Landwirtschaft und Klimawandel. Was tut sich auf der BOKU?

Zu all dem und noch mehr haben wir mit DDipl.Ing. Hermine Mitter von der BOKU in Wien gesprochen. Sie erzählt von ihrem Arbeitsfeld und gibt Einblicke in ihre spannende Forschungsarbeit.

Sie beschäftigen sich derzeit an der BOKU mit den Themengebieten Landwirtschaft und Klimawandel. Können Sie das näher skizzieren?
Der Umgang mit veränderten klimatischen Bedingungen (z.B. höhere Jahresmitteltemperaturen, unsichere Niederschlagsentwicklung, Zunahme von Extremwetterereignissen) gilt in den nächsten Jahrzehnten als zentrale Herausforderung für den klima-sensitiven Sektor Landwirtschaft. Um auf negative Folgen frühzeitig reagieren zu können und die Entwicklungschancen von Lebens- und Wirtschaftsräumen nutzbar zu machen, können integrative Modellanalysen wichtige Entscheidungsgrundlagen liefern.

Ergebnisse zeigen, dass die österreichische Landwirtschaft bei Annahme eines moderaten Klimawandel-Szenarios im Mittel profitiert. In einzelnen Regionen (vor allem im Westen Österreichs) könnten die durchschnittlichen Erntemengen steigen, wohingegen Produktionsgebiete im Osten Österreichs tendenziell zu den Verlierern gehören. Aktuelle Forschungsergebnisse wurden im Österreichischen Klimasachstandsbericht AAR14 zusammen gefasst und im September 2014 präsentiert.

Zu Ihren Fachkenntnissen zählen auch erneuerbare Energieträger. Wie setzen Sie dieses Wissen ein?
In meiner Forschungsarbeit stehen räumliche Analysen zu Energiebedarf, Energieeinsparungspotenzial und zur möglichen Bereitstellung von erneuerbaren Energieträgern im Mittelpunkt. Mitwirken durfte ich u.a. bei der Entwicklung des web-basierten ELAS-Rechners, mit dem jede/r für seinen/ihren Haushalt den Gesamtenergieverbrauch, ökologischen Fußabdruck, CO2-Lebenszyklus-Emissionen sowie regionalökonomische Effekte (Umsatz, Wertschöpfung, Importe, Arbeitsplätze) berechnen kann.

Gleichermaßen können RaumplanerInnen, ArchitektInnen, BauträgerInnen und politische EntscheidungsträgerInnen den ELAS-Rechner zur Entwicklung von Wohnsiedlungen nutzen. Vergleichende Analysen zeigen, dass vor allem in dicht verbauten Gebieten (z.B. mehrgeschossiger Wohnbau) der ökologische Fußabdruck reduziert werden kann, wenn erneuerbare Energieträger für Strom und Heizung eingesetzt werden und die BewohnerInnen bei Alltagswegen auf das Auto verzichten.

Sie sind wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung. Wo liegen die Aufgaben dieses Instituts?
Am Institut für Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung der Universität für Bodenkultur arbeitet ein interdisziplinäres Team aus Wirtschafts-, Sozial- und NaturwissenschaftlerInnen. In vier Arbeitsgruppen entwickeln wir Lösungen, die zur nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raums beitragen. Dazu untersuchen wir beispielsweise Managementstrategien biogener Wertschöpfungsketten und optimieren Prozesse in der Land-, Umwelt- und Ernährungswirtschaft. Unsere Forschungsarbeit konzentriert sich auf Österreich und Europa, umfasst aber auch globale und entwicklungspolitische Perspektiven. Lehre und Politikberatung runden die Aufgaben des Instituts ab.

Sie haben den TGB-Wissenschaftspreis zur Förderung innovativer Ansätze mit unmittelbarem Anwendungspotenzial im Umweltschutz erhalten. Für welche Tätigkeit war dies?
Den TGB-Wissenschaftspreis erhielt ich 2006 für meine Diplomarbeit zum Thema „Versorgung mit Biomasse-Nahwärme als Planungsinhalt des Örtlichen Entwicklungskonzeptes am Beispiel St. Georgen am Walde/OÖ“. Ziel der Arbeit war die Entwicklung einer Methode, die EntscheidungsträgerInnen in Gemeinden bei der Planung von Biomasse-Nahwärme-Anlagen unterstützt. Im „Neue Energien 2020“ Forschungsprojekt „PlanVision“ entwickelten wir diese Methode weiter, sodass sie bereits in mehreren Gemeinden zum Einsatz kam.

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