Thomas Alva Edison gilt als der größte Erfinder aller Zeiten. Sein Zeitgenosse Nikola Tesla hat allerdings viele Anhänger, die ganz anderer Ansicht sind – Tesla sei um ein Vielfaches bedeutender…

Thomas Alva Edison gilt als der größte Erfinder aller Zeiten. Sein Zeitgenosse Nikola Tesla hat allerdings viele Anhänger, die ganz anderer Ansicht sind – Tesla sei um ein Vielfaches bedeutender als Edison. Sicher ist: beide haben die Welt verändert. Und Edison wusste sich besser zu vermarkten.

Während Thomas Alva Edison heute jedes Kind kennt, weiß man über Nikola Tesla erstaunlich wenig. Dabei spielen seine Erfiindungen eine entscheidende Rolle dabei, wie Elektroautos und E-Loks fahren. Sein Werk beeinflusst die Entwicklungen in der Robotik, in der drahtlosen Kommunikation und auch in der Computertechnologie. Selbst heute noch überrascht es Entwickler und Erfinder, wie viele Konzepte Nikola Tesla schon um die Jahrhundertwende vorweggenommen hat.

Trotzdem ist sein Ende bitter. Während Edison reich und berühmt wurde, starb Tesla 1943 einsam und ohne Geld in einem kleinen Hotelzimmer in New York, von den einen als Genie verehrt, von den anderen als esoterischer Spinner verlacht oder als Betrüger verdammt.

Österreich

Nikola Tesla wurde am 10. Juli 1856 in Smiljan geboren – damals ein entlegener Teil des K&K Reiches. Er war eines von vier überlebenden Kindern und zeigte schon sehr früh – angeblich mit fünf Jahren – eine besondere Neigung zum Experimentieren, zum Entwickeln und zum Maschinenbau. 1875 begann er dank der Unterstützung von Verwandten ein Studium an der Technischen Hochschule in Graz.

Amerika

Ab 1882 arbeitete Nikola Tesla für europäische Niederlassungen des Edison-Imperiums, entdeckte das magnetische Drehfeld und entwickelte dort einen Induktionsmotor, der aber in Europa kaum Interesse hervorrief. 1884 folgte er daher dem Ruf nach New York und arbeitete dort für Thomas Alva Edison – wenn auch nur für wenige Monate. Erstens verdiente er dort nur wenig, zweitens vertrat Edison das Gleichstromsystem, während Tesla sich dem Wechselstrom verschrieb.

Wechselstrom

Er gründete schließlich mit zwei Kompagnons eine eigene Firma, die allerdings Konkurs anmelden musste. Bis 1887 arbeitete er als Tagelöhner, bis er zwei neue Investoren von seiner Idee des Zwei-Phasen-Wechselstroms überzeugen konnte und erneut gründete.
Seine Entwicklungen erregten das Interesse des Industriellen George Westinghouse, der ihm 1888 eine Reihe von Patenten abkaufte – die dann durch die Entwicklung des Drei-Phasen-Wechselstroms durch Michail Ossipowitsch Doliwo-Dobrowolski obsolet wurden. Tesla arbeitete in dieser Zeit – und während des „Stromkriegs“ mit Thomas Edison – für Westinghouse, allerdings wieder überschattet von Meinungsverschiedenheiten.

Drahtlose Energie

In der Folge befasste sich Tesla mit der drahtlosen Energieübertragung und beeindruckte mit seinen Vorführungen der Technologie die New Yorker Gesellschaft. 1891 entwickelte er die berühmte Tesla-Spule, die in Radioempfängern zum Einsatz kam. Er richtete sich sein eigenes Labor ein und sorgte darin für drahtlose Beleuchtung, lebte auf großem Fuß und verkehrte mit Weltstars und Finanzmagnaten. Bei großen Auftritten ließ er Blitze über seinen Körper tanzen, er war ein gefragter Redner in Amerika und Europa.

Wilde Experimente

Experimente mit Röntgenstrahlen ließen Tesla 1896 als einen der ersten erkennen, dass dieses erst ein Jahr zuvor entdeckte Phänomen Schäden verursachte und die Gesundheit gefährdete.
Durch einen Defekt in einer Heizungsfirma brannte Teslas Labor ab und musste ersetzt werden. Dabei wurden auch seine Notizen und Entwürfe Raub der Flammen. Er geriet in finanzielle Schwierigkeiten und benötigte Kredite, vor allem, als er ein noch größeres Laboratorium bei Colorado Springs errichten ließ.

Dort, im dünn besiedelten Gebiet, experimentierte er unter strengster Geheimhaltung weiter mit drahtloser Energieübertragung. Sein großes Ziel war, Energie von der Ostküste der USA nach Frankreich zu übermitteln. Bis 40 Kilometer Entfernung war Tesla mit seiner Methode auch schon erfolgreich.
Was in seinem Labor bei Colorado Springs geschah, darum ranken sich Mythen und Legenden. Immer wieder steckten Blitzentladungen Teile seines Labors in Brand, 1899 steigerte er die Leistung so weit, dass der Generator der Stromversorgung in Colorado Springs durchbrannte und die ganze Stadt für Tage ohne Elektrizität auskommen musste.

Absturz

1900 zog Tesla nach New York zurück, ohne seine enorme Stromrechnung oder die Löhne der Arbeiter zu bezahlen. Das rächte sich in Form einer Klage vor Gericht. In dieser Zeit wurden ihm freilich auch einige wegweisende Patente zuerkannt, unter anderem das erste Funktechnik-Patent der Welt. Auch hier ein Rückschlag: Nachrichten ließen sich in der Praxis leichter über den Atlantik schicken als Energie – was im selben Jahr Guglielmo Marconi gelang.

Tesla entwickelte indes Theorien über die Energie der Menschen und noch unbekannte Berechnungsfaktoren, mit denen diese Energie bestimmt werden könnte. Er sprach von einer „Weltenergie“, wollte Funkkontakt mit fremden Planeten aufnehmen (was wir heute als Selbstverständlichkeit akzeptieren) und die „Raumenergie“ mit Apparaten auffangen und in elektrische Energie umwandeln. Durch diese Ansätze verlor er viele Sympathien. Tesla erschien nun eher als Phantast und Träumer denn als glaubwürdiger Wissenschaftler.

Niederlage

Als sein Hauptfinancier absprang, sicherte er sich die Unterstützung des Bankiers J.P.Morgan – allerdings durch Vorspiegelung falscher Tatsachen. Der so in Angriff genommene Bau des „Wardenclyffe Tower“, ein Projekt, mit dem Tesla die Weltenergie anzapfen wollte, konnte nicht beendet werden, die Arbeiter erhielten wieder keine Bezahlung, Teslas Stern sank.
Seine vielversprechende neue Tesla-Turbine, die den Wirkungsgrad damaliger Turbinen massiv erhöht hätte, konnte mit dem vorhandenen Material noch nicht serienreif gefertigt und aus Geldmangel nicht zu Interessenten transportiert werden.

112 US-Patente, Ehrendoktorate aus Graz, Prag und zehn weiteren Universitäten sowie die 1916 verliehene Edison-Medaille brachten Ehre und Anerkennung, sicherten aber nicht Teslas Lebensunterhalt. Die Westinghouse-Company zahlte ihm schließlich ein monatliches Beraterhonorar, das ihm ermöglichte, sich mit einer neuen Idee, „Strahlenkanonen“, zu beschäftigen.

Tod

Am 8. Jänner 1943 wurde Nikola Tesla tot in seinem Hotelzimmer gefunden. Er war 86 Jahre alt geworden.

Bild: Screenshot Teslauniverse.com

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