25 Kältezentralen versorgen mehr als 300 Gebäude über ein rund 33 Kilometer langes Leitungsnetz.

Vor 20 Jahren legte Wien Energie den Grundstein für die Wiener Fernkälte. 2006 wurde der erste Liefervertrag geschlossen, ein Jahr später nahm in TownTown im dritten Bezirk die erste Fernkältezentrale den Betrieb auf und mit den Anlagen in der Spittelau und am Schottenring folgten bald darauf weitere Standorte. Eben dort wurde auch erstmals der Donaukanal zur Rückkühlung genutzt.

Ein Netz, das die ganze Stadt kühlt

Wien Energie betreibt mittlerweile 25 Kältezentralen und versorgt über 300 Gebäude über ein rund 33 Kilometer langes Leitungsnetz. Damit verfügt Wien über rund drei Viertel des gesamten Fernkältenetzes in Österreich.

Zu den angeschlossenen Gebäuden zählen unter anderem:

  • AKH Wien
  • Rathaus
  • Universität Wien
  • Naturhistorisches Museum
  • Ronacher
  • Hotel Sacher
  • Café Central

Auch große Wohnprojekte wie der Althan Park und das Nordbahnviertel sind bereits integriert.

Ein Meilenstein war 2024 der Ringschluss des 4,7 Kilometer langen Fernkälterings, der die Versorgung der Innenstadt deutlich verbessert.

Einbringung der Kältepumpen beim Stadtwerweiterungsgebiet Donaufeld

Warum die Nachfrage explodiert

Der Bedarf an effizienter Kühlung – das hat der heurige Sommer drastisch vor Augen geführt – nimmt angesichts steigender Temperaturen dramatisch zu. Während einer Hitzewelle kann der Fernkältebedarf um bis zu 60 Prozent höher liegen als an einem Sommertag mit 25 Grad. Speziell in dicht bebauten Stadtgebieten ist die Kühlung längst nicht mehr nur eine Frage des Komforts. Sie trägt auch dazu bei, die Belastung für die Gesundheit zu verringern und die Lebensqualität zu sichern. Wien Energie plant das System deshalb weiter zügig ausbauen und bis 2030 sind Investitionen von 100 Millionen Euro vorgesehen. Die verfügbare Kälteleistung soll in diesem Zeitraum von derzeit 250 auf 370 Megawatt steigen.

Wie Fernkälte funktioniert

Fernkälte wird in zentralen Anlagen erzeugt und in Form von kaltem Wasser über unterirdische Leitungen zu den angeschlossenen Gebäuden transportiert. Dort nimmt das Wasser überschüssige Wärme auf und wird anschließend zur Kältezentrale zurückgeführt, erneut abgekühlt und wieder in den Kreislauf eingespeist. Im Unterschied zu herkömmlichen Klimaanlagen wird die Abwärme nicht direkt an die Umgebungsluft abgegeben. Dadurch heizen die gekühlten Gebäude ihre Umgebung weniger stark auf. Außerdem entfallen Rückkühlgeräte auf den Dächern, wodurch Lärm reduziert und Dachflächen anderweitig, beispielsweise für PV, genutzt werden können. Auch bei denkmalgeschützten Gebäuden entstehen weniger Probleme mit sichtbaren technischen Anlagen.

Ökostrom, Abwärme und der Donaukanal

Für die Erzeugung der Fernkälte verwendet Wien Energie Ökostrom und Abwärme. Letztere fällt in Wien insbesondere bei der Müllverbrennung im Sommer an, wenn der Bedarf an Fernwärme geringer ist. Wo es technisch möglich ist, wird zusätzlich die natürliche Kühlleistung des Donaukanals genutzt. Mittels Wärmetauscher wird die Wärme aus dem Fernkältewasser an das Wasser des Kanals abgegeben. In den Wintermonaten kann die natürliche Rückkühlung den Kältebedarf zeitweise sogar vollständig abdecken.

Innovation am MedUni Campus: Der Eisspeicher

Seit Sommer 2025 verfügt die Fernkältezentrale am MedUni Campus über einen Eisspeicher. Dabei wird Wasser in einem isolierten Behälter mithilfe von mit Kühlmittel gefüllten Schläuchen gefroren. Die gespeicherte Kälte kann anschließend genutzt werden, um Verbrauchsspitzen, beispielsweise rund um die Mittagszeit, abzudecken. Der Eisspeicher unterstützt damit einen effizienteren Betrieb der Kältemaschinen und erhöht die Versorgungssicherheit an besonders heißen Tagen. Wien ist für sommerliche Spitzenbelastungen dadurch besser gerüstet.

Aus einem Projekt wird ein stadtweites System

Mit dem Ausbau der Fernkälte reagiert Wien auf den wachsenden Kühlbedarf einer dicht verbauten und zunehmend heißeren Stadt. Was vor zwei Jahrzehnten mit einem einzelnen Projekt begann, entwickelt sich damit Schritt für Schritt zu einem flächendeckenden und ressourcenschonenden Versorgungssystem.

Bild: Wien Energie