Radioaktive Strahlung kommt in der Natur vor und sie ist überall. Wie bei so vielem macht die Dosis die Schädlichkeit aus. In Wohnräumen sollte man darauf achten, dass sich das…

Radioaktive Strahlung kommt in der Natur vor und sie ist überall. Wie bei so vielem macht die Dosis die Schädlichkeit aus. In Wohnräumen sollte man darauf achten, dass sich das radioaktive Edelgas Radon nicht in Wohnräumen anreichert.

Die Entdeckung der Radioaktivität

Der französische Physiker Antoine Becquerel (1852-1908) untersuchte Uranverbindungen und machte dabei eine gruselige Entdeckung: Fotografische Platten verfärbten sich wie von Geisterhand ohne sichtbare äußere Einwirkung. In der Luft war eine Ionisierung messbar. Dabei trennen sich Elektronen von Molekülen, in dem Fall aus der Umgebungsluft. Für diesen Vorgang muss Energie aufgewendet werden. Aber woher kam diese Energie? Becquerel hatte die radioaktive Strahlung entdeckt.

Die 29-jährige Marie Curie (1867-1934) war damals seine Doktorandin. Sie übernahm die Aufgabe, die neu entdeckte Strahlung eingehender zu untersuchen. Mit ihrem Mann Pierre Curie (1859-1906)  fand sie zwei bis dahin unbekannte Elemente und gab ihnen das Attribut „radioaktiv“. Sie gab ihnen die Namen „Radium“ und „Polonium“ (nach ihrer Heimat Polen). Die langjährige Arbeit mit hoch dosierter Radioaktivität ging nicht spurlos an ihr vorbei, und sie starb im Alter von 66 Jahren an Leukämie. Die Nobelpreisträgerin hinterließ uns die Röntgentechnik.

Was bedeutet „radioaktiv“?

Als „radioaktiv“ bezeichnet man Stoffe, deren Atome von selbst zerfallen. Dabei wird ionisierende Strahlung, Alpha-, Beta- oder Gamma-Strahlung, frei. Die Maßeinheit dieser Strahlung heißt Becquerel (Bq), wobei ein Becquerel bedeutet, dass in einer Sekunde ein Atom zerfällt.

Elemente wie Uran oder Radium kommen natürlich in Gestein vor. Daher gibt es radioaktive Strahlung überall. Ein Kilogramm Erde strahlt schon einige hundert Becquerel. Wir nehmen natürliche Radioaktivität sogar mit unserer Nahrung zu uns, beispielsweise durch Kalium.

Was bewirkt radioaktive Strahlung?

Egal ob Alpha-, Beta- oder Gammastrahlung, sie wirken auf den Körper auf dieselbe Art und Weise: Elektronen werden aus den Atomhüllen herausgeschleudert und es entstehen Ionen. Dies kann dazu führen, dass sich Körperzellen verändern. Die Folgen sind Erbschäden, Missbildungen oder Krebs. Die Stärke der Schädigung hängt nicht so sehr von der Strahlungsaktivität ab als von der Dosis. Daher können wir auch Kalium über die Nahrung zu uns nehmen, ohne zu Schaden zu nehmen. Kalium 40 hat zwar eine Strahlungsaktivität von 9.000 Becquerel, aber die Dosis in unseren Körpern ist so gering, dass es uns nichts anhaben kann.

Je höher aber die Dosis der Radioaktivität, desto stärker werden Körperzellen geschädigt. Man nennt sie die Äquivalentdosis und sie wird in Sievert (Sv) gemessen. Ein Sievert Alpha-Strahlung hat dabei dieselbe Auswirkung wie ein Sievert Beta- oder Gammastrahlung. Es gibt nur einen entscheidenden Unterschied: Alpha- und Beta-Strahlung dringen nicht durch unsere Kleidung, wohingegen Gamma-Strahlen durchdringen. So strahlen auch wir ständig radioaktive Strahlung nach außen ab, natürlich im geringen Maße.

Radon – natürliche Radioaktivität

Die stärkste natürliche radioaktive Belastung geht von dem Edelgas Radon aus. Es entsteht im Erdreich durch Zerfall von Uran. Nicht überall ist die Konzentration gleich hoch. In Deutschland kommt Radon in einigen Mittelgebirgen verstärkt vor. Doch in der freien Natur steigt die Konzentration natürlicher Radioaktivität nicht bis zu einem bedenklichen Maß an.
In Gebäude kann dies schon anders aussehen: Radon gelangt durch undichte Fundamentplatten, Risse im Mauerwerk oder über Kabel- und Rohrdurchführungen in Innenräume. Hier kann es sich anreichern, wenn nicht ausreichend gelüftet wird. Da es aus dem Erdreich kommt, ist die Konzentration besonders in Kellerräumen hoch.

Ist Radon gefährlich?

Radon kann man weder riechen noch schmecken. Es lässt sich nur durch bestimmte Messgeräte nachweisen. Es kann sich in geschlossenen Räumen anreichern und haftet an Staubteilchen, die man einatmet. In der Lunge kann es zu Veränderungen der Körperzellen führen und schließlich Lungenkrebs verursachen.

Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt, Maßnahmen zu ergreifen, wenn eine Radon-Konzentration von über 100 Becquerel pro Kubikmeter festgestellt werden kann. Über die Radon-Konzentration einzelner Regionen gibt das örtliche Gesundheits- oder Umweltamt Auskunft.

Radonbelastung – und jetzt?

Hauseigentümer, die einen begründeten Verdacht auf eine hohe Radon-Konzentration haben, sollten Messungen durchführen lassen, um eventuell bauliche Maßnahmen ergreifen zu können. Mieter sollten sich im Verdachtsfall ihrerseits an die Hauseigentümer mit der Bitte um Messungen wenden. Für Messungen sind Gesundheits-, Umwelt- oder Bauämter zuständig.

Man sollte generell mehrmals am Tag stoßlüften, auch im Keller. Man kann auch eine Lüftungsanlage einbauen lassen, damit der Luftaustausch gewährleistet ist. Leitungen sollten genügend abgedichtet sein, genauso wie Risse in Mauerwerk oder in der Kellertür. Der Keller sollte gegen den Wohnbereich gut abgedichtet sein. Für Decken, Wände und Fußböden gibt es radondichte Folie. Eine punktuelle Radonabsaugung von außen durch einen Radonbrunnen oder die Verlegung einer Drainage unterhalb des Fundamentes zum Absaugen der Radonluft sind ebenfalls möglich.

Mehr Informationen und eine Radonpotenzialkarte von Österreich unter: http://www.lebensministerium.at/umwelt/strahlen-atom/strahlenschutz/radon/radonmessung.html

Quellen:

Gesünder Wohnen – aber wie? Praktische Tipps für den Alltag; Hg.: Bundesamt für Strahlenschutz, Bundesinstitut für Risikobewertung, Umweltbundesamt, Berlin 2005.

Detlev Ganten, Thomas Deichmann, Thilo Spahl: Naturwissenschaft, Alles, was man wissen muss. München 2005.

 

 

 

Bildnachweis: © Heinz Ober/ Pixelio.de

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