Seit mittlerweile zehn Jahren sorgt ein besonders süßes Wiener Energieprojekt für warme Wohnungen: Die „Schnitten‑Heizung“ von Wien Energie und Manner. Seit 2016 wird die Abwärme eines der größten Waffelöfen der Welt in das lokale Fernwärmenetz eingespeist und heizt rund 600 Haushalte in Ottakring und Hernals. Wir haben schon damals darüber berichtet.
Wie aus heißer Waffelluft Fernwärme wird
Im Manner‑Werk in Hernals entsteht beim Backen der berühmten Schnitten jede Menge heiße Abluft. Ein Rohrsystem sammelt diese Wärme und leitet sie aufs Dach der Fabrik. Dort wird mit der heißen Luft Wasser erhitzt, das anschließend als Fernwärme in das Netz eingespeist wird.

Die Leistung beträgt rund ein Megawatt, genug für Heizung und Warmwasser der umliegenden Wohnungen. Ein Teil der Abwärme bleibt im Werk: Moderne Technik nutzt sie, um Kälte für betriebliche Kühlprozesse zu erzeugen.
Regionale Wärme als Baustein für „Raus aus Gas“
Die Schnitten‑Heizung ist ein Paradebeispiel dafür, wie lokale Abwärmequellen sinnvoll genutzt werden können. Wien Energie setzt dabei auf ein breites Portfolio regionaler Wärmequellen:
- Therme Wien: Abwärme aus Thermalwasser für rund 1.900 Haushalte
- Digital‑Realty‑Rechenzentrum: Wärmeversorgung der Klinik Floridsdorf
- Großwärmepumpen: Spittelau, Simmering und die Kläranlage ebswien liefern gemeinsam Wärme für knapp 100.000 Haushalte
Das größte Zukunftspotenzial liegt jedoch in der Tiefengeothermie. Gemeinsam mit der OMV entsteht in der Seestadt Aspern die erste große Anlage, die ab 2028 rund 20.000 Haushalte versorgen soll. Im Vollausbau könnten es bis zu 200.000 sein.
Fernwärme als Schlüssel zur Klimaneutralität
Die Wiener Fernwärme ist ein zentrales Instrument der städtischen Dekarbonisierungsstrategie. Ihr Anteil am gesamten Wärmebedarf soll bis 2040 von derzeit gut 40 auf über 50 Prozent steigen.
Schon heute versorgt das 1.350 Kilometer lange Fernwärmenetz rund 479.000 Haushalte – das entspricht etwa 44 Prozent aller Wiener Wohnungen.
Tradition trifft Innovation
Für Manner ist die Schnitten‑Heizung auch ein Bekenntnis zum Standort Wien. Der Traditionsbetrieb investierte in den vergangenen Jahren massiv in die Modernisierung seines Werks in Hernals. Dass die Abwärme der Waffelproduktion nun seit einem Jahrzehnt die Nachbarschaft mit sauberer Wärme versorgt, zeigt, wie gut Wiener Tradition und moderne Energielösungen zusammenpassen.

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Bild: Wien Energie