Fotocredit: Pixabay/Free-Photos
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Regionale Produkte zu kaufen liegt im Trend – für umweltbewußtes Einkaufen braucht es allerdings noch mehr.

Ich liebe es regionale Produkte direkt vom Betrieb zu kaufen – Eier, Gemüse, bei manchen Dingen ist das recht einfach. Nun sind diese Nahrungsmittel allerdings nicht immer in Bio Qualität und so habe ich mich gefragt: ist regional ausreichend, oder muss es immer Bio sein? Oder gar beides?

Was heißt eigentlich „regional“?

Heimische Produkte werden gern gekauft und Konsumenten haben das Gefühl kleine bäuerliche Betriebe zu unterstützen. Außerdem müssten regionale Produkte durch kürzere Transportwege doch eine bessere Umweltbilanz haben. Die meisten Menschen (knapp die Hälfte) bezeichnen dabei alles als „regional“, was aus einem Umkreis von höchstens 50 Kilometern kommt. Weitere 40 Prozent finden auch eine Entfernung von bis zu 200 Kilometern noch angemessen. 

Kürzere Transportwege sprechen in jedem Fall für Regionalist – weniger Verkehr, weniger CO2-Ausst0ß. Und ja, regionale Produkte stärken die Landwirtschaft vor Ort. Im besten Fall unterstützt man Betriebe, die man kennt und weiß, wie dort gearbeitet wird. Denn regional steht eben leider nicht nur für kleine bäuerliche Betriebe. Auch Megaställe, in denen monatlich Millionen von Hühnern gemästet werden und bei denen alle fünf Minuten ein LKW mit Schlachttieren ankommt, sind in ihrem Umkreis regional. Auch Eier aus Massentierhaltung und konventionelles Obst und Gemüse, das mit Pestiziden gespritzt und mit Kunstdünger aufgezogen wurde, können also regional sein. Mit der Folge, dass die Pestizide direkt vor der Haustüre ausgebracht werden und durch Überdüngung das Grundwasser und die Gewässer vor Ort verseuchen. 

Begriffsdefinition schlecht reguliert

Was heißt also eigentlich regional? Begriffe wie „regional“ oder „aus der Region“ sind nicht geschützt. Jeder Anbieter kann also die Größe seiner Region selbst festlegen und mit eigenen Siegeln bewerben. So locken viele Supermarktketten mit Handelsmarken wie „Unser Süden“ oder „Gutes aus der Heimat“. Woher die Rohstoffe kommen, bleibt aber gerade bei verarbeiteten Lebensmitteln oft unklar. Manchmal auch durchaus kurios, wenn zum Beispiel Kaffee oder Bananenchips mit der Marke „Unser Süden“ verkauft werden, nur weil sie im jeweiligen Bundesland verarbeitet wurden. Es reicht nämlich bereits ein kleiner Verarbeitungsschritt in der Region aus, um ein Produkt als regional zu vermarkten.

Die einzige Hürde ist der Täuschungsparagraph im Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz. Darin heißt es, man darf Lebensmittel nicht mit irreführenden Angaben, was die Herstellungsart und Herkunft betrifft, bewerben und verkaufen. Was allerdings in die Irre führt ist in vielen Fällen nicht ausjudiziert. 

Marktstand Obst und Gemüse
Marktstand Obst und Gemüse – Fotocredit: Pixabay/Stokpic

Wie kann man also bewußt kaufen?

Im Dschungel der Gütesiegel ist es wirklich schwierig sich als Konsument zurecht zu finden. (Darüber habe ich hier schon einmal geschrieben.) Experten werten dabei das AMA-Gütesiegel als einziges vertrauenswürdiges Siegel, wenn es um die Herkunft geht. Die Kriterien sind dabei relativ streng, wenn auch nicht lückenlos. Tiere müssen zum Beispiel in Österreich geboren und geschlachtet werden. Das Futter muss allerdings nicht zur Gänze österreichisch sein. Außerdem müssen nicht alle Bestandteile heimisch sein, allerdings nur, wenn sie in Österreich nicht verstellbar sind. Dadurch kann auch ein Bananenjoghurt das AMA-Siegel tragen. 

Wer Wert auf Gentechnikfreiheit, den Verzicht synthetischer Pestizide, Bodenschutz, artgerechte Tierhaltung und wenig Zusatzstoffe legt muss allerdings noch genauer hinschauen. Bio ist in diesem Fall immer eine sichere Wahl – in Verbindung mit regionaler Herkunft die beste. Bio und regional ist also das Traumpaar, auf das mittlerweile auch viele Unternehmen setzen. Rohstoffe werden von Bio-Landwirten in der Region bezogen und dadurch werden regionale Wirtschaftskreisläufe gestärkt. 

Biologisch und regional

Eine gute Möglichkeit biologisch und regional zu kaufen sind die sogenannten Biokistln. Dabei bekommt man in regelmäßigen Abständen eine Kiste voll Obst und Gemüse in Bio Qualität von einem regionalen Bauernhof geliefert. Das Lieferintervall und auch den Inhalt der Kiste kann man relativ individuell bestimmen und bekommt so wirklich das was man braucht. Inzwischen gibt es nicht nur ein österreichweites Netz an Bio-Kistl-Lieferanten, sondern auch eine Vielzahl an angebotenen Kistenarten. Es bleibt kaum ein Wunsch offen: vom Obst-Kistl über das Mutter-Kind-Kistl bis hin zum Komplettsortiment findet sich fast alles.

Natürlich gibt es auch viele Ab Hof Verkäufe, und das nicht nur am Land! Sogar bei mir in Wien gibt es einige Biohöfe, wie zum Beispiel den Biohof No5 in Stammersdorf, den Haschahof im 10. Bezirk, die Gärtnerei Jelinek mit ihrer Gemüse-, Kräuter- und Obstauswahl oder im Norden Wiens den Landwirtschaftsbetrieb des Schottenstifts

Hofladen-Automat
Hofladen-Automat / Fotocredit: Markus Göbl

Klar muss allerdings sein: regional heißt auch immer saisonal. Es gibt also nicht immer alles zu jeder Jahreszeit. Das habe ich beim Biokistl schon öfter festgestellt – es gibt dann einfach wochenlang die selben Sorten. (Welche Obst- und Gemüsesorten wann Saison haben kann man online schnell herausfinden, wie zum Beispiel hier.) Übers Jahr bekommt man aber so im Grunde mehr Abwechslung, als wenn man immer die selben Sorten im Supermarkt kauft. Denn seien wir einmal ehrlich, die meisten von uns sind an bestimmte Lebensmittel gewöhnt und probieren selten etwas Neues. Es ist anfangs eine kleine Umstellung (jedenfalls war es das bei mir), auf lange Sicht profitiert man aber (und die Umwelt auch). 

Quellen:
Schrot&Korn Magazin, Printausgabe 03/2018
Die Presse/Norbert Rief und Christine Imlinger:  Qualität aus Österreich – Trügerische Produktnamen
Bio Austria/Bio-Kistl Anbieter in Österreich

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