meisten Fällen wurden alte Sorten durch sogenannte Hybridsorten ersetzt. 

Unter Hybridsorten versteht man Pflanzen, die auf Merkmale wie Optik, Gleichförmigkeit des Fruchtstandes und eben Ertragfähigkeit hin gezüchtet wurden. Sie bieten dadurch also viele Vorteile für Handel und Bauern, da viel mehr aus einer Pflanze rauszuholen ist. Die Frage ist nur, ob bei den meisten Obst- und Gemüsesorten Quantität oder Qualität entscheidend sein sollten. 

1 Der Geschmack zählt !

Heutzutage ist es oftmals so, dass es von allem 2-3 Sorten gibt und damit hat sich die Sache. Kartoffeln findet man teilweise nur noch festkochend, mehlig oder gar bunte Sorten sind beinahe völlig aus den Regalen verschwunden.
Doch hier sollten wir vielleicht auch mal umdenken und unseren inneren Kulinariker channeln: je mehr Vielfalt an alten Sorten wir haben, desto mehr Farbe, Aroma und Geschmack findet sich auch in unseren Töpfen und auf unseren Tellern wieder. 
Denken wir hier nur an die Zucchini; meist bekommen wir die konventionelle, grüne und längliche Frucht auf den Tisch. Doch eine runde Sorte lässt sich beispielsweise viel besser füllen. 

Photocredit: pixabay.com/lumix2004

2 Die Gesundheit im Fokus 

Ob nun alte Obst- und Gemüsesorten gesünder sind, als ihre Hybridgeschwister der Moderne, das ist umstritten. Doch wie eingangs erwähnt, zeigt zum Beispiel der Versuch mit Apfel-Allergikern, dass sie einige alte Sorten ohne Probleme (in kleineren Mengen) essen können, ohne davon Beschwerden zu bekommen. 

Beispielsweise der weitgehend unbekannte Herbstapfel der Sorte Santana ist ein wahrer Wunderapfel für Allergiker. Durch lange Lagerung oder auch durch die Kreuzung und Züchtung einer besonders schönen Apfelfarbe, leiden die enthaltenen Polyphenole. Das sind jene Pflanzenstoffe, die sich positiv auf unser Immunsystem und als Antioxidantien auf unseren Organismus auswirken. 
Je geringer jedoch der Gehalt, desto anfälliger sind Allergiker auf diese Sorten. 

3 Unterstützung regionaler Quellen und bewusstes Einkaufen 

Da du die Raritäten kaum im üblichen Supermarkt bekommen wirst, haben sie einen weiteren Vorteil. Denn mit der bewussten Suche danach wirst du eher auf kleine Betriebe und regionale Bauern stoßen. Das Einkaufserlebnis wird so nicht nur nachhaltiger und bewusster gestaltet, du unterstützt damit auch noch kleine Betriebe und Bauern aus deiner Gegend. 

Eine gute Bezugsquelle sind auch immer Gemüsekisten direkt vom Bauernhof, oder gemeinschaftliche Landwirtschaft in deiner Nähe. 

Photocredit: pixabay.com/Myriams-Fotos

4 Die Sache mit der Achtsamkeit

Besonders schön ist es auch sich selbst mit alten Sorten und Raritäten zu beschäftigen. Wenn du die Möglichkeit hast, selbst Pflanzen zu ziehen und sie dann weiter zu kultivieren, solltest du das nutzen. 

Online finden sich zahlreiche Vereine, die sich der Bewahrung der Sortenvielfalt verschrieben haben, bei denen du auch Samen oder Jungpflanzen kaufen kannst. Dazu musst du übrigens nicht mal einen großen Garten haben, viele Sorten kannst du im Topf anpflanzen und brauchst dazu lediglich ein Fensterbrett mit passender Temperatur und Sonne. Dazu ist natürlich zumindest ein hellgrüner Daumen nicht von Nachteil. 

Durch einen bewussteren und achtsameren Umgang mit Lebensmitteln und alten Sorten, kannst du nicht nur selbst direkt etwas lernen, auch deine Kinder lernen auf diese Weise bestens, wie sie mit Obst und Gemüse umgehen und zu schätzen wissen, was aus der Erde auf den Teller kommt.