Photo: David Clode
Photo: David Clode
Jedes Gramm eingesparter Müll und Plastik hat positive Aspekte.

Bei den glücklicherweise immer wieder auftauchenden Texten und Inhalten zu den Problemen, die Einweg-Plastik mit sich bringt, werden Alternativen oft nicht erwähnt. Und obwohl es natürlich wichtig ist, erst einmal den Plastik-Verbrauch zu reduzieren, ist es nicht überall so einfach, komplett auf diesen immens praktischen Stoff zu verzichten.

Wenn es dann mal um Alternativen geht, wird oft Bio-Plastik genannt. Ein Künstlich produzierter Stoff, der biologisch abbaubar sein soll.

Jedes Mal, wenn ich mir im Supermarkt so ein Sackerl mitnehme, frage ich mich, woraus genau es eigentlich besteht. Der Stoff ist meistens sehr weich- aber angenehm weich. Die Farbe blättert oder färbt nicht ab, wie bei anderen Kunststoffen. Das ganze fühlt sich schon in der Handhabung irgendwie natürlicher an.

Aber die Frage blieb und ich habe sie bis heute nicht geklärt. Das soll dieser Artikel ändern- auch für dich. Falls du mehr über Mikroplastik erfahren willst, sieh doch hier vorbei.

Photo: Mert Guller
Photo: Mert Guller

Was ist Bio-Plastik?

Den Begriff „Bio“ in dieser Wortverbindung muss erst einmal differenziert betrachtet werden. Denn tatsächlich kann dieses „Bio“ für zwei verschiedene Dinge stehen, die erst auf den zweiten Blick durchschaut werden können. Leider aber nicht immer.

Bio – Bedeutung 1: Ein Bio-Sackerl kann deswegen bio sein, weil es aus nachwachsenden Rohstoffen gemacht wurde. Es ist dann „biobasiert“ und besteht zum Großteil aus biologischen Rohstoffen. Zum Großteil. Ja, leider nicht immer vollständig. Und das ist für den Endverbraucher auch nicht so einfach herauszufinden. Es können tatsächlich mineralische Stoffe damit vermischt worden sein. Sackerl sind sogar nur sehr selten vollständig aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt.

VORSICHT: Nur, weil etwas aus nachwachsenden Rohstoffen gemacht wurde, bedeutet das nicht, dass es auch biologisch komplett abbaubar ist.

Bio – Bedeutung 2: Die zweite Bedeutung, die „Bio“ in diesem Zusammenhang haben kann, ist „biologisch abbaubar“. Sollte das so sein, befindet sich meist ein entsprechender Aufdruck auf dem Sackerl. Leider bedeutet das aber nicht sofort, dass das Sackerl einfach auf den Komposthaufen Zuhause kann. Denn:

VORSICHT: Nur, weil ein Sackerl „biologisch abbaubar“ ist, heißt das nicht, dass es nur aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wurde. Man kann tatsächlich abbaubare Kunststoffe herstellen, die dann auf dem Kompost im Garten nicht gut abbaubar sind. Leider.

Du merkst, es ist wirklich kompliziert. Und das ist auch das Problem, durch das Bio-Plastik leider so gut wie unbrauchbar wird. Im Gegenteil, der Aufwand, es richtig zu entsorgen, könnte theoretisch sogar den Aufwand überwiegen, normales Plastik richtig zu entsorgen.

©Laurel Koeniger
©Laurel Koeniger

Um es kurz zu sagen: Plastik aus nachwachsenden Rohstoffen ist vielleicht nicht abbaubar, biologisch abbaubares Plastik ist oft nicht aus nachwachsenden Rohstoffen gemacht. Irgendwie fast schon absurd.

Der psychologische Aspekt

Was an Bio-Plastik ist also eigentlich gut? Ganz ehrlich, in Wahrheit sehr wenig. Wenn man es ganz trocken auffasst, ist dieses Material keine Lösung für unser Problem. Es wird in der Produktion ein wenig Erdöl eingespart, aber alles andere bleibt dem normalen Plastik-Sack sehr ähnlich.

Was helfen könnte, wäre ein Gesetz, dass Bio-Plastik aus nachwachsenden Rohstoffen und biologisch abbaubar sein muss- denn dann könnte man der Umweltverschmutzung stark entgegenwirken.

Was bleibt ist allerdings immer noch das Problem der Energie- und vor allem Ressourcenverschwendung. Immerhin fördert der Gedanke, Bio-Plastik sei kompostierbar ja auch nur unsere Wegwerfkultur und ändert nichts an diesem ursprünglichen Problem.

Der Umwelt-Aspekt

Was außerdem oft vergessen wird, ist, dass Bio-Plastik aus nachwachsenden Rohstoffen ja erst wieder woher kommen muss. Oft ist es Mais, Zuckerrohr, oder Zellulose.

Was nun das Problem, gerade an großen Kulturpflanzen wie Mais ist, wird schnell ersichtlich: Unter Umständen Monokulturen, Diesel (Erdöl) für den Traktor, Pestizide, die in die Erde gewaschen werden und so weiter. In Wahrheit produzieren wir also mit dieser halbseidenen Lösung eventuell noch mehr Probleme, als es schon gab.

© Patrick Hendry
© Patrick Hendry

Das Problem

Es ist einfach viel zu unübersichtlich für  den Endverbraucher und die Kunden. Niemand, der sich nicht genau mit dieser Thematik auseinandersetzt, hat noch einen Durchblick. Auch dieser Beitrag, dessen bin ich mir ganz bewusst, hat die Dinge für dich vielleicht noch komplizierter gemacht.

Musst du auf ein Siegel achten? Woher weißt du, ob das Sackerl aus nachwachsenden Rohstoffen oder nicht vielleicht nur kompostierbar ist, obwohl aus Erdöl? Es ist, nennen wir es beim Namen, ein Irrsinn.

Die Lösung

Zum Einkaufen nimmst du einfach einen Mehrweg-Beutel mit. So einfach ist das. Eine einmalige (ein bisschen teurere) Anschaffung (am besten ein Leinenbeutel oder einer aus Bio-Baumwolle) hält jahrelang und du sparst weit mehr Plastik, als der durchschnittliche EU-Bürger. Auf meinem Blog findest du noch mehr Tipps zum Einkaufen.

So, das ist aber natürlich nur eine Seite der Medaille. Was machen wir mit dem Rest? Mit den Verpackungen, die bereits aus Bio-Plastik sind? Sind die ein guter Ersatz?

Und so groß die Überschrift eine Lösung verspricht, so klein ist die Antwort, dieses Thema betreffend: Es gibt (noch) keine.

Aber eines ist sicher: Jedes Gramm eingesparter Müll und Plastik hat positive Aspekte. Versuchen wir also so unverpackt und zumindest Papier-basiert einzukaufen, wie es geht. Das ist ein wahrlich guter Anfang.

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