Ulrike Göbl schreibt für Energieleben.at eine zweiwöchentliche Kolumne zum Thema nachhaltige Ernährung. In diesem Artikel schreibt die Bloggerin über den Preisdruck bei Lebensmitteln und dessen Folgen.

Wir Österreicher schauen aufs Geld, die Sparquote ist immer noch höher als in vielen anderen Ländern. Doch manchmal sparen wir am falschen Platz, wie zum Beispiel beim Lebensmittelkauf. Da werden wir zu Schnäppchenjägern: ein Kilo Faschiertes für vier Euro, ein Brot für weniger als zwei Euro, drei zum Preis von zwei, zwei plus eins gratis – die heimischen Handelsketten wissen genau, wie sie die Kunden in die Filialen locken können. Die Folgen reichen weit und sind fatal.

Seit vielen Jahren schon tobt ein gnadenloser Preiskampf in der Lebensmittelbranche. Um den Kunden immer billigere Waren anbieten zu können, nutzen Supermärkte ihre Marktmacht, um gegenüber der Lieferanten die Einkaufspreise zu drücken. Das hat erhebliche Folgen für Produzenten, Umwelt und Arbeitsbedingungen in Herstellung und Einzelhandel. Und zwar nicht nur hier in Österreich, sondern auch in anderen Teilen der Welt.

Im Internationalen Vergleich wird klar, dass Österreicher in Summe nicht bereit sind, viel Geld für gute Lebensmittel auszugeben (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel). Durch den intensiven Wettbewerb der Supermärkte haben sie sich außerdem schon an die niedrigen Preise gewöhnt. Durchschnittlich gibt ein österreichischer Haushalt rund 12% seines Budgets für Nahrungsmittel aus – weniger als zum Beispiel für Hobby und Freizeit. (Quelle) Zum Vergleich: In Frankreich, Italien und Spanien sind es jeweils ein paar Prozentpunkte mehr. Viele junge Leute lernen daheim auch nicht mehr zu kochen – zu oft gibt es Fertiggerichte oder Take-away.

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Gott sei Dank gibt es aber auch gegenläufige Trends. Der Siegeszug von Bio-Lebensmitteln macht deutlich, dass viele Konsumenten den Billigwahn satt haben. Und selbst Discounter versuchen mittlerweile, wählerische Konsumenten mit Premium Angeboten zu gewinnen. Wo vorher aufs billige Börserl und cleveres kaufen gesetzt wurde gibt es inzwischen exklusive Gourmetprodukte.

Vor allem gut situierte Familien können und wollen sich Bio leisten, ärmere Haushalte greifen dagegen selten zum Bioprodukt. Hier liegt die Krux jedoch wieder im System, denn wenn alle Folgekosten der konventionellen Landwirtschaft in die Preise mit einkalkuliert werden würden, wäre Bio im Vergleich sogar billiger. Wenn man Subventionen streichen würde und externe Kosten einkalkuliert, wäre beispielsweise ein Bio-Ei günstiger als das aus der Legebatterie. Die Preise lügen also.

Doch auch innerhalb der Bio-Branche steigt der Druck auf Unternehmen und Lieferanten. Das Geschäft mit Vollkorn und Freiland-Eiern gehört längst nicht mehr den einstigen Bio-Pionieren. Mittlerweile fischen auch schon die Discounter im Bio-Segment, und so hat sich ein aggressiver Preiskampf entwickelt. 

Das ist natürlich ein Zwiespalt für die Bio-Pioniere, doch im Grunde gilt: jedes Konzept im Bio-Bereich ist ein Schritt in die richtige Richtung. Natürlich muss auch die Qualität stimmen, bio ist nicht gleich bio. Eine Änderung liegt wie so oft in unseren Händen: wenn wir Konsumenten qualitativ hochwertige Produkte nachfragen, und auch bereit sind dafür einen angemessenen Preis zu zahlen, werden Supermarktketten das Angebot in diese Richtung verschieben und die positiven Auswirkungen an die gesamte Handelskette weitergeben.

 Ulrike Göbl, MA

Die nebenberufliche Fitness- und Ernährungstrainerin beschäftigt sich schon seit ihrer Jugend mit gesunder Ernährung und alternativen Lebensweisen. 2010 begann die begeisterte Hobbyköchin ihren Foodblog „Fit & Glücklich“. Dort vereint sie ihre Liebe zu gutem Essen und Sport mit dem Versuch, die Balance im Leben zu finden. Seit 2012 vernetzt sie mit einer Kollegin auch noch die Österreichischen Foodblogger auf einer eigenen Plattform.

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