Das Österreichische Umweltbundesamt hat in Kooperation mit der Medizinischen Universität Wien erstmals eine repräsentative Untersuchung von Personen auf Industriechemikalien durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Schadstoffe vom Menschen aufgenommen werden…

Das Österreichische Umweltbundesamt hat in Kooperation mit der Medizinischen Universität Wien erstmals eine repräsentative Untersuchung von Personen auf Industriechemikalien durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Schadstoffe vom Menschen aufgenommen werden und im Körper nachweisbar sind. Oder anders ausgedrückt: Was um uns ist, ist auch in uns. Besonders die Werte für Phthalate (Weichmacher von Kunststoffen) und polybromierten Dimethylethern (Flammschutzmittel) sind bei vielen Personen erhöht.

Auffallend dabei sind Korrelationen von innerer Belastung mit Phthalaten und Symptomen wie chronischem Husten, hormonellen Problemen, Kopfschmerzen, Durchfall und Juckreiz. Auch waren die Phthalat-Werte höher bei häufiger Verwendung von Haarschaum, Haarfärbemittel, Make-up, Kaugummi und Getränken aus PET-Flaschen.

Wie nehmen wir die Schadstoffe zu uns?

Die Chemikalien Octyl- und Nonylphenole sowie Bisphenol A gelangen besonders durch Verpackungsmaterialien auf unsere Nahrungsmittel. Erstere findet man auch in Wasch- und Reinigungsmittel sowie in Kosmetika. Sie wirken schädigend auf Hormonhaushalt und Fruchtbarkeit. Die Flammschutzmittel Polybromierte Diphenylether (PBDE) werden in Kunststoffen und Textilien eingesetzt. Über den Hausstaub werden sie eingeatmet oder über die Nahrung aufgenommen. Symptome wie Kopfschmerzen und Asthma liegen häufig vor, wenn auch der Wert der Flammschutzmittels im Blut erhöht ist.

Diethylhexylphthalat (DEHP) ist ein Weichmacher für Kunststoffe. Phthalate sind überall um uns herum in Innenräumen und wir können ihnen nicht ausweichen. So schlummern sie beispielsweise in Fußböden, Tapeten, Kabelisolierungen, Klebstoffen, aber auch in Nahrungsmittelverpackungen, Spielzeug und Kosmetika. Das Heimtückische an diesen Stoffen: Wir nehmen sie über die Atemluft zu uns. Sie wirken sich ebenfalls negativ auf das Hormonsystem und die Fruchtbarkeit aus. Bei Kindern fand man höhere Konzentrationen als bei Erwachsenen. Auch wenn diese Weichmacher in Spielzeug und Babyartikeln verboten sind, verstecken sie sich immer noch in so manchem PVC-Aufdruck auf Kinder-Shirts.

Trisphosphate kommen als Weichmacher und Flammschutzmitteln in Textilien vor, besonders in Polyester. Bei der Verwendung bestimmter Bodenpflege- und Beschichtungsmitteln kann die Innenraumluft stark belastet sein. Krebserzeugende und neurotoxische Wirkungen der Stoffe sind nachgewiesen.

Versteckte Schadstoffe in Wohnung und Garten

Sie sind dekorativ, wohltuend oder nützlich, aber an Giftstoffe denkt man bei vielen Gegenständen in Haushalt und Garten nicht. Dabei kann sich ein genauerer Blick oftmals lohnen und den heimischen Schadstoff-Cocktail reduzieren. Im Folgenden ein paar Beispiele:

Wandtatoos sind dekorativ und ganz schön praktisch. Schnell sind sie entfernt und ausgetauscht.
Bei der Wahl der Deko-Sticker sollte man jedoch nicht nur auf das Motiv achten, sondern vor allem auf das Material. Die meisten Wandtattoos sind aus PVC. Um dieses schön flexibel zu machen, werden Phthalate eingesetzt. Möchte man seine Wände tätowieren, sollte man dies lieber mit Wandtattoos aus atmungsaktivem Zellstoff oder Textilfasern tun.

Die Schadstoffdusche

Duschvorhänge beugen nicht nur einer Überschwemmung im Bad vor, sie sind vor allem dekorativ.
Jedoch haben sie es oft ganz schön in sich: Das Center of Health, Environment & Justice fand in einem einzigen Duschvorhang sage und schreibe 108 Chemikalien, die in die Umgebungsluft gelangen.

Auf Duschvorhänge aus PVC sollte man besser verzichten. Sie enthalten hormonell wirkende Weichmacher. Manche Textilvorhänge werden durch ein Bleiband beschwert. Blei ist sehr giftig, und kann sich in Umwelt und Fettgewebe anreichern und zu Gesundheitsschäden führen. Am besten entscheidet man sich für gewachste Baumwollvorhänge. Dann muss man beim Duschen auch nicht den Atem anhalten.

Heiße Kirschkerne

„Das wärmste Jäckchen ist das Cognäckchen“ heißt es so schön. Manch einer greift aber dann doch lieber zur Wärmflasche, doch die besteht meistens aus PVC. Da kuschelt man sich schon mal an Weichmacher, phosphororganische Verbindungen oder die zinnorganische Verbindung Dibutylzinn.
Eine gesunde und ökologische Alternative sind Kissen mit Kirschkernen oder Getreide gefüllt. Diese kann man auf der Heizung aufwärmen und sind frei von Schadstoffen. Kirschkernkissen sind wahre Allrounder: Braucht man im Sommer eine Abkühlung, bringen sie die nötige Frische, wenn man sie vorher im Kühlschrank gelagert hat.

Giftiger Gartenschlauch

Ein Gartenschlauch erleichtert im Sommer das Bewässern der Gemüsebeete und bringt angenehme Abkühlung mit einer kalten Dusche. Doch die meisten Schläuche bestehen aus PVC. Durch Wärme und Wasser lösen sich aus ihnen Schadstoffe. So geraten etwa hormonell wirkende Weichmacher oder zinnorganische Verbindungen auf Gemüse und Salat. Auf keinen Fall sollte man das Wasser aus dem Gartenschlauch trinken. PVC-freie Gartenschläuche sind selten. Am besten greift man zu Trinkwasserschläuchen, die zwar in der Anschaffung teurer, dafür aber auch sicher sind.

REACH – das Recht auf Information

In Europa sind Anbieter von Alltagsprodukten gesetzlich dazu verpflichtet, den Verbrauchern auf Anfrage kostenlos Informationen zu gefährlichen Substanzen in ihren Waren zu erteilen. Dies ist Teil des EU-Gesetzes REACH (Registrierung, Evaluation und Autorisierung von Chemikalien).
REACH sammelt systematisch Informationen zu eingesetzten Chemikalien mit ihren Auswirkungen auf Mensch und Natur. Gefährlich sind dabei Stoffe, die krebserregend sind, das Erbgut schädigen, die Fruchtbarkeit beeinflussen, ungeborenes Leben schädigen, sich im Körper anreichern oder in das Hormonsystem eingreifen können. Noch befindet sich die Liste im Aufbau und es sind noch lange nicht alle Stoffe erfasst, doch ist mit dem Gesetz ein wichtiger Grundstein für mehr Transparenz und Entscheidungsfreiheit gelegt.

Mehr Informationen zum Biomonitoring in Österreich gibt es hier.

Bildnachweis: © Andreas Morlok/Pixelio.de

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