Minimalismus mit Kindern
Minimalismus mit Kindern
Weniger zu besitzen macht glücklich und frei – doch ist Minimalismus mit Kindern überhaupt möglich? Ich sage es geht und gebe hier Tipps, wie es klappt!

Jedes Jahr aufs Neue überkommt mich zu Beginn des Jahres die Lust auszumustern. Dinge zu sortieren, zu putzen und generell mehr Luftigkeit und Leichtigkeit in mein Leben zu bringen. Minimalismus ist ein sehr inspirierendes Konzept für mich – weniger haben, mehr sein. Mit Familie ist das nicht ganz so einfach als alleine, doch es ist durchaus machbar. Heute verrate ich euch, wieso ein bisschen weniger von allem für uns alle gut ist und gebe euch ein paar Tipps für die ersten Schritte mit!

Minimalismus mit Kindern

Minimalismus wird selten mit Familie assoziiert, sondern eher mit dem hippen Typen am Strand mit seinem Rucksack, in dem all seine Habseligkeiten verstaut sind. Doch was bedeutet Minimalismus überhaupt? Der Duden beschreibt Minimalismus als „bewusste Beschränkung auf ein Minimum, auf das Nötigste“. Wikipedia bezeichnet Minimalismus als „Lebensstil, der sich als Alternative zur konsum­orientierten Überflussgesellschaft sieht.“ Manche definieren Minimalismus als Werkzeug, sich vom Überflüssigen im Leben zu befreien. Um sich auf das zu konzentrieren, was wichtig ist, so dass man Freude, Erfüllung und Freiheit finden kann. Das klingt doch schön oder? Und ist auch als Familie durchaus erreichbar!

Minimalismus mit Kindern
Fotocredit: Jackie Hope auf Unsplash

Wieso Minimalismus sich besonders positiv auf Kinder auswirkt

Es gibt Studien die zeigen, dass Kinder, die weniger Reizen ausgesetzt sind, mit hoher Wahrscheinlichkeit ein ausgeglicheneres Verhalten an den Tag legen. Vielleicht kennt ihr das auch von euch selbst: wenn zu viele Dinge herumliegen oder rundherum passieren, dann könnt ihr euch schlechter konzentrieren und seid leichter abgelenkt. Ordnung im Außen ergibt Ruhe im Inneren, das kann ich immer wieder bei mir selbst beobachten und auch bei meinen Kindern.

Kann sich das Kind besser auf ein Spiel konzentrieren bleibt es auch länger bei der Sache und auch das Ordnung halten fällt mit weniger Dingen leichter. Minimalismus fördert außerdem die Kreativität und Innovation. Denn wenn ein Spielzeug nicht zur Verfügung steht muss der Verstand benutzt werden, um sich in Spielsituationen hinein zu denken. Eine gute Vorstellungskraft bringt auch viel Nutzen für das spätere Leben. 

Und noch einen positiven Nebeneffekt hat es: indem wir unseren Kindern von Anfang an beibringen Spielzeuge mit Bedacht auszuwählen, geben wir ihnen so einiges für ihr späteres Leben mit. Das selektive Aussuchen von Spielzeug kann dabei helfen einen guten und sinnvollen Umgang mit Geld zu erlernen und materiellen Dingen nicht zu viel Bedeutung zuzumessen.

Minimalismus als Familie – erste Schritte

Vorab möchte ich unbedingt anmerken, dass Minimalismus ein Prozess ist und keine Hauruck Aktion. Ihr müsst jetzt also nicht sofort jedes zweite Spielzeug entsorgen und nie wieder etwas neues kaufen. Es geht einfach darum bewußt zu leben und zu beobachten, welche Dinge euch wichtig sind und auf welche ihr vielleicht verzichten könnt. 

Je mehr Platz man hat, desto mehr Platz füllt man auch. 

Wir wohnen als 4-köpfige Familie auf knapp 75 Quadratmetern (plus Garten) mit einem Kinderzimmer, was für Viele undenkbar ist. Dabei haben wir Platz für alles und sogar noch leere Fächer in unserem Kasten. Der Weg dahin war schon weit, wir haben beim Umzug (aus fast 80 Quadratmetern) sehr viel aussortiert und quasi nie wieder damit aufgehört. Ich kann nämlich immer wieder beobachten, dass Familien genau den Platz ausfüllen, den sie auch zur Verfügung haben. Ist der Kasten anfangs noch halb leer, füllt er sich nach und nach mit allerlei Dingen, die dort abgelegt werden. Ob sie nun noch gebraucht werden, oder einfach „für später“ aufgehoben.

Mir ist schon klar, vom Tiny Living sind wir noch weit entfernt, wohnen doch manche Familien in einem Container. Aber trotzdem ist es ein Schritt in diese Richtung, verglichen mit dem Trend, dass Familien oft in größere Häuser ziehen. Damit jedes Kind ein Kinderzimmer hat, zusätzlich ein Arbeits- und Gästezimmer zur Verfügung stehen uvm.

Natürlich könnt ihr eure Platzsituation nicht spontan einmal ändern, aber ich wollte diesen Punkt nicht außer Acht lassen. Denn vielleicht ergibt sich einmal eine Umzugsmöglichkeit oder ihr denkt darüber nach, wohin ihr euch entwickeln möchtet. 

Minimalismus mit Kindern
Fotocredit: Bady Abbas auf Unsplash

Organisation im Kinderzimmer

Vielleicht kennt ihr das Konzept von Marie Kondo: jedes Ding brauch einen Platz! Das finde ich total sinnvoll, denn wenn jeder weiß, wohin etwas gehört, klappt das mit dem Aufräumen auch viel besser. Ich muss leider zugeben, bei diesem Punkt haben wir gerade wieder von vorne begonnen, nachdem das große Bodenbett einem Stockbett und einem Klettergerüst weichen musste. Daher sind wir wieder dabei für alles einen Platz zu finden und das braucht Zeit.

Die Sachen, mit denen regelmäßig gespielt wird werden leicht erreichbar platziert. Dinge, die wir eher gemeinsam benutzen (wie Bastelsachen, Knete etc.) sind weiter oben verstaut. Auch Themen-Kisten oder Laden machen sich bezahlt: jeder weiß, wo Autos, Tiere oder Bücher hinkommen.

Beim Sortieren am besten gleich Aussortieren und wirklich nur behalten, womit auch gerne gespielt wird. Je nach Alter der Kinder ist das etwas schwierig, und hier habe ich einen kleinen Trick: wird etwas nicht bespielt, die Kinder wollen es aber trotzdem behalten, wird es erstmal in den Keller umgesiedelt. Mein Argument dabei ist, dass wir es ja jederzeit wieder holen können, wenn sie es brauchen. Die meisten Sachen geraten in Vergessenheit und können dann irgendwann endgültig aussortiert werden.

Minimalismus mit Kindern
Fotocredit: Nynne Schroder auf Unsplash

Kleidung organisieren

Ein großer Punkt ist die Kleidung! Wir kaufen wenig selbst, haben aber doch immer irgendwie zu viel von allem. Man bekommt geschenkt, weitervererbt und ich nähe auch das ein oder andere Stück. Trotzdem kommen wir mit einem kleinen Kleiderkasten für beide Kinder aus. Dabei hat jedes Kind eine Korblade zum hinaus ziehen, in dem sich Unterhosen und T-Shirts befinden. Diese sind eingerollt (wie bei der oben schon angesprochenen Marie Kondo Methode) – sie sind wirklich kleiner dadurch und man sieht jedes einzelne Stück gut. Die Hosen sind, ebenso eingerollt, für jeden in einer separaten Lade weiter unten verstaut. In einem Fach stehen zwei kleine Kisten, für jedes Kind eine, in der sich die Socken befinden. Im Fach darüber zwei Kisten mit den jeweiligen Pyjamas. Und im obersten Fach sind Pullover, Westen und sonstiges, das nicht so häufig gewechselt und somit gebraucht wird.

Sobald ich merke, dass der Kasten überquillt beginne ich auszusortieren. Meist ziehen die Kinder ohnehin immer das selbe an und haben ihre Lieblinge. Ich frage sie dann, welche Stücke sie nicht mehr anziehen wollen und sortiere diese weg. (Wenn sie noch passen hebe ich sie als Ersatzgewand auf, sind sie zu klein gebe ich sie gleich weiter). Außerdem sortiere ich einzelne Teile sofort aus, wenn mir auffällt, dass sie zu knapp geworden sind.

Was nicht mehr passt wird an Freunde weiter gegeben oder online verkauft. Manches gebe ich auch in die Altkleidersammlung, hier kommt es immer darauf an, wie motiviert ich gerade bin. Übrigens: es gibt mittlerweile auch Gewand zu mieten! Ein tolles, nachhaltiges Konzept, denn so wird alles wirklich so lange getragen, bis es kaputt ist. 

Jede Reise ist anders

Natürlich ist jede Familie anders und so wird eure Reise zu einer minimalistischeren Lebensweise auf jeden Fall einzigartig sein. Es bringt jedenfalls so viel Freiheit weniger Dinge zu besitzen und ich wünsche euch viel Spaß dabei wieder mehr Platz zu schaffen für alles, was euch wichtig ist! 

Quellen:
Lillies Diary, „Minimalismus mit Kind – reduziert leben & ein aufgeräumtes Kinderzimmer
Familie Ordentlich, Nicole, „Minimalismus mit Familie
Gesundheitstrends, Julia Wild, „Warum Kinder Minimalismus brauchen – 6 Wahrheiten