Folgen der Verschleppung von Pflanzen- und Tierarten über Kontinente.

Ein internationales Forschungsteam hat mit Franz Essl, vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Uni Wien, herausgefunden, dass die durch den Klimawandel begünstigte Verbreitung von Ragweed eine massive Zunahme der Pollenbelastung verursacht. Bis zum Jahr 2050 soll sie sich vervierfachen.

Die Ergebnisse der Studie erscheinen derzeit im Fachmagazin „Nature Climate Change“.

Aus diesem Anlass haben wir mit dem Forscher über seine Arbeit, die Pollenbelastungen und einen Ausblick in die Zukunft gesprochen.

Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf die Pollenbelastungen?

Die markanteste Folge des Klimawandels ist der Anstieg der Lufttemperaturen. Dies begünstigt die Ausbreitung Wärme liebender Pflanzen. Unter den allergieauslösenden Pflanzenarten Österreichs nimmt das aus Nordamerika stammende und den Tieflagen Ost- und Südösterreichs eingeschleppte Ragweed eine besondere Stellung ein, da es einen besonders stark allergieauslösenden Pollen besitzt.

Hinzu kommt, dass diese Art erst im Spätsommer und Frühherbst blüht, zu einer Zeit also, in der kaum mehr andere allergieauslösende Pflanzen blühen. Da Ragweed in Österreich heute durch seine hohen Temperaturansprüche an der Ausbreitung in höhere Lagen gehindert wird, wird diese Pflanzenart zu den Gewinnern des Klimawandels gehören. Dies wird dazu führen, dass die Pollenbelastung durch Ragweed stark steigen wird.

Was kann man dagegen tun?

Die Ergebnisse mehrerer wissenschaftlicher Studien unterstreichen die Notwendigkeit, problematische eingeschleppte Neobiota frühzeitig zu bekämpfen. Seit 1. Jänner 2015 ist eine neue Verordnung der EU in Kraft, deren Ziel es ist, durch Quarantänemaßnahmen und rasche Bekämpfung die weitere Ausbreitung problematischer Arten zu stoppen.

Dies kann nur dann gelingen, wenn die dafür nötigen Maßnahmen rasch und ambitioniert umgesetzt werden. Im Fall von Ragweed sind die nötigen Schritte gut bekannt: Die Verhinderung der Verschleppung von Ragweedsamen mit Saatgut und Erdreich und die Bekämpfung vorhandener Vorkommen vor der Samenreife im Sommer. Die Umsetzung dieser Maßnahmen würde es Allergikern künftig wieder ermöglichen, freier durchzuatmen.

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Wie können Ihre Forschungen dabei helfen?

Unsere Forschungsergebnisse erlauben es, frühzeitig und vorausschauend das künftige Allergierisiko durch Ragweed zu beurteilen. Einerseits erlauben unsere Ausbreitungsmodelle eine Vorhersage, welche Gebiete in Österreich durch Ragweed unter Klimawandel besiedelt werden können.

Andererseits können wir Abschätzungen zu den Bekämpfungsmaßnahmen geben, die nötig sind, um die Art zurückzudrängen.

Was erwarten Sie sich nun von der Zukunft?

Der Mensch verändert zunehmend und immer tiefergreifend die natürliche Umwelt. Diese Eingriffe betreffen alle Komponenten, angefangen vom Klima, zur Verbringung von Tier- und Pflanzenarten, sowie die Zerstörung natürlicher Lebensräume und die damit zusammen hängende Ausrottung von Arten.

Diese Veränderungen sind sehr problematisch, den das Wohlergehen von uns Menschen hängt ursächlich von einer intakten Umwelt ab – dies ist auch in unserer hochtechnisierten Welt so. In der Zukunft werden die Auswirkungen dieser Veränderungen noch weitaus stärker zu spüren sein und es ist daher unumgänglich, dem Schutz der natürlichen Umwelt einen viel höheren Stellenwert beizumessen als bisher.

Und zwar im eigenen Interesse von uns Menschen.

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Fotos: Franz Essl

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