Medienberichten zufolge gibt es heute doppelt so viele Allergiker als vor zehn Jahren. Und schon damals sprach man von einer rasanten Zunahme von Allergien. Doch woher kommt der Anstieg? Ein Rätsel.

In den vergangenen Jahrzehnten ist die Zahl der Menschen, die an Allergien leiden, immer weiter angewachsen. Mittlerweile sollen allein schon mehr als 17 Millionen Europäer allergisch auf Nahrungsmittel reagieren. 3,5 Millionen davon sind Kinder, die häufig in den ersten beiden Lebensjahren erstmals allergische Reaktionen zeigen.

Der Auslöser allergischer Reaktionen sind so genannte Allergene, natürliche Stoffe aus der Umwelt, die der körpereigenen Immunabwehr signalisieren, dass sie sich gegen einen Angriff verteidigen muss. Der Körper reagiert auf eigentlich harmlose Gräserpollen, Obstsorten, Milchprodukte oder ähnliches, speziell auf ein Protein oder Glycoprotein, die vom Körper als fremd erkannt werden.

Vermutung 1: Zivilisation

Eine Zivilisationskrankheit vermeintlich verweichlichter Wohlstandsmenschen in unserer übertechnisierten Gesellschaft? Wahr ist: Allergien kommen bei Landkindern signifikant seltener vor als bei Stadtkindern. Trotzdem: Die Erklärung greift zu kurz. Denn schon in der Antike wurde in einzelnen Fällen eine Abwehrreaktion des Körpers auf Kuhmilch beobachtet. Den weit verbreiteten Heuschnupfen kennt man ebenfalls seit Jahrhunderten, und seit Anfang des 20. Jahrhunderts weiß man auch, dass er vererbt wird.

Vermutung 2: Gene

Also besonders zu Immun-Überreaktionen neigende Gene? Auch diese Erklärung führt nicht zum Ziel. Die rapide Vermehrung von Allergiefällen in der jüngeren Zeit und die Entstehung von Allergien bei vorher kerngesunden Menschen ohne entsprechende Vorgeschichte in der Familie zeigen, dass es andere Erklärungen geben muss.

Vermutung 3: Gifte und „Chemie“

Früher, als noch weniger Leute an einer Allergie litten, wurden Kleidung und Lebensmittel auf natürliche Art und Weise hergestellt. Das hat sich geändert. Ein gutes Beispiel dafür ist Obst, etwa Erdbeeren, die einst harmlos waren und heute als Risikonahrungsmittel gelten müssen. Zahlreiche chemische Stoffe werden eingesetzt, um Obst größer und schöner zu machen, Nahrungsmittelzusätze und Medikamente sind aus der Rinderzucht kaum mehr wegzudenken. Die verwendeten Mittel sind oftmals pures Gift für Menschen, ebenso wie Stoffe, die in der Bekleidungsindustrie genutzt werden.

Ist die industrielle Verarbeitung unserer Nahrung schuld?
Die Vermutung ist unbewiesen.
Sie passt nicht dazu, dass Kinder hauptsächlich gegen Eier, Fleisch und Milch reagieren, Erwachsene eher gegen pflanzliche Produkte. Und sie passt auch nicht dazu, dass „echte Allergien“ nahezu dreimal so häufig vorkommen wie „Pseudoallergien“ gegen einzelne Zusatzstoffe.

Das Rätsel bleibt vorerst ungelöst.

Immerhin lassen sich Nahrungsmittelallergien leichter kontrollieren als Pollenallergien: die meisten Nahrungsmittel verlieren ihre allergene Wirkung beim Kochen zumindest zum Teil. Das betrifft vor allem Allergene aus Fisch, Haselnuss, Erdnuss und „sterische Epitope“ in pollenassoziierten Obst- und Gemüsesorten – Stein- und Kernobst oder Karotten. Sie sind relativ instabil gegenüber Hitze und pH-Änderungen.
Auch technologische Behandlungsmaßnahmen wie Trocknung und Lagerung können die Allergenität von Nahrungsmitteln unter Umständen lösen.

Bild: Shutterstock

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