Die Elektromobilität hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht – doch beim Antrieb selbst blieb vieles erstaunlich klassisch. Motoren sitzen meist zentral, übertragen ihre Kraft über Wellen und Getriebe auf die Räder. Ein junges Unternehmen aus München will das ändern. DeepDrive entwickelt Radnabenmotoren, die direkt im Rad sitzen und damit eine alte Idee mit neuer Technologie wiederbeleben. Ihr Anspruch ist hoch: Sie wollen die Elektromobilität effizienter, günstiger und flexibler machen und damit zum Weltmarktführer für kompakte E‑Antriebe werden.
Ein Start‑up mit einer klaren Vision
DeepDrive wurde 2021 gegründet und verfolgt eine Vision, die lange als zu ambitioniert galt: Radnabenmotoren so leicht, robust und effizient zu machen, dass sie für die Großserie taugen. Die Gründer setzen auf eine neuartige Doppelrotor‑Radialflussmaschine, die mit deutlich weniger Material auskommt und ohne seltene Erden funktioniert. Das Ergebnis ist ein Motor, der kompakt genug ist, um in ein 19‑Zoll‑Rad zu passen und gleichzeitig stark genug, um ein Auto souverän anzutreiben.
Die Technologie verspricht nicht nur Effizienzgewinne, sondern auch eine Vereinfachung der Fahrzeugarchitektur: Wenn der Antrieb im Rad sitzt, wird im Fahrzeugboden Platz frei. Plattformen können flacher, günstiger und flexibler werden. Genau das macht die Technologie für Autohersteller so interessant.
Die technische Idee hinter dem Motor
Der DeepDrive‑Motor nutzt zwei Rotoren, die den Magnetfluss von beiden Seiten einfangen. Dadurch braucht er weniger Eisen, weniger Magnetmaterial und bleibt außergewöhnlich leicht. Mit rund 34 Kilogramm ist er deutlich leichter als frühere Radnabenmotoren, die oft an ihrem Gewicht scheiterten. Gleichzeitig erreicht er eine Effizienz von über 96 % und liefert bis zu 2.000 Nm Drehmoment direkt am Rad. Ohne Getriebe, ohne mechanische Verluste.

Weniger Material, weniger Komplexität, mehr Effizienz: Das ist der Kern des DeepDrive‑Ansatzes.
Praxistest: Wie sich der DeepDrive‑Motor im echten Auto anfühlt
Als Auto Motor und Sport den DeepDrive‑Prototypen erstmals im Tesla Model 3 erprobte, zeigte sich schnell, dass hier nicht einfach ein neuer Motor getestet wird, sondern ein völlig anderer Ansatz. Der Wagen fährt sich unmittelbarer, fast schon leichtfüßig. Beim Anfahren wirkt der Tesla ungewohnt leise, weil der Radnabenmotor ohne Getriebe und ohne mechanische Verluste arbeitet. Die Kraft kommt direkt aus dem Rad und genau das spürt man.
Auf der Teststrecke zeigte sich, wie präzise sich das Drehmoment an jedem Rad steuern lässt. Der Wagen beschleunigt gleichmäßig, reagiert spontan und bleibt selbst bei schnellen Lastwechseln stabil. Besonders eindrucksvoll war das Verhalten in Kurven: Das Torque‑Vectoring verteilt die Kraft so feinfühlig, dass der Tesla fast wie auf Schienen durch die Bögen zieht. Die Tester sprechen von einem Fahrgefühl, das „neue Möglichkeiten eröffnet“, nicht nur für Effizienz, sondern auch für Sicherheit und Dynamik.
Und die Effizienzgewinne sind nicht nur Theorie: Im Praxistest sank der Stromverbrauch um rund 20 %, die Reichweite stieg entsprechend. Ein Motor, der weniger Material braucht, leichter ist und gleichzeitig mehr aus jeder Kilowattstunde herausholt, das ist das Versprechen von DeepDrive.
Marktpotenzial: Warum die Autoindustrie genau hinschaut
Dass DeepDrive bereits mit acht der zehn größten Autohersteller im Gespräch ist, kommt nicht von ungefähr. Die Branche steht unter enormem Druck: Elektroautos müssen günstiger werden, effizienter, leichter – und sie brauchen Plattformen, die flexibel genug sind, um weltweit in unterschiedlichen Segmenten eingesetzt zu werden. Genau hier trifft die DeepDrive‑Technologie einen Nerv.
Für Hersteller bedeutet ein Radnabenmotor, dass ganze Baugruppen entfallen: Getriebe, Differenziale, Antriebswellen. Das schafft Platz im Fahrzeugboden, vereinfacht die Produktion und senkt Kosten. Gleichzeitig ermöglicht die Technologie Allradantriebe ohne zusätzliche Motoren. Dieser Vorteil ist besonders für kompakte Fahrzeuge und günstige Modelle relevant.
In der Branche spricht man bereits davon, dass Radnabenmotoren „die nächste große Vereinfachung der E‑Plattformen“ sein könnten. Wenn DeepDrive seine Serienreife wie geplant 2026/2027 erreicht, könnte das Start‑up tatsächlich zu einem Schlüsselzulieferer der Elektromobilität werden.
Ein deutscher Technologieansatz mit globalem Potenzial
DeepDrive zeigt, dass Radnabenmotoren nicht nur eine technische Spielerei sind, sondern eine echte Option für die nächste Generation von Elektroautos. Weniger Material, mehr Effizienz, bessere Fahrdynamik und ein Konzept, das die Fahrzeugarchitektur vereinfachen könnte. Ob DeepDrive tatsächlich Weltmarktführer wird, hängt von der Serienreife und den Entscheidungen der großen Autohersteller ab. Die Chancen stehen gut.
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Bild: DeepDrive