Die wichtigsten Gütesiegel für Fisch auf einen Blick

Mindestens einmal pro Woche sollte man Fisch essen. Gleichzeitig hört man aber immer wieder vom hohen Quecksilbergehalt und giftigen Substanzen in Fischen. Aus der Sicht von Greenpeace gibt es derzeit leider kein Gütesiegel, dem man uneingeschränkt trauen könnte, obwohl es immer mehr zertifizierte Fischprodukte gibt. Dennoch sind Gütesiegel wichtige Hilfestellungen für Kunden, wenn sie vor der Fischtheke stehen und die Qual der Wahl haben. Welche Gütesiegel was bedeuten habe ich im Folgenden zusammen getragen:
(Pst: Die Basis-Gütesiegel für Lebensmittel und wie man Qualitätsfleisch erkennt habe ich bereits im letzten Artikel recherchiert)

Basis-Siegel für Qualitätsfisch

Als Basis Gütesiegel für qualitativ hochwertigen Fisch zählt das AMA-Gütesiegel-Fisch. Die Erzeugung von Fisch und Fischerzeugnissen mit dem AMA-Gütesiegel erfolgt nach strengen Vorschriften, wobei die Anforderungen über den gesetzlich vorgegebenen Rahmen hinausreichen. Durch Einbindung der nachgelagerten Stufen von der Schlachtung, Zerlegung und Verarbeitung des Fleisches bis hin zum Verkauf wird die erzeugte Qualität bis zum Konsumenten abgesichert. Regelmäßige Kontrollen sichern nicht nur diesen Qualitätsstandard, sondern auch garantierte nachvollziehbare Herkunft des Fisches ab.

Die Richtlinie zu den landwirtschaftlichen Produktionsbestimmungen in der Fischaufzucht finden Sie hier. Die Richtlinie zu AMA-Gütesiegel-Fisch und Fischerzeugnisse finden Sie hier.

Zusätzliche Siegel für Fisch

Neben diesem „Basis-Siegel“, gibt es noch eine Vielzahl an Siegeln die noch zusätzliche Bestimmungen eines Herstellers oder Programmbetreibers aufweisen. Über 100 solcher Siegel findet man mit einer kurzen Beschreibung bei Konsument. Hier habe ich einige, die am häufigsten auf Fisch und Fischprodukten  zu finden sind, zusammen gefasst:

  • Aquaculture Stewardship Council (ASC) – vom WWF initiiert, aufgrund vieler Kompromisse aber kein „Premium“-Label. Zertifiziert nachhaltig arbeitende Fisch- und Meeresfrüchtezuchten. Zurzeit sind auf dem Markt Tilapia, Pangasius, Lachs, Garnelen, Forellen und Muscheln mit dem ASC-Siegel erhältlich.
  • Biofisch – Vermarktet werden unter dieser Marke vor allem österreichische Karpfen und Forellen. Die Kennzeichnung beruht auf den Anforderungen der EU-Bio-Verordnungen sowie der Bio-Richtlinien des Österreichischen Lebensmittelbuches (Codex). Darüber hinaus gelten die Richtlinien des Vereins Bio Austria sowie des Freiland-Verbandes. Das Biofisch-Zeichen garantiert unter anderem den Verzicht auf chemische Wachstumsförderer und Hormone. Keine synthetischen Zusatzstoffe in den Futtermitteln, viel Platz für die Fische, um Revierstress zu vermeiden.
  • Bioland – Der Bioanbauernverband zertifiziert nur Friedfische wie den Karpfen, die sich pflanzlich und ohne Fischfutter ernähren. Dabei hat Bioland strengere Öko-Vorgaben als die EU.
  • Dolphin safe – Dieses geschützte Zeichen findet sich auf Thunfischkonserven und kennzeichnet delfinschonend gefangenen Thunfisch. Thunfisch mit diesem Zeichen wird nicht mit Treibnetzen oder durch das Einkreisen von Delfinen mit sogenannten Ringwadennetzen gefangen. Diese und weitere Maßnahmen führen zur Reduzierung des Beifanges (Delfine, Haie, Meeresschildkröten).
  • Friend of the Sea – zertifiziert Wildfisch und Fisch aus Aquakulturen. FOS ist eine gemeinnützige Nichtregierungsorganisation, die sich zur Aufgabe gestellt hat, das Meereshabitat zu erhalten. Kriterien beinhalten nicht überfischte Arten, den Meeresboden nicht zu beeinträchtigen uvm.
  • Global G.A.P. – Das Global G.A.P. Qualitätssicherungs- und Zertifizierungssystem für die Landwirtschaft wurde 1999 gegründet und hieß bis 2009 EuroGAP. Es deckt eine große Artenvielfalt von Fisch, Schalen- und Weichtieren ab und schließt alle auf Fischfarmen gezüchtete Arten sowie Setzlinge mit ein. Die Standards decken vom Laichfischbestand, den Setzlingen, Futtermittellieferanten und den Züchtern bis zum Abfischen und Weiterverarbeiten den gesamten Prozess ab. Sie beinhalten soziale Komponenten, Qualitätstests, aber auch Tierschutz.
  • Gentechnik-frei erzeugt – „Es gelten das Österreichische Lebensmittelbuch (Codex) mit der Richtlinie zur Definition der gentechnikfreien Produktion von Lebensmitteln und deren Kennzeichnung sowie zusätzliche Regelungen der ARGE Gentechnik-frei erzeugte Lebensmittel. Zu den Kriterien zählen u.a.: Die ausgezeichneten Lebensmittel dürfen weder aus gentechnisch veränderten Organismen bestehen, noch diese enthalten. Bei ihrer Herstellung ebenso wie bei der Produktion all ihrer Zusatzstoffe dürfen keine gentechnischen Verfahren eingesetzt werden. Bei tierischen Produkten müssen auch die Futtermittel kontrolliert gentechnik-frei sein.“
  • Ja!Natürlich – die Bio-Eigenmarke von Rewe „Produziert wird nach den Richtlinien der EU-Bio-Verordnungen und den Bio-Richtlinien des Österreichischen Lebensmittelbuches (Codex). Zusätzlich gelten eigene Kriterien. So gibt es z.B. weitere Einschränkungen bei Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln. Auch strengere Bestimmungen im Bereich Tierhaltung sowie bei der Verarbeitung der Rohstoffe werden eingehalten.“
  • Marine Stewardship Council (MSC) – Dieses Zeichen steht für Fisch und Meeresfrüchte aus nachhaltiger Fischerei. Grundlage für die Zeichenvergabe sind Erhalt und Wiederherstellung gesunder Fischbestände sowie der Erhalt des Ökosystems Meer hinsichtlich Struktur, Produktivität, Funktion und Vielfalt. Die Fischerei unterliegt einem Fischereimanagement-System, das lokale, nationale und internationale Gesetze und Richtlinien berücksichtigt und die nachhaltige Nutzung der Ressourcen vorsieht.
  • Naturland – Naturland ist ein deutsches Verbandszeichen und kennzeichnet Produkte aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft. Naturland Wildfisch zertifiziert nur Wildfische. Es gelten die EU-Bio-Verordnungen und darüber hinaus die Richtlinien des Naturland-Verbandes. So gibt es z.B. für Düngung, Tierhaltung und Futtermittel strengere Regelungen. Die Verwendung von Hilfs- und Zusatzstoffen bei der Verarbeitung von pflanzlichen und tierischen Produkten ist eingeschränkt. Auch bestehen Sozialrichtlinien, mit denen im Rahmen der Zertifizierung die sozialen Bedingungen bei der Erzeugung und Verarbeitung der Lebensmittel geprüft werden.
  • Pro Planet – Noch ein Zeichen der Marke Rewe. Gekennzeichnet werden Produkte, die die Umwelt während ihrer Herstellung, Verarbeitung oder Verwendung weniger belasten als konventionell produzierte und deren Produktionsbedingungen internationalen sozialen Standards entsprechen.
  • Spar Natur pur – „Es gelten die EU-Bio-Verordnungen und die Bio-Richtlinien des Österreichischen Lebensmittelbuches (Codex). Darüber hinaus gibt es z.B. strengere Grenzwerte, spezielle Anforderungen hinsichtlich Nachhaltigkeit und Umweltschutz (insbesondere bei der Verpackung) sowie stärkere Einschränkungen bei Pflanzen- und Lagerschutzmitteln. Bei Frischeiern gelten besondere Standards.“

Leider ist die Vergabe von Ökosiegeln gerade für Meeresfisch äußerst schwierig, denn über 60% unserer Fisch-Bestände sind weltweit überfischt. Oft können nur kleine Fischereien wirklich als ökologisch bezeichnet werden. Trotzdem gibt es ganz schön viele Siegel, auf die man hier achten kann. Im Grunde unterscheiden Sie sich jedoch nur geringfügig, man muss also nicht alle Details im Kopf behalten. Am besten für die Umwelt sind jedenfalls regionale Produkte, die im Idealfall auch noch aus biologischer Landwirtschaft stammen. In Österreich ist hier beim Fisch vor allem der Waldviertler Karpfen zu nennen. Achtet man auf diese beiden Grundsätze hat man schon viel für die Welt und seine Gesundheit getan!

Quellen:
https://www.lebensmittel-guetezeichen.at
https://www.konsument.at/guetezeichen
https://www.bmnt.gv.at/land/lebensmittel/qs-lebensmittel/lebensmittelqualitaet/guetezeichenhomepage.html
http://www.greenpeace.org/austria/de/themen/konsum/Hintergrund-Info/essen/konsum/fisch-meeresfruechte/guetesiegel-fisch/
https://www.wwf.at/de/msc/
https://www.br.de/themen/ratgeber/inhalt/ernaehrung/fischsiegel-fisch-verbrauchertipps-100.html

Bilder/Fotograf: 
Photo von chuttersnap auf Unsplash

Ulrike Göbl, MA

Die nebenberufliche Fitness- und Ernährungstrainerin beschäftigt sich schon seit ihrer Jugend mit gesunder Ernährung und alternativen Lebensweisen. 2010 begann die begeisterte Hobbyköchin ihren Foodblog „Fit & Glücklich“. Dort vereint sie ihre Liebe zu gutem Essen und Sport mit dem Versuch, die Balance im Leben zu finden. 2015 hat sie auch ein Kochbuch zum Thema „Clean Eating“ geschrieben.

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