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Massentierhaltung funktioniert nur mit Antibiotika, doch die Erreger passen sich an

Immer mehr Landwirte infizieren sich im Stall mit den verschiedensten Krankheiten, welche oft mit herkömmlichen Antibiotika nicht behandelt werden können. Die Keime sind resistent geworden, weil in konventionellen Ställen mit Antibiotika nur so herumgeworfen wird. Ein paar Zahlen: mehr als 90% aller Mastputen erhalten in ihrem Leben Antibiotika, mache sogar bis zu 21x. Masthühner erhalten in ihrem knapp fünfwöchigen Leben durchschnittlich an zehn Tagen Antibiotika. Schweine werden durchschnittlich „nur“ an vier Tagen behandelt (sie sind ca. 100 Tage in der Mast). Diese Dauerbehandlung ist ein klarer Hinweis auf Missstände bei der Haltung. 

Ein weiterer Missstand: oft werden gleich alle Tiere in einem Stall vorsorglich mit Antibiotika behandelt. Dadurch überleben immer einige resistente Erreger, welche sich mangels Konkurrenz ungehindert vermehren. Mittlerweile gibt es bereits E.coli Bakterien, die sogar gegen die sogenannten Reserveantibiotika resistent sind und auch Salmonellen sind schon mutiert. Die neuen resistenten Salmonellen wurden in einer europaweiten Untersuchung in rund 73% der Puten-, 56% der Hühner- und etwa 38% der Schweinefleisch-Proben, also bereits außerhalb der Ställe, gefunden. Es kommt aber noch Schlimmer (ja das geht!): ein Großteil dieser neuen Bakterien besitzt die Fähigkeit, Enzyme zu entwickeln, die sogar neuere Antibiotika unwirksam machen. Und diese Fähigkeit ist auf andere Keime übertragbar!

Schuld sind oft Fehler bei der Haltung, Schlachtung und dem Transport – Fehler wie zu wenig/keinen Auslauf, keine Frischluft, keine Beschäftigungsmöglichkeiten, viel Stress. Auf all diese Dinge wird in der biologischen Landwirtschaft mehr Wert gelegt, wie sieht es also mit Bakterien auf biologischem Fleisch aus? Es gibt Vergleichsstudien, bei denen bei 92% der konventionell gehaltenen Schweinen resistente MRSA Keime gefunden wurden, allerdings nur bei 26% der ökologisch bewirtschafteten Schweinebestände. Trotzdem so viele?

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Das hat viele Gründe: ökologische und konventionelle Landwirtschaft existieren parallel, teilweise nahe beieinander. Keime können beispielsweise von mit Gülle gedüngten Feldern auf die nahen Weiden oder Lüftungen in die Ställe von Bio-Landwirten gelangen, oder in den Wagen der Tiertransporte (hier werden teilweise die selben für konventionell gehaltene und ökologisch gehaltene Tiere verwendet – das selbe gilt für Schlachthöfe). Keime in der Abluft von großen Tiermastanlagen wurden teilweise noch in 1km Entfernung gefunden. Damit sind dann nicht nur mehr Tiere betroffen, sondern auch Feldfrüchte. Resistente Bakterien wurden auch schon auf Sprossen, Salat, Tomaten, Gurken und Kartoffeln nachgewiesen. 

Eine Lösung? Es gibt Lösungsansätze, kleine Schritte in die richtige Richtung. Mittlerweile muss die Abgabe von Antibiotika an Tierärzte immerhin gemeldet werden, ebenso der Einsatz in den Ställen (wo, welche und wie viele). Der Antibiotikaeinsatz hat anscheinend in den letzten Jahren auch abgenommen, dafür jener von Reserveantibiotika deutlich zugenommen. Die Kontrolle in Europa nimmt zu, es gibt Arbeitsgruppen und strengere Richtlinien (in den Niederlanden und Dänemark dürfen zum Beispiel nur noch einzelne erkrankte Tiere behandelt werden, nicht vorsorglich der gesamte Bestand). Das Thema lässt jedenfalls niemanden kalt und steht auch auf der Tagesordnung des G7 Gipfels im Juni.

Quellen:
https://www.umwelt.nrw.de/laendliche-raeume-landwirtschaft-tierhaltung/tierhaltung-und-tierschutz/tiergesundheit/tierarzneimittel/
http://www.bfr.bund.de/cm/350/deutsche_antibiotika_resistenzsituation_in_der_lebensmittelkette_darlink.pdf
Bioaerosole 21.UmwelttoxKolloq_19.06.2013_PP_Schulz.pdf
http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/GlobaleFragen/G8/G7-DEU-Praes/G7-Praesidentschaft-DEU_node.html
https://schrotundkorn.de/ernaehrung/lesen/antibiotika-gefahr-aus-dem-stall.html

Bilder/Fotograf: 
Beitragsbild: Shutterstock
Bild im Artikel: Ulrike Göbl

 Ulrike Göbl, MA

Die nebenberufliche Fitness- und Ernährungstrainerin beschäftigt sich schon seit ihrer Jugend mit gesunder Ernährung und alternativen Lebensweisen. 2010 begann die begeisterte Hobbyköchin ihren Foodblog „Fit & Glücklich“. Dort vereint sie ihre Liebe zu gutem Essen und Sport mit dem Versuch, die Balance im Leben zu finden. Seit 2012 vernetzt sie mit einer Kollegin auch noch die Österreichischen Foodblogger auf einer eigenen Plattform.

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