Mehr als eine Milliarde Menschen hat keinen Zugang zu Trinkwasser. 2,6 Milliarden sind ohne Wasserversorgung und Abwassersystem. Täglich sterben 10.000 Menschen aus Wassermangel an Krankheiten wie Durchfall oder Malaria. Es…

Mehr als eine Milliarde Menschen hat keinen Zugang zu Trinkwasser. 2,6 Milliarden sind ohne Wasserversorgung und Abwassersystem. Täglich sterben 10.000 Menschen aus Wassermangel an Krankheiten wie Durchfall oder Malaria. Es sind die armen Regionen der südlichen Erdhalbkugel, in denen es schon zum „Wasserstress“ kommt.

So wird der Zustand genannt, wenn viele Menschen nicht ausreichend sauberes Wasser haben und es zu massiven Konflikten zwischen den verschiedenen Interessengruppen kommt, Wer die Prophezeiungen über einen Krieg um Wasser für Panikmache hält, sollte wissen, dass es erste blutige Auseinandersetzungen schon gibt.

Wasserverbrauch und Wasserreserven

Die Industrieländer verbrauchen zehn mal so viel Wasser wie die Entwicklungsländer. Der Verbrauch allein in Europa ist seit den 50er Jahren um das Sechsfache angestiegen. Jeder Deutsche verbraucht im Schnitt 127 Liter Trinkwasser pro Tag. Bedenkt man die Wassermengen, die für die Produktion von Verbrauchsgütern wie Kaffee, Wurst oder Kleidung nötig sind (für die Produktion eines Hamburgers braucht man beispielsweise 2.500 Liter Wasser), verbraucht jeder Deutsche je nach Lebensstil sogar 1.000 bis 5.000 Liter am Tag, das sogenannte virtuelle Wasser.

Das Konfliktpotential liegt auf der Hand: Können die einen nicht einmal ihren täglichen Durst stillen, verbrauchen die anderen mehr, als dauerhaft zur Verfügung stehen wird. Wie viel steht uns eigentlich noch zur Verfügung? Die Erde ist zwar zu 70 Prozent mit Wasser bedeckt, davon sind aber nur 3 Prozent trinkbares Süßwasser. Von diesen 3 Prozent sind für uns nur ein Drittel erreichbar. Der Rest ist, wie einst Ötzi, in Gletschern gefangen. Die fossilen Wasserreserven in Schichten, die noch tiefer als das Grundwasser liegen, sind in 20 Jahren aufgebraucht. Grundwasser und Oberflächenwasser werden derweil mit Pestiziden, Industrieabwässern, Fäkalien und Medikamentenrückständen verseucht. Der Klimawandel tut sein Übriges.

John Wayne würde kein Golf spielen

Wie steht es weltweit mit unserem Trinkwasser? Schauen wir uns doch mal in einigen Ländern um: In Indien, dem Land des ewigen Kreislaufs von Geburt – Tod – und Wiedergeburt, ist der Wasserkreislauf schon lange gestört. Hier gelangen die Abwässer von mehr als 1,5 Milliarden Menschen täglich ungefiltert ins Grundwasser.

Der Aralsee hat bald keine Reserven mehr. Er hat schon70 Prozent seines Volumens durch den ansässigen Baumwollanbau verloren. Den Rio Grande wird man bald nur noch im gleichnamigen John Wayne-Film bestaunen können. Der Colorado bringt nicht mal mehr 1 Prozent seiner früheren Wassermengen ins Meer. In Australien verdorren seit fast 10 Jahren die Felder.

Kaum noch Trinkwasser am Mittelmeer

Schon in den nahen Mittelmeerländern gibt es massive Probleme: Das Grundwasser sinkt, Salzwasser dringt ein. Die touristischen Regionen sind überlastet. Ferienhäuser mit prächtigen Gartenanlagen, Pools und Golfplätzen verbrauchen Unmengen an Wasser – ein Golfplatz beispielsweise in einem Jahr so viel wie eine Stadt mit 15.000 Einwohnern.

Die Landwirtschaft in den Mittelmeerländern verschluckt 80 Prozent des Gesamtbedarfs dieser Regionen, weil das reiche Mitteleuropa das ganze Jahr über erntefrisches Obst und Gemüse haben möchte, das von Natur aus nicht ganzjährig im mediterranen Klima wachsen würde. Barcelona musste schon Wasser per Schiff aus Frankreich importieren. Die Türkei musste gegen Ende des Sommers in den Großstädten das Wasser abstellen, da die Stauseen keine Reserven mehr hatten.

Virtuelles Wasser sparen

In Österreich und Deutschland läuft das kostbare Nass noch wie selbstverständlich aus allen Leitungen. Es gibt genügend Niederschläge und damit keinen lokalen Wassermangel. Und doch müssen wir Wasser sparen; aber das richtige: das virtuelle Wasser, also das Wasser, das in unseren Gebrauchsgütern steckt und in den Ländern, in denen es knapp ist, für uns eingesetzt wird. Dies tun wir, indem wir beispielsweise weniger Fleisch und mehr regionales Obst und Gemüse der Saison essen.

Virtuelles Wasser sparen wir auch dadurch, dass wir Produkte länger nutzen, denn für jeden Produktionsprozess wird Wasser genutzt. Besonders die Baumwollproduktion verbraucht Unmengen an Wasser. Daher sollte man Kleidung so lange wie möglich tragen und nicht nach einer Saison schon den Kleiderschrank komplett erneuern, weil es die Mode verlangt.

Und im Urlaub am Mittelmeer ist es mehr als ein kleiner Gefallen, die Handtücher im Hotel mehr als einen Tag zu nutzen. Und Golf spielt man sowieso am besten in der Heimat dieses Sports – in Schottland. Da gibt es dann auch genug Regen, um die Reserven wieder aufzufüllen.

Siehe auch:

WWF Artikel zum Thema Wasserknappheit

Spiegel: Ressource Trinkwasser; Uno macht erste Grundwasserinventur, 27.10.2008.

CO2-Fußabdruck berechnen!

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Bildnachweis: © Anja Skeide / Pixelio.de

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