Aus dem Leben einer Agrarstudentin: Wozu braucht man Keimfähigkeitstests? Hier findest du es heraus.

Das Heranziehen von Pflanzen aus eigenem Saatgut birgt für mich jedes Jahr neue Überraschungen. Die Anzuchtbedingungen in meiner Wohnung sind nicht optimal. Die meisten Pflanzen benötigen eine relativ hohe Keimtemperatur und etwas Dunkelheit, dann wenn die ersten Pflänzchen sprießen, braucht es viel Licht, damit starke robuste Pflanzen heranwachsen können. Neben den Faktoren Licht und Wärme spielt natürlich auch die Qualität der Pflanzensamen eine entscheidende Rolle. Schnell hat man mehr Saatgut, als man eigentlich braucht, wird es dann nicht hergeschenkt oder weiter getauscht, verweilen die Samenkörner weiter in ihrem Tiefschlaf.

Lagerung zu Hause:

Werden diese schlecht gelagert, kann die Qualität des Saatguts beeinträchtigt werden.  Eine kühle, dunkle und trockene Lagerung eignet sich hierfür am besten.  In kleinen Gläsern im Kleiderschrank ist für den privaten Gebrauch ein ausreichend guter Aufbewahrungsort. Starke Temperaturschwankungen sollten vermieden werden. Ich habe einen Teil meines Saatguts in kleinen Tütchen, welche wiederum in einem Schraubglas aufbewahrt werden. Dieses Schraubglas  hebe ich im Gefrierfach auf.  Die Natur hat es eingerichtet, dass das Saatgut auf spezifische Merkmale der Jahreszeiten reagiert. Einige Pflanzen benötigen ein bis zwei  Winter (Phasen in denen es kalt ist) und dann darauffolgend eine entsprechend hohe Temperatur um tatsächlich zu keimen.

Die Saatgutbunker:

Auf die Idee mit dem Kühlschrank bin ich durch Berichte über den bestgesichertesten Saatgutbunker der Welt gestoßen. Der Svalbard Global Seed Vault ist für mich ein sehr faszinierender Ort. Hier können Saatgutdatenbanken jedes Landes ihre wichtigen Pflanzensamen sicher aufbewahren. Schau dir das Video an, Zugang zu diesem Gebäude hat die Öffentlichkeit nicht. Nur drei Mal im Jahr werden die Tore geöffnet und neue Pflanzensamen eingelagert. Alles ist so ausgelegt, dass auch bei sich ändernden Klimaverhältnissen das Saatgut geschützt ist. Es ist der einzige Ort, an dem alle Staaten der Erde beteiligt sind. Dies zeigt eindrucksvoll wie wichtig die Informationen sind, die in diesen kleinen Samenkörnern gespeichert werden.

Aus dem Leben einer Agrarstudentin: Der Keimfähigkeitstest

Für meine Balkonernte ist es nicht weiter problematisch wenn auch mal etwas ältere und weniger keimfähige Samen dabei sind.  Bei Landwirten sieht dies anders aus. Um die Keimfähigkeit größerer Mengen an Saatgut zu bestimmen wird die sogenannte Keimfähigkeitsprüfung durchgeführt. Wir Agrarwissenschaftsstudenten haben modellhaft eine kleine Probe an Pflanzensamen und ein geeignetes Gefäß in einer praktischen Übung ausgehändigt bekommen.  Für eine repräsentative Probe werden 50 Saatkörner genommen. Diese werden nicht in Erde gelegt, sondern kommen in unserem Fall auf gefaltetes, starkes Filterpapier.

Meine Pflanzenprobe beinhaltet Soja und Roggen. Diese werden in Reihen angeordnet und nun wird das Filterpapier in regelmäßigen Abständen benetzt. Dann heißt es warten und bloß nicht zu viel oder zu wenig gießen. Keimt ein Samenkorn auf, darf ich dies protokollieren. Entscheidend ist die Anzahl der Tage, die gebraucht werden um zu keimen. Unsere Proben sind extra so ausgewählt, dass wir auch fehlerhaftes Saatgut dabei haben. Während einige Pflänzchen sich wunderschön in die Höhe strecken, keimen andere – bei mir insbesondere der Soja – nicht aus und beginnen zu schimmeln. Für meine Mitbewohnerin, welche fern ab der agrarwissenschaftlichen Welt ihr Unwesen treibt ist der Anblick des Schälchens verwunderlich.  Ich verschone euch hier mit den Details, aber es kann schon spannend sein, sich die unterschiedlichen Keimarten von Pflanzensamen in nächster Nähe anzuschauen. Wer sich die Mühe macht und das ganze genau betrachtet, stellt fest, dass sich die Wurzeln und Keimblätter abhängig von der Pflanze nach unterschiedlichen Mustern entwickeln.  Wer die verschiedenen Sameneigenschaften kennt, versteht es auch besser auf die individuellen Eigenschaften der Pflanzen einzugehen.

Bilder: Vera Kondratiuk

Die Freischnauzeköchin ist zum Bloggen über ihre Freude an der Fotografie von Essen gekommen. Seit 2013 gibt es ihre vegetarischen Rezepte online und Tipps zum (nachhaltigen) Leben in Wien. Die in ihrem Studium der Agrarwissenschaften erworbenen Erkenntnisse und ihre Erfahrungen als urbane Gärtnerin teilt sie gerne mit ihrer Leserschaft. Ihr Augenmerk richtet sie hierbei auf zukunftsweisende und umweltfreundliche Lösungen.

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