Teresa Distelberger
Teresa Distelberger
Interview mit Filmemacherin Teresa Distelberger.

Seit August 2017 ist der Dokumentarfilm Die Zukunft ist besser als ihr Ruf an diversen Orten gezeigt worden und hat auch schon einige Wellen geschlagen. Es werden Portraits von sechs Menschen gezeigt, die in ihrer Region einiges bewegt haben. „Sie engagieren sich für lebendige politische Kultur, für nachhaltige Lösungen bei Lebensmittel und Bauen, für Klarheit im Denken über Wirtschaft, für soziale Gerechtigkeit“, heißt es auf der Homepage zum Film.

Der Film zeigt nicht nur positive und realistische Möglichkeiten, in seinem Umfeld etwas zu bewegen. Das Besondere ist die Bestrebung, die Filmvorführungen wenn möglich mit einer anschließenden Moderation einer der vier RegisseurInnen zu organisieren. Ich habe mich daher sehr über die Möglichkeit gefreut, von Teresa Distelberger – eine der RegisseurInnen – etwas mehr sowohl über den Film und die Hintergründe, als auch ihren eigenen Weg zu erfahren.

Wie ist die Idee zu dem Film entstanden?

Die Idee für den Film kommt vom Produzenten Michael Kitzberger. Er hat beobachtet, dass es so viele negative Nachrichten gibt und auch viele Dokumentarfilme nur das Negative zeigen. Nach solchen Filmen entsteht meist ein Gefühl der Verzweiflung und Hilflosigkeit und man fragt sich: was kann ich jetzt machen?

Michael wollte daher neue Perspektiven aufzeigen. Was ihn am meisten ermutigt sind Gespräche mit Menschen, die etwas tun. Er hat erkannt, dass er daraus neue Zuversicht schöpft – die Filmidee war geboren.

Es wurden viele RegisseurInnen eingeladen, Menschen vorzuschlagen, die sie inspirieren. Aus den vielen Vorschlägen wurden 15 Portraits gewählt, sechs davon haben es bis in den Film geschafft. Auf der DVD gibt es Bonusmaterial, wo noch vier weitere Menschen portraitiert werden. Gefilmt wurden sie von vier RegisseurInnen: Nicole Scherg, Niko Mayr, Gabi Schweiger und mir.

Was hat dich dazu bewegt, diesen Film zu machen?

Schon lange habe ich mich mit dem Thema beschäftigt, wie wir auch anders leben können. Ich war unter Anderem Projektleiterin für ein cradle-to-cradle Innovationsprojekt, habe bei der nachhaltigen Druckerei gugler und in einem Waldkindergarten gearbeitet und ein Gemeinschaftsprojekt im Aufbau mitbegleitet. Letztes Jahr habe ich dann, mit Nicole Scherg, am Film Das Leben ist keine Generalprobe über Heini Staudinger, als Regieassistentin und Tonfrau, mitgearbeitet. Daraus hat sich weitere Zusammenarbeit ergeben für Die Zukunft ist besser als ihr Ruf.

Was war der Wunsch, was der Film bewirken soll?

Der Film soll vor allem Ermutigung bringen und ein Anstoß sein, sich selbst erneut zu fragen: Was würde ich selbst noch gern machen, beitragen und bewirken? Wir haben speziell Leute ausgesucht, wo man spürt, dass sie in ihrem Leben, an ihrem Platz angekommen sind. Das was sie machen, machen sie nicht als Märtyrer oder Opfer, sondern weil sie es gerne machen. Es ist ihnen wichtig, und sie können dort ihre eigenen Fähigkeiten sinnvoll einsetzen. Ich bin überzeugt davon, dass das ansteckt, weil sie etwas Besonderes ausstrahlen – einen geerdeten Optimismus.

Welche Erkenntnisse hast du aus der Resonanz zum Film bekommen?

Es ist für mich sehr beglückend, wenn ich dabei sein kann, wenn der Film gezeigt wird. Bei der Begleitung und Moderation der Gespräche nach dem Film ging und geht es mir darum, wie man das Frage-Antwort Ping-Pong umdrehen kann, und am Ende der Gespräche die Menschen vor Ort sichtbar werden. Ich möchte aufzeigen, was sie selbst bereits machen, was sie bewegt, welche Ideen und Potentiale sie haben. Als Resonanz davon habe ich erkannt, dass es sehr viele Menschen gibt, die sich engagieren. Der Film zeigt im Grunde nur einen kleinen Ausschnitt von all dem was schon passiert. Es tut sehr gut, sich das bewusst zu machen, dass wir nicht alleine sind, dass es so viele Menschen gibt, die etwas beitragen.

Es ist so wichtig, dass man vor Ort, in der Gemeinde, im Gräzl sich zusammentun kann mit Menschen, die Ideen haben. Vor allem auch, dass es auch zur Sprache kommt. Aus dieser Motivation heraus werde ich weiterhin mit dem Film auf Tour gehen, und freue mich über Einladungen, in verschiedenste Regionen, um dort solche Zukunftsimpulse zu erwecken und Räume zu öffnen.

Der Film funktioniert auch für sich selbst, aber die zusätzliche Moderation und Unterstützung ist sozusagen eine Ergänzung, um in der Region sich noch bewusster zu sammeln und einen Austausch zu ermöglichen. Es war eine bewusste Entscheidung, eine normale Länge des Filmes zu machen, damit danach noch Raum ist für Gespräche.

Was war eine besonders berührende Reaktion auf den Film?

Besonders berührt hat mich eine Aktion mit einer höheren Schule. Die SchülerInnen haben sich den Film angesehen, und haben daraufhin selbst im Zuge des Informatikunterrichtes Kurzfilme gemacht. Sie wollten Menschen in ihrer Umgebung zeigen, die sie selbst inspirieren. Danach gab es eine Ausstellung der Kurzfilme und eine Open Space Konferenz, bei der auch alle portraitierten Menschen eingeladen wurden. Es wurden die unterschiedlichsten Themen angesprochen, wodurch eine Vernetzung stattfinden konnte. Egal ob es darum ging, dass einer über faire Handys erzählt, oder über die Zeit im Krieg früher und dem Verständnis gegenüber Flüchtlingen heute.

DIE_ZUKUNFT_IST_BESSER_ALS_IHR_RUF

Was hat sich an deiner Sichtweise auf die Zukunft geändert nach dem Film? Wie war sie davor?

Meine Grundnatur als konstruktiv-optimistischer Mensch hatte ich bereits vor dem Film. Mein Gesamtbild über die Thematik ist jedoch viel komplexer geworden. Das intensive Nachdenken während dem Schneideprozess, wie Wirtschaft, Armut, nachhaltiges Bauen und soziale Aspekte zusammenhängen, war irrsinnig bereichernd für mich. Ich habe das Gefühl, dass dieser Film mein Weltbild sehr angereichert, differenzierter und schärfer gemacht hat.

Was sind für dich die nächsten Schritte, die sich ergeben?

Derzeit liegt mein Fokus darauf, diesen Film noch weiter zu begleiten, damit er noch mehr Menschen erreicht, und sie auch darüber reden. Ich freue mich daher sehr über Anfragen für regionale Vorführungen von Die Zukunft ist besser als ihr Ruf (distelberger@geyrhalterfilm.com) .

Mitgenommen habe ich aber auch eine Inspiration für ein neues Thema. Ich bin sehr aufmerksam darauf geworden, wie kapitalistische Logik in so viele Lebensbereiche hineinwirkt. Es wird sich noch zeigen, ob und in welcher Form daraus ein neuer Film entsteht oder nicht.

Was möchtest du Menschen weitergeben?

Weitergeben möchte ich die Worte von Kulturhistoriker Walter Ötsch, die er ganz am Ende des Films sagt. Er erinnert uns daran, dass die Zukunft offen ist, und zwar in beide Richtungen. Es waren immer kleine Gruppen, von denen riesige kulturumwälzende Bewegungen ausgegangen sind. Es ist wichtig zu sehen, dass es gerade ernst ist, aber es braucht auch Ermutigung, dass ganz viel möglich ist.

Mein Fazit

Ich möchte mich sehr bei Teresa Distelberger für das Interview, und auch stellvertretend für alle Mitwirkenden des Films für den Film und auch die weiterlaufende Begleitung bedanken. Neben dem französischen Film Tomorrow ist er ein ganz anderer Ansatz aufzuzeigen, dass wir es selbst in der Hand haben, uns und unser Umfeld zu gestalten und dadurch etwas zu bewegen.

Ich finde speziell die Möglichkeit der Begleitung des Films durch die Moderation eine große Bereicherung, da sie zusätzlich unterstützen kann, die vielen Potentiale sichtbar zu machen, und auch Menschen mit ähnlichen Interessen zusammenzubringen. Daher kann ich es nur jedem Menschen, der in seiner Umgebung etwas verändern möchte, empfehlen auch das Angebot der moderierten Begleitung von Teresa anzunehmen.

 

weiterführende Quellen

http://www.diezukunftistbesseralsihrruf.at/
http://www.daslebenistkeinegeneralprobe.at/
http://www.artofco.com/
http://www.tomorrow-derfilm.at/

Bildquellen

Beitragsbild: Teresa Distelberger
Pressebilder „Die Zukunft ist besser als ihr Ruf

 

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