Österreich hat den Ruf, in Bezug auf moderne Architektur, wenig Mut zu besitzen. Zu Unrecht. Nach unserem ersten Beitrag hier noch mehr interessante architektonische Konzepte zwischen Mitteleuropa und Fernost.

Der Bau des Kunsthaus Graz (oder: Universalmuseum Joanneum) beweist das Gegenteil. Das Museum wurde im Zuge des „Europäischen Kulturhauptstadtjahres“ im Jahr 2003 fertiggestellt. Die britischen Architekten Peter Cook und Colin Fournier gewannen den Wettbewerb mit ihrer Idee eines biomorphen Gebildes, das sich zwischen den Bürgerhäusern am rechten Murufer niedergelassen hat. Im Zusammenspiel mit dem altehrwürdigen Uhrturm auf dem Schlossberg auf der anderen Seite des Flusses ergibt sich ein Dialog zwischen Tradition und Avantgarde, zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Gerade Linien waren auch in Prag nicht zwingend erwünscht. Im Jahr 1996 wurde das Tanzende Haus auf einem seit einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg brachliegenden Grundstück fertiggestellt. Das Gebäude erinnert an eine Tänzerin im Kleid, die sich an einen Herrn mit Hut kuschelt. Die Prager nennen das Gebäude auch Ginger und Fred, weil es mit seiner geschwungenen Linienführung an die Schauspieler und Tänzer Ginger Rogers und Fred Astaire erinnert. Von den Architekten Vlado Milunić und Frank Gehry ursprünglich als Kulturzentrum konzipiert, fungiert das Haus heute als Bürogebäude mit einem Restaurant am Dach.

In einer stillgelegten Tongrube in der südwestenglischen Grafschaft Cornwall tun sich fünf gigantische Blasen auf. Dabei handelt es sich um die Kuppeln des Eden Project, eines botanischen Gartens mit einer Größe von rund 50 Hektar. Die zwei Gewächshäuser sind derzeit die größten der Welt. Sie beherbergen ein Regenwald- beziehungsweise ein Mittelmeer-Biom. Das Projekt entstand nach einer Idee des Gartenliebhabers Tim Smit. Die Kuppeln bestehen aus jeweils vier miteinander verschnittenen geodiätischen Kuppeln in der Bauweise von Buckminster Fuller. Die ökologische und architektonische Touristenattraktion wurde im Jahr 2010 von über einer Million Menschen besucht.

Weniger ökologisch gesinnt, müsste China seit wenigen Jahren das Schlaraffenland für Architekten sein. Die Welle der Veränderung, die durch das Land geht, kombiniert mit der rapide steigenden Wirtschaftskraft des Landes, führt zu spektakulären Bauten moderner Architektur. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist das Internationale Konferenzzentrum in Dalian, das im Juni 2012 eröffnet werden soll. Das Architektenbüro Coop Himmelb(l)au entwarf für das neue Wahrzeichen der wichtigen Hafenstadt ein Gebäude mit einem muschelförmigen Dach, das eine kleine Stadt mit  Konferenzzentrum und Opernhaus bedecken soll. Die Struktur ist aber auch mit dem Ziel der Eingrenzung des Energieverbrauchs verbunden. Die unmittelbare Nähe des Gebäudes zum Wasser soll sich in der Integration der Umweltressourcen niederschlagen. So wird zum Beispiel die thermische Trägheit des Meerwassers zur Kühlung im Sommer und Heizung im Winter eingesetzt. Die Halle unter dem Dachschirm ist als sonnenbeheizte und natürlich be- und entlüftete klimatische Subzone konzipiert. Energiegewinnung erfolgt durch Solarpaneele.

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