Grüne Gebäude
Grüne Gebäude
Grüne Dächer und Fassaden bieten hohes Potenzial für eine bessere Energiebilanz in Städten.

Begrünte Gebäude in dichtbebautem Stadtgebiet haben vielfältige positive Effekte auf ihre unmittelbare Umgebung. Mit Gebäudebegrünungen können die Auswirkungen des Klimawandels besonders in den Städten abgemildert werden. Auch die Bauwerke selbst profitieren von einer Begrünung, indem die Gebäudehülle vor Witterungseinflüssen geschützt und ihre Lebensdauer dadurch erhöht wird, ebenso wird der Energiehaushalt der Gebäude positiv beeinflusst. Es gibt eine Vielzahl an Begrünungssystemen sowohl für Fassaden als auch für Dächer, der Pflanzenauswahl sind mit geeigneten Wuchskonstruktionen und Pflanzgefäßen kaum Grenzen gesetzt.

Wechselwirkungen von Gebäudebegrünung und Energie im Detail


Wärmedämmung

Die Dämmwirkung wird durch zusätzliche Substrat- oder Luftschichten verstärkt. Die hinter der Begrünungsebene beruhigten Luftschichten verstärken diese Wirkung noch (geringere Windbelastung).

Sonnenschutz

Begrünung kann direkt als Sonnenschutzsystem wirken, wodurch andere Systeme wie z.B. Lamellen nicht mehr nötig sind. Die Wirkung wird zusätzlich durch den adiabaten Kühleffekt (Verdunstung) verstärkt. Die Beschattung der unter der Begrünung liegenden Materialien (Fassade, Dach) wirkt sich zudem positiv auf deren Lebensdauer aus.

Manuelle und kontrollierte Lüftung

Staubfilterung, Luftbefeuchtung und Kühlung der Zuluft im Sommer sind positive Effekte in Hinblick auf die Lüftung. Geregelte Bewässerung verstärkt diese noch.

Grüne Gebäude

Photovoltaik und Solarthermie

Durch den Kühleffekt kann sich der Wirkungsgrad der Solarmodule um 4 bis 5 Prozent erhöhen. Bei Solarkollektoren dagegen ergibt sich eine leichte Verminderung des Wirkungsgrades, dieser ist jedoch vernachlässigbar, zumal gerade im Sommer ohnehin Wärmeüberschüsse produziert werden. Wichtig ist, eine Verschattung der Module und Kollektoren zu vermeiden.
Ein Synergieeffekt ergibt sich bei der Aufständerung auf Flachdächern: hier kann die Tragkonstruktion durch die Auflast der Begrünung beschwert werden, andere Beschwerungen und Durchdringungen der Bauwerksabdichtung fallen weg. Die teilweise Beschattung der Begrünung durch die Solarmodule bzw. -kollektoren ermöglicht eine größere Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten.

Biomassenutzung

Die von Gebäudebegrünungen anfallende Biomasse in Form von Laub und Grünschnitt ist ein Beitrag zur übrigen städtischen Biomasse, die unterschiedlich genutzt werden kann: für die Kompostierung, die Erzeugung von Biogas, oder auch als Brennstoff (holzige Biomasse und Laubbriketts) zur thermischen Verwertung.

In einem Pilotprojekt wurden an einer Fassade in Glaspaneelen Mikroalgen für die Biogaserzeugung gezüchtet, dieses Biogas dient dann in einem Blockheizkraftwerk zur Wärme- und Stromproduktion.

Regenwassernutzung

Durch den Wasserrückhalt wird die Kanalisation entlastet, was zum passiven Hochwasserschutz beiträgt. Außerdem wird das Wasser gereinigt und Schadstoffe werden ausgefiltert. Bei Retentions- und Feuchtdächern (also Dächer mit Wasserflächen) kann auch eine direkte Bauteilkühlung über technische Lösungen (Wärmetauscher) erfolgen. Das gesammelte Regenwasser kann natürlich gleichzeitig für die Bewässerung der Begrünung verwendet werden.

Ökologie und Ökonomie

Gebäudebegrünungen haben einerseits durch CO2-Bindung und Sauerstoff-Produktion einen direkten positiven Einfluss auf die Standortökologie. Indirekt ergeben sich positive Effekte durch die Energiebedarfsreduktion für das Gebäude durch Verbesserung der Dämm- und Kühlwirkung einerseits und den Schutz von Bauteilen und die Erhöhung der Lebensdauer andererseits.

Soll ein Begrünungsprojekt verwirklicht werden, das alle diese erwünschten Wirkungen optimal erzielt, sind eine fundierte Planung und eine fachgerechte Umsetzung erforderlich. Was dabei zu beachten ist, wird im zweiten Teil dieses Beitrages behandelt, ebenso welche Förderungen es dafür gibt. Außerdem werden einige Beispielprojekte vorgestellt.

Quellen

Text: Interdisziplinärer Leitfaden als Planungshilfe zur Nutzung energetischer, klimatischer und gestalterischer Potenziale sowie zu den Wechselwirkungen von Gebäude, Bauwerksbegrünung und Gebäudeumfeld. Abschlussbericht August 2013 (Nicole Pfoser et.al.); TU Darmstadt, TU Braunschweig; Solarleitfaden der Stadt Wien, Magistrat der Stadt Wien (MA 20, MA 19, MA 22), Dezember 2014

Bilder: Manfred Pendl/MA 22

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*