Selbermachen Bettgerüst
Selbermachen Bettgerüst
Es gibt viele Dinge im Leben, die man selbermachen kann.

Überall findet man Do-it-yourself Anleitungen: im Internet, in Magazinen und auch Büchern. Das führt von Handwerklichem über Technisches bis hin zu Heilmethoden oder den Umgang mit Beziehungen. Es sind – je nach Qualität – mehr oder weniger hilfreiche Beschreibungen, um ein selbstbestimmteres Leben zu führen. Man ist dadurch weniger von anderen Menschen abhängig, die man entweder fragen muss, damit sie einem helfen, oder aber sie die Aufgabe übernehmen.

Diese Anleitungen haben jedoch selten eine Beschreibung dabei, für welche Menschen und in welchen Situationen es Sinn macht, Dinge wirklich selbst zu machen. Manchmal ist es absolut klar, dass man es selbst macht, weil es zum Beispiel eine Anleitung für den Umgang mit anderen Menschen ist, wo es nur Sinn macht wenn es jeder selbst übernimmt. Manchmal ist es absolut klar, dass man es nicht selbst machen kann, weil dafür ein jahrelanges Studium und viel Erfahrung benötigt wird wie z.B. bei einer Operation an einem Menschen.

In diesem Beitrag möchte ich die Grauzone dazwischen beleuchten. Der Bereich, wo es eben nicht immer klar ist, ob es Sinn macht. Ich fokussiere mich dabei speziell darauf, sich selbst etwas zu bauen – egal ob es ein Nachtkästchen, ein Bett oder ein ganzes Haus ist.

Gründe fürs Selbermachen

Warum möchten Menschen eigentlich, in unterschiedlichen Situationen, Dinge selber machen? Meist sind es Dinge, die man entweder als nicht so schwierig einschätzt, oder aber unbedingt lernen möchte. Oft spielt auch der Gedanke mit, dass es günstiger ist, es selbst zu machen, als einen Spezialisten – oder auch irgendeinen anderen Menschen – dazu zu beauftragen.

Beim Selbermachen kann es aber auch darum gehen, bewusst etwas individuelles, ein Unikat, zu erschaffen – egal ob für sich oder für andere. Außerdem ist es damit möglich, die eigene Kreativität zu nutzen, um etwas zu gestalten, das wirklich genau das ist, was man haben möchte und eben nicht das fix fertige Teil aus dem Geschäft, das nur so ungefähr und mit viel Augen zudrücken tatsächlich das ist was man möchte.

Ist es wirklich immer günstiger?

Oft wird das Selbermachen direkt oder indirekt damit angepriesen, dass es doch günstiger ist, wenn man es selbst macht. Hier werden aber häufig nicht alle Aspekte mit einberechnet. Wie berechnet man zum Beispiel die eigene investierte Zeit? Wie bewertet man, dass ein Spezialist für das gleiche Ergebnis dreimal so schnell ist?

Ich bemerke sehr oft, wie die eigene Zeit – zumindest sobald sie einem niemand mit Geld entlohnt – keinen oder einen viel geringeren Wert bekommt, als die des Spezialisten. Es wird nicht berücksichtigt, dass wenn man in genau dieser Zeit, die man zum selbst bauen benötigt, seiner eigenen Tätigkeit als Spezialist nachgeht, vielleicht sogar so viel verdient, dass man sich zwei Spezialisten leisten könnte.

Oft werden auch Äpfel mit Birnen verglichen, weil zum Beispiel die Qualität des Baumaterials bzw. die Qualität des Endproduktes sehr unterschiedlich sind und somit sehr schwer vergleichbar werden.

Wie kann man besser entscheiden?

Es gibt ein paar Fragen, die man sich stellen kann, bevor man ein Projekt startet, bei dem man einiges, oder sogar alles, selbst machen möchte. Sie können helfen eine bewusstere Entscheidung darüber zu treffen, ob es in dem Moment sinnvoll ist es tatsächlich selbst zu machen.

  1. Warum möchte ich es selber machen?
    Möchte ich es wirklich gerne machen? Ist es vielleicht etwas, das ich immer schon mal ausprobieren oder lernen wollte? Oder geht es darum, mir selbst oder anderen etwas zu beweisen?

  2. Wie viel Zeit schätze ich wird es dauern?
    Hier zählt auch dazu, wie viel Zeit das Einkaufen, aber auch das zusätzliche Planen dauert. Nimm diesen Zeitaufwand und multipliziere ihn zumindest mit zwei, besser noch mit drei. Damit hat man meist einen etwas realistischeren Zeitaufwand.

  3. Kann und möchte ich diese Zeit gerade wirklich investieren?
    Oft könnte man es schon selbst machen, muss sich aber eingestehen, dass in dem Moment oder in der Lebensphase andere Aufgaben eine höhere Priorität haben. Da kann es dann wichtiger sein, dass es schnell geht, und man daher lieber das Geld als die Zeit investiert.

  4. Wie lange soll das Endprodukt halten?
    Ist es ein Haus das für die nächsten fünf Generationen bestehen soll, oder ein temporärer Hocker für das Fest am Wochenende? Je nachdem ist meist eine unterschiedliche Qualität notwendig.

  5. Wie wichtig ist ein erfolgreicher Abschluss?
    Wie sehr traue ich es mir tatsächlich zu, das Ding in der Qualität zu bauen, damit ich danach zufrieden bin und es wie geplant nutzen kann? Was ist, wenn ich all die Zeit, Energie und das Geld hineinstecke und dann funktioniert es nicht?

Fazit

Bei der Frage, ob es für sich sinnvoll ist, etwas selbst zu machen, können alle oben erwähnten Aspekte eine wesentliche Rolle spielen. Bei meinen Selbstbau-Projekten hat sich gezeigt, dass aber vor Allem das „Warum“ einen starken Einfluss darauf hatte, wie sehr ich am Ende oder auch während dem Werken zufrieden war. Baut man etwas selbst weil man Geld sparen möchte, kann die Frustration sehr schnell steigen, wenn dann der geschätzte Zeitaufwand höher wird, oder die Qualität nicht den initialen Vorstellungen entspricht. Macht man etwas jedoch, um zu lernen und herauszufinden wie es tatsächlich geht, kann die Ästhetik des Endproduktes in den Hintergrund rutschen und nicht mehr so wichtig sein, weil man einfach so froh und stolz ist, es tatsächlich selbst gebaut zu haben und, dass es sogar funktioniert bzw. stabil ist.

Der Bereich des Selbermachens ist ein großes Lernfeld, sowohl auf handwerklicher als auch auf psychologischer Ebene, das nicht unterschätzt werden darf. Hier gilt das Gleiche wie in so vielen Bereichen des Lebens: Je mehr man bereit ist zu riskieren, umso mehr kann man verlieren, aber auch gewinnen.

 

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