Nagellack
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Sind Bio-Nagellacke wirklich so bio?

Bio-Nagellack gibt es noch gar nicht so lange. Erst 2014 hieß es beispielsweise bei Brigitte online: Endlich! Der erste farbige Bio-Nagellack ist da! Was ist an konventionellen Nagellacken so schädlich? Und was bedeutet Bio bei Nagellack eigentlich?

Inhaltsstoffe von Nagellack gelangen in den Körper

2015 veröffentlichte die Duke University gemeinsam mit der Environmental Working Group (EWG) eine Studie zu Nagellack. Man untersuchte 3.000 Lacke und fand in gut der Hälfte von ihnen Triphenylphosphat – kurz TPHP (oft auch TPP). Selbst in jenen Lacken wo TPHP nicht als Inhaltsstoff deklariert war, wurde die Chemikalie gefunden. Anders als man vermuten würde, enthielt Klarlack meist höhere Konzentrationen an TPHP als farbiger Lack.

Im Körper wird TPHP zu DPHP verstoffwechselt. Für die Studie lackierten sich Frauen die Fingernägel. Man nahm im Anschluss Messungen an Urinproben vor. Die Konzentration an DPHP stieg in den folgenden 10-20 Stunden deutlich an, wenn der Lack auf natürliche Nägel aufgetragen wurde. Auf Kunstnägeln verursachte er einen kaum merkbaren Unterschied. Man geht also davon aus, dass die Chemikalie vom Fingernagel absorbiert und in den Körper geleitet werden kann.

TPHP im Nagellack

Nun, TPHP steht unter Verdacht, dass Hormonsystem, die Fruchtbarkeit und das Nervensystem zu beeinflussen. Eingesetzt wird TPHP unter anderem als Brandschutzmittel in Möbeln. Da man es in mehreren Studien in bis zu 95 Prozent bei Erwachsenen und teilweise bis zu 100 Prozent bei Kindern nachweisen konnte, muss man davon ausgehen, dass wir eh schon einer Dauerbelastung mit TPHP ausgesetzt sind. Eine asiatische Studie wies es 2015 auch in Muttermilch nach.

TPHP wird als Weichmacher in Nagellacken eingesetzt. Es sorgt für die flüssige Konsistenz und lange Haltbarkeit. Ironischer Weise soll es Dibutylphthalat (DBP) ersetzen, weil dieses ebenso als Hormon- und Reproduktionssystem schädigt. Für den letzten Aufschrei sorgte TPHP, als Schlagzeilen veröffentlicht wurden wie: Nagellack macht dick! Wissenschaftler fanden nämlich heraus, dass es wahrscheinlich ein Protein beeinflusst, welches den Stoffwechsel und die Produktion von Fettzellen reguliert. Weitere Studien sind jedoch noch nötig, um endgültige Aussagen treffen zu können, ob man durch Nagellack nun wirklich zunimmt.

Hier findet man eine Liste an Nagellacken, die TPHP enthalten. 

Hinter folgenden Bezeichnungen unter den Inhaltsstoffen kann laut Environmental Working Group TPHP stecken:

  • PHOSPHORIC ACID
  • TRIPHENYL ESTER
  • TRIPHENYL ESTER PHOSPHORIC ACID
  • CELLUFLEX TPP
  • DISFLAMOLL TP
  • PHOSFLEX TPP
  • REOLUBE TPP
  • REOMOL TPP
  • TPP
  • TRIFENYLFOSFAT
  • TRIPHENYL PHOSPHATE

Weitere problematische Stoffe im Nagellack

Wenn man weiß, dass Nagellack ursprünglich auf Basis von Autolacken hergestellt wurde, wundert einen die Liste schädlicher Stoffe, die möglicherweise enthalten sind, wenig.

Toluol 

Die Menge des Lösungsmittels ist normalerweise streng reglementiert und darf z.B. in Sprühfarbe oder Haushaltskleber nur bis zu 0,1 Prozent enthalten sein, da es fortpflanzungsgefährdend und fruchtschädigend ist und darüber hinaus noch Nerven-, Nieren- und Leberschäden verursachen kann. In Nagellack darf die Konzentration 25 Prozent betragen. Argumentiert wird laut Öko Test mit der hier wesentlich kleineren Gebrauchsmenge.

Formaldehyd 

Es wird als Nagelhärter eingesetzt, obwohl es in Verdacht steht, krebserregend zu sein, und Haut, Atemwege und Augen reizen kann.

Campher 

Der Weichmacher macht den Lack formbar. Die Mengen sind im Nagellack zwar überschaubar, aber in höheren Dosen kann es zu Übelkeit, Verwirrtheit und Rauschzuständen führen.

Kolophonium 

Dieses Harz ist zwar aus Nadelhölzern gewonnen, kann aber Allergien und Asthma auslösen.

Phthalate

Weichmacher wie etwa Dibutyl Phthalate (DBP) oder Diethylhexylphthalate (DEHP) sind in der EU als Inhaltsstoffe für Kosmetik verboten. Sie können fortpflanzungs- und erbgutschädigend sein. ABER: Als Hilfsstoffe sind sie erlaubt, müssen nur anschließend aus dem kosmetischen Endprodukt wieder entfernt werden. Dabei kann es zu „technisch unvermeidbaren und technologisch unwirksamen Resten in gesundheitlich unbedenklichen Anteilen“ kommen. Deklariert werden müssen sie aber nicht.

Öko Test hat zwei Lacke als „nicht verkehrsfähig“ eingestuft, da sie verbotenes Phenol gefunden haben. Und mal wieder muss man sagen, dass es nicht die Marke ist, die vor Schadstoffen schützt, denn die besagten Lacke waren von den Firmen Butter London und Chanel.

Erster Bio-Nagellack

Lange Zeit tat sich nichts auf dem Markt der Naturkosmetik, was Nagellacke anging. Der mit dem Bio-Siegel NCCO zertifizierte Klarlack von Provida stand eine Weile alleine im Regal der Bio-Nagellacke. Er besteht aus Bioalkohol, Shellack (wird aus den Ausscheidungen der Lackschildlaus hergestellt und ist somit nicht vegan), Benzoeharz, verschiedenen Ölen, Japankampfer, Carnaubawachs und Aromen.

Der einzige komplett natürliche Nagellack

Unter den Farblacken habe ich bei meinen Recherchen bisher nur den Bio-Nagellack von Logona ausfindig machen können, der komplett natürlich und BDHI sowie NATRUE zertifiziert ist. Auch hier wird Schellack als Basis eingesetzt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Nagellacken von Naturkosmetikherstellern ist er neben den üblichen Verdächtigen auch frei von synthetischen Farb-, Duft- und Konservierungsstoffen sowie von erdölbasierten Rohstoffen. Bemerkbar macht sich das nicht zuletzt auch am Preis.

Free-Lacke und Nagellacke von Naturkosmetikherstellern

Bis zum komplett natürlichen Nagellack gibt es Produkte, die mehr oder noch mehr auf gefährliche Inhaltsstoffe verzichten. Die sogenannten Free-Lacke sind gestaffelt: 3Free-Lack verzichtet in jedem Fall schon mal auf Phthalate, Toluol und Formaldehyd. Bei 4Free- und 5Free-Lack verzichtet man darüberhinaus noch auf Campher und/oder Kolophonium. 7Free-Lacke sind zudem tierversuchsfrei und vegan. Synthetische Farbstoffe, erdölbasierte Inhaltsstoffe, UV-Filter oder Weichmacher können nach wie vor noch enthalten sein.

Nagellacke von Sante sind nicht Naturkosmetik zertifiziert, enthalten aber weder Formaldehyd, noch Toluol, Kolophonium Campher, Formaldehydharz und Dibutylphtalat. So sind sie weniger schädlich als konventionelle Produkte. Zudem sind sie vegan.

Benecos Happy Nails gehören mit dem Verzicht auf Formaldehyd, Toluol, Phthalate, Campher und Kolophonium zu den 5Free-Lacken und sind auch noch vegan. Auf den Fläschchen steht: Bis zu 90 Prozent natürliche Inhaltsstoffe. Naturkosmetik zertifiziert sind sie nicht.

Weitere Beispiele für weniger schädliche Nagellacke von Naturkosmetikherstellern sind etwa

Fazit

Man sollte sich immer bewusst sein, dass die Inhaltsstoffe der Nagellacke vom Körper aufgenommen werden können. Wer sich oft die Nägel lackiert, sollte zumindest darauf achten, einen weniger schädlichen Lack zu wählen. Bei einem Kleinkind, sollte man es sich zweimal überlegen, ob es wirklich nötig ist, es noch in der Entwicklungsphase mit zusätzlichen Schadstoffen zu den ohnehin schon vorhandenen Umweltgiften – meines Erachtens unnötig – zu belasten.

Quellen:
Netzfrauen:  – This is What Happens to Your Body 10 Hours After Putting on Nail Polish. www.netzfrauen.org. 26. Juni 2016. https://netzfrauen.org/2016/06/26/nagellack/ (zuletzt aufgerufen: 09. Mai 2017).
EWG: NAILED: NAIL POLISH CHEMICAL DOUBLES AS FURNITURE FIRE RETARDANT. www.ewg.org. 19. Oktober 2015. http://www.ewg.org/research/nailed/nail-polish-chemical-doubles-furniture-fire-retardant (zuletzt aufgerufen: 09. Mai 2017).
Brigitte online: Endlich! Der erste farbige Bio-Nagellack ist da. www.brigitte.de. 08. Oktober 2014. http://www.brigitte.de/beauty/naturkosmetik/naturkosmetik–endlich–der-erste-farbige-bio-nagellack-ist-da-10230176.html (zuletzt aufgerufen: 09. Mai 2017).
Annika Flatley: Naturkosmetik-Test: diese 3 Nagellacke sind empfehlenswert. www.utopia.de. https://utopia.de/ratgeber/naturkosmetik-test-diese-3-nagellacke-sind-empfehlenswert/ (zuletzt aufgerufen: 09. Mai 2017).
Anja Schauberger: Veganer Nagellack: Inhaltsstoffe und Hersteller. www.utopia.de. https://utopia.de/veganer-nagellack-17428/ (zuletzt aufgerufen: 09. Mai 2017).
Bilder: © Martina Liel

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