Investieren kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „bekleiden“ (investire). Die Frage ist, womit sich die Investoren bekleiden. In jedem Fall rechnen sie damit, Kapital zu gewinnen, Geld, das mit ihrem…

Investieren kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „bekleiden“ (investire). Die Frage ist, womit sich die Investoren bekleiden. In jedem Fall rechnen sie damit, Kapital zu gewinnen, Geld, das mit ihrem Investment verdient wird.

 

Fremdkapital verdient global Geld

Ein Investor legt eigenes Geld in einem Projekt, einer Immobilie, einem Unternehmen an, um damit Geld zu verdienen. Dieses „neue“ Geld soll mit dem Projekt „verdient“ werden und sollte mehr betragen, als man zum Beispiel mit einer Spareinlage bei seiner Bank erhalten würde. Das investierte Kapital darf natürlich nicht weniger werden, sondern muss nach einer gewissen Zeit – nachdem es weiteres Kapital generiert hat – dem Investor wieder vollständig zur Verfügung stehen.

Es ist grundsätzlich zu fragen, warum fremdes Geld an irgendeiner Stelle herangezogen werden muss. Geht es zum Beispiel um ein Energieprojekt – idealerweise zur Nutzung erneuerbarer Energien – wird es um Wärme und Strom gehen, die an einem bestimmten Ort benötigt werden. Diese Energie soll also an einem Ort für die lokale Nutzung erzeugt werden. Hierzu wir Kapital benötigt, um die erforderlichen Anlagen zu errichten und zu betreiben. Dieses Kapital kann entweder vollständig aus vorhandenen Mitteln, oder mit Hilfe einer Bank aufgebracht werden. In letzterem Fall wird ein Anteil von bis zu vierzig Prozent aufzubringen sein, den Rest gibt die Bank dazu. Schon dieser mit Hilfe der Bank finanzierte Anteil muss mit zusätzlichen Mitteln zurückgezahlt werden, den jeweiligen Zinsen. Dies ist also in jedem Fall schon eine Investition, die Geld – Zinsen – erwirtschaften soll. Dieses Geld wird damit dem Projekt entzogen. Ideal wäre es, wenn dieses geliehene Geld auch von lokalen Anlegern stammte, also am Ort verbliebe.

 

Stadtwerke und Genossenschaften halten das Geld am Ort

Projekte zur Erzeugung von Energie aus regenerativen Quellen, ob Solaranlagen, Windparks oder idealerweise Kraftwerke, die Wärme und Strom liefern, sollten von lokalen Gesellschaften, am besten Stadtwerken oder einer Genossenschaft finanziert und betrieben werden. Im ersten deutschen Bioenergiedorf Jühnde in Niedersachsen besteht die Genossenschaft aus allen Bürgern, die zugleich auch die Wärmekunden – und als Land- und Forstwirte auch Lieferanten der Rohstoffe sind. Aus den Einlagen der Bürger in die Genossenschaft konnte der erforderliche Eigenanteil erbracht werden, die restliche Finanzierung erfolgte über die örtliche Volksbank – an der auch wieder zahlreiche Bürger beteiligt sind. Durch diese Konstellation stellt sich natürlich der Betrieb der Anlage ganz anders dar, als wenn ein externer Investor und Betreiber (Contractor) mit der Anlage einen möglichst hohen Gewinn erwirtschaften möchte.

Die Bürger legen den – von ihnen selbst – zu zahlenden Wärmepreis selbst fest. Ebenso zahlen sie die von den ebenfalls zu der Genossenschaft gehörenden Landwirten anzuliefernde Biomasse mit einem unter sich ausgehandelten Preis. Sie profitieren damit schon einmal von der besonders günstigen Wärme (zurzeit 60% unter dem normalen Preis einer Ölbefeuerten Heizung). Am Jahresende wird dann unter den Bürgern noch die Dividende ausgeschüttet, die sich aus dem Verkauf des parallel erzeugten Stroms ergibt. Diese würde sonst komplett aus dem Ort fließen, wenn externe Betreiber diese Gewinne abschöpfen.

 

Lokale Wertschöpfung trägt viele Früchte

Die Einlage kann in solchen Konstrukten in der Regel bereits nach drei bis fünf Jahren erwirtschaftet, das Bankdarlehen nach längstens zehn Jahren zurückgezahlt sein. In beiden Fällen handelt es sich um lokales Geld. In vielen derartig strukturierten „Energiegemeinden“ werden aus den Einnahmen – auch den zusätzlichen Steuereinkünften der Gemeinde – weitere lokale Projekte finanziert, die ohne diese Sondereinkünfte niemals umgesetzt werden könnten. So entstehen in vielen Orten wieder Dorfläden, die auch von der Genossenschaft betrieben werden, Kindergärten und –horte werden eingerichtet, sowie eine örtliche Betreuung der Senioren, die gleichzeitig in die Kinderbetreuung eingebunden sind. Eine starke Zunahme im Vereinsleben ist ebenso zu verzeichnen, wie eine erstaunliche Vitalität der Senioren, die nun natürlich nicht mehr in Heimen oder einer aufwändigen Betreuung „abgestellt“ sind, sondern wieder aktiv am Leben teilnehmen. So mancher – am Ende gar alle – örtliche Landwirt stellt fest, dass er einen guten Teil seiner Erzeugnisse am Ort – und im nahen Umkreis – verkaufen könnte, und wagt es nun, seinen Betrieb auf Biolandbau umzustellen. Es gibt ja genug „Saisonarbeitskräfte“ im Ort, die „ihre Ernte“ einbringen helfen. Die Genossenschaft und natürlich die Einnahmen aus der Zulieferung an die Biogasanlage und das Heizkraftwerk geben dem Landwirt ohnehin eine zusätzliche Sicherheit, die bei der Umstellung auf Biolandbau hilft.

 

Warum fremde Gelder holen, wenn das eigne liegt so nah

Alle Erträge aus Projekten, die der Gemeinschaft dienen – und das sind so gut wie alle – können und sollten aus eigenen Mitteln finanziert werden können. Alle Erträge, die aus diesen Unternehmungen erwirtschaftet werden, bleiben damit am Ort und helfen der Gemeinde, der Gemeinschaft alle anderen Aufgaben zu erledigen. Immer mehr Gemeinden, ja Städte erkennen, dass alle Privatisierungen nur geschadet haben, Geld aus dem Land geflossen ist und die Qualität der privatisierten Leistungen erheblich gelitten hat – der Renditen wegen.

Ob es sinnvoll ist, dass durch die Eigenherstellung Wärme – und letztlich auch der Strom – wieder so billig werden, wie zu Zeiten des billigen Öls in den 60er Jahren, ist eine andere Frage. Entscheidend ist, dass erst einmal Energie CO2-neutral erzeugt wird, mit einem Wirkungsgrad von über neunzig Prozent, statt wie bisher maximal der Hälfte.

Das Wichtigste aber ist, dass die Bürger wieder die Dinge selbst in die Hand nehmen, in der Energieerzeugung, im Finanzsystem und letztlich in der Politik, der Gestaltung ihres Lebens. Der Gesellschaftsvertrag, der im Prinzip seit 1762 in Europa seinen Einzug hielt, sollte endlich mit Leben gefüllt werden. Er ist die Grundlage, die Seele jeder echten Demokratie.

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