Fotocredit: unverschwendet
Fotocredit: unverschwendet
Zu viel Obst und Gemüse landet im Müll, findet Cornelia Diesenreiter. Deshalb hat sie gemeinsam mit ihrem Bruder Andreas „unverschwendet“ gegründet. Im Interview spricht sie über die Hintergründe.

Tonnen an Obst und Gemüse werden weggeschmissen, weil diese den Normen nicht entsprechen. Der Grund dafür ist nicht etwa, dass die Qualität nicht stimme. Um möglichst viele dieser Lebensmittel zu retten, hat Cornelia Diesenreiter gemeinsam mit ihrem Bruder Andreas „unverschwendet“ gegründet. Im Interview spricht sie darüber, wie das funktioniert.

Seit wann und warum gibt es „unverschwendet“?

Das Start-up gibt es seit März 2016. Als gelernte Köchin habe ich schon immer gerne mit Lebensmitteln gearbeitet, aber auch gesehen, wie mit Lebensmittel umgegangen wird. Ich habe Recht und Wirtschaft studiert und schließlich Nachhaltiges Produktdesign in London. Dort bin ich mit dem Thema Zero Waste in Kontakt gekommen. Ich habe bei einer Restmüll-Analyse mitgemacht. Diese hat ergeben, dass unter den 1,5 Tonnen Müll 400 Kilo Lebensmittel waren – genießbare, einige sogar noch originalverpackt. Zurück in Österreich musste ich schnell feststellen, dass es in diesem Bereich keinen Job gibt. 2015 habe ich auf Vereinsbasis begonnen, im größeren Stil Lebensmittel zu retten, und gesehen: Das Thema hat ein Riesenpotenzial.

Obst und Gemüse aus Überproduktion verwertet "unverschwendet" zu diesen Produkten - Fotocredit: unverschwendet
Obst und Gemüse aus Überproduktion verwertet „unverschwendet“ zu diesen Produkten – Fotocredit: unverschwendet

Warum sollten Lebensmittel gerettet werden?

In den Anbau von Obst und Gemüse sind bereits sehr viele Ressourcen hineingeflossen. Und es wird immer noch überproduziert. Wir haben kein Ernährungsproblem. Den Menschen ist nicht bewusst, dass wir nicht noch mehr anbauen müssen. Es gibt bereits genug Lebensmittel. Wir dürfen sie nur nicht wegwerfen.

Wie kommt es dazu, dass Lebensmittel im großen Stil am Müll landen?

Um ihre Verträge mit dem Großhandel einhalten zu können, müssen Landwirte mehr anbauen, als der Großhandel ihnen abnimmt. Um 100 Prozent liefern zu können, muss der Landwirt 120 bis 160 Prozent anbauen. Ein Teil der Ernte könnte ja durch Hagel oder Frost vernichtet werden. In einem guten Jahr haben dann aber alle Bauern 160 Prozent. Doch nur weil das Angebot steigt, steigt nicht automatisch die Nachfrage. Das ist total absurd. Aber ich verstehe die Bauern auch, dass sie Angst haben, nicht liefern zu können, weil sie dann den Auftrag fürs nächste Jahr verlieren.

Obst und Apfel&Mohn-Senf von "unverschwendet"- Fotocredit: unverschwendet
Obst und Apfel&Mohn-Senf von „unverschwendet“- Fotocredit: unverschwendet

Was passiert mit dieser Überproduktion?

Früchte aus dieser Überproduktion, die zwar A-Ware sind, aber nicht den Normen entsprechend aussehen, sind für den Handel uninteressant. Sie werden weggeworfen. Diese Ware kaufen wir auf, um unsere Produkte daraus herzustellen. Im September hatten wir zum Beispiel eine Melonenaktion. Ein Bauer hatte 25 Tonnen Melonen zu viel. Vier haben wir ihm abgenommen.

Woher bezieht ihr eure Ware?

Hauptsächlich aus dem Großraum Wien, zum Teil auch aus dem Marchfeld. Für Marillen fahren wir schon mal in die Wachau, für Melonen ins Burgenland. Wir kaufen alles ab Hof. In den ersten beiden Jahren lief vieles sehr spontan. Mittlerweile sprechen wir uns schon möglichst früh mit den Bauern ab. Bei den Marillen zum Beispiel lässt sich ja schon sehr früh abschätzen, wie die Ernte ausfallen wird.

Wie funktioniert das in Sachen Logistik?

Es gibt in Österreich eine sehr gute Logistik im Lebensmittelbereich. Innerhalb von 24 Stunden lässt sich ein Transport organisieren, der die Lebensmittel zu uns bringt.

Aus der Produktpalette - Fotocredit: unverschwendet
Aus der Produktpalette – Fotocredit: unverschwendet

Wo werden die „unverschwendet“-Produkte verarbeitet?

Bis 2017 haben wir alles in unserer 12 Quadratmeter kleinen Betriebsküche am Schwedenmarkt gekocht. In vergangenen Jahr haben wir 32.000 Gläser eingekocht. Das war aber sehr zeitintensiv. Wir könnten 40 bis 50.000 Gläser schaffen. Unser Ziel ist es aber, so viele Lebensmittel wie möglich zu retten. Uns geht es vor allem um die Verbreitung. Für Senf, Pesto und Sirup haben wir inzwischen Produzenten gefunden, mit denen wir zusammenarbeiten.

Wie soll es weitergehen?

Die Verarbeitung von Obst und Gemüse zu Feinkost sollte die erste Säule sein. Im kommenden Jahr 2019 wollen wir eine Überschussbörse etablieren. Wir möchten Gastro-Betrieben in Wien die Ware anbieten. Anfangs war dafür viel Aufklärungsarbeit nötig, dass es sich dabei um A-Ware handelt, die ab Hof bezogen wird. Mittlerweile sind aber viele Betriebe sehr interessiert. Wir möchten auch verschiedene Initiativen, die es bereits gibt, an einem runden Tisch zusammenholen. Wir hoffen, dass wir auf diese Weise die Ware strukturiert verkaufen und so einerseits einen gesicherten Umsatz für die Bauern schaffen und andererseits das Obst und Gemüse den Bürgern von Österreich zur Verfügung stellen.

Quelle: Energieleben Redaktion
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