Die neue Cow-PV Anlage im Allgäu zeigt, wie gut Landwirtschaft und Solarenergie zusammenpassen. Auf fast fünf Hektar grasen Kühe unter Solarmodulen.

Im bayerischen Biessenhofen ist eine der derzeit spannendsten Agri‑PV‑Anlagen Deutschlands ans Netz gegangen. Die sogenannte Cow‑PV verbindet Solarstromerzeugung mit Weidehaltung: Kühe grasen unter Solarmodulen, während darüber Strom für das Nestlé‑Werk produziert wird. Das Projekt zeigt, wie Landwirtschaft und Energiewende auf derselben Fläche funktionieren können.

4,5 Megawatt Leistung auf fast fünf Hektar

Die Anlage wurde auf einer 4,74 Hektar großen Fläche errichtet – rund sieben Fußballfelder. Insgesamt 7.800 Solarmodule stehen auf zwei Meter hohen Stahlträgern, hoch genug, damit die Tiere ungehindert darunter weiden können. Die installierte Leistung beträgt 4,5 Megawatt Peak. Rechnerisch deckt die Cow‑PV damit ein Viertel des jährlichen Strombedarfs des Werks.

An sonnigen Tagen reicht der Solarstrom laut Werksleitung sogar aus, um das Werk vollständig zu versorgen.

Landwirtschaft bleibt Hauptnutzung – nach DIN SPEC 91434

Die Fläche bleibt weiterhin Weide‑ und Futterfläche. Die Anlage erfüllt die Anforderungen der DIN SPEC 91434, die sicherstellt, dass Agri‑PV‑Flächen landwirtschaftlich voll nutzbar bleiben. Kühe und Kälber können sich frei bewegen, Heu kann weiterhin erzeugt werden. Die PV‑Module sind so angeordnet, dass Maschinen und Tiere ausreichend Platz haben.

Kühe unter Solarmodulen: „Null Stress“

Bio‑Landwirt Gerhard Metz, der die Fläche bewirtschaftet, berichtet von durchweg positiven Erfahrungen. Seine Kühe akzeptieren die Module problemlos:

  • „Null Stress“ für die Tiere
  • Schattenplätze an heißen Tagen
  • angenehme Luftzirkulation unter den Modulen
  • keine Verletzungen, keine Schäden an der Anlage

Die Tiere liegen gerne unter den Paneelen, fressen überall und zeigen laut Metz eine „super Entwicklung“.

Solarstrom treibt Wärmepumpen und Abwärmenutzung an

Der erzeugte Strom fließt direkt in die Produktion des Nestlé‑Werks. Dort betreibt das Unternehmen moderne Wärmepumpen, die Prozessabwärme nutzen und fossile Energie ersetzen. Laut Nestlé spart das System jährlich rund 3.000 Tonnen CO₂ ein – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur geplanten CO₂‑Neutralität bis 2050.

Das Projekt ist Teil eines integrierten Energiekonzepts aus Elektrifizierung, Abwärmenutzung und erneuerbaren Energien. Insgesamt investierte Nestlé rund 3 Millionen Euro in die Cow‑PV.

Warum Cow‑PV ein Modell für die Zukunft sein könnte

Agri‑PV gilt als einer der vielversprechendsten Ansätze, um Solarenergie auszubauen, ohne zusätzliche Flächen zu versiegeln. Die Cow‑PV zeigt:

  • Doppelnutzung funktioniert: Energie + Landwirtschaft
  • Tierwohl profitiert: Schatten, Unterstand, stabile Umgebung
  • Industrie wird unabhängiger: lokaler Strom für energieintensive Prozesse
  • Klimaschutz wird konkret: weniger Gas, weniger CO₂

Mit dem EEG 2023 hat Deutschland erstmals eine eigene Förderkategorie für Agri‑PV geschaffen und Projekte wie Cow‑PV könnten dadurch häufiger werden.

Ein Vorzeigeprojekt für die Energiewende

Die Cow‑PV in Biessenhofen zeigt, wie Landwirtschaft und Solarenergie sich gegenseitig stärken können. Kühe grasen entspannt unter den Modulen, während darüber klimafreundlicher Strom entsteht, der das Werk versorgt und CO₂‑Emissionen senkt. Ein Projekt, das zeigt, wie die Energiewende ohne Flächenkonflikte gelingen kann und das Potenzial hat, Schule zu machen.


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Bild: Nestle