Fotocredit: hamonazaryan1 / Pixabay
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Während die Großstadt Wien aufgrund der Erlässe zur Verringerung der Ansteckung mit dem neuartigen Corona-Virus insgesamt ein Fünftel weniger Strom verbraucht, steigt der Strombedarf in den Privathaushalten an. Wie du trotz Homeoffice Strom sparen kannst, verrät dir Energie-Experte Andreas Hudecek persönlich.
Dieser Artikel wurde am 22. März 2020 veröffentlicht
und ist möglicherweise nicht mehr aktuell!

Seit dieser Woche passiert in Österreich alles, was von zu Hause aus passieren kann, auch in den eigenen Vier Wänden. Arbeiten, soziale Kontakte via WhatsApp und Co. aufrecht erhalten, Tele-Learning und Unterhaltung. Das bedeutet: Wir verbuchen in den Privathaushalten mehr Stromverbrauch. Warum das in dieser Situation aber nicht so schlimm wie vielleicht befürchtet ist und was du besonders im Homeoffice beachten kannst, um wertvolle Energie zu sparen, weiß Andreas Hudecek. Er ist mit 32 Dienstjahren der am längsten gediente Energieberater bei Wien Energie und derzeit auch selbst im Homeoffice, von wo aus er uns im Telefoninterview die wichtigsten Fragen dazu beantwortet hat. 

Wird die Corona-Krise am Ende des Jahres extrem böse Überraschungen auf den Energieabrechnungen der Wiener bedeuten?

Andreas Hudecek: „Wir haben im Moment Glück im Unglück. Die Tage sind längst wieder länger als im Winter und die Temperaturen nähern sich dem Frühling an. Wir müssen also weder besonders lang Licht einschalten noch den ganzen Tag über durchheizen. Die Auswirkungen werden sich also in Grenzen halten, vor allem dann, wenn man grundlegende Energiesparmaßnahmen auch jetzt beachtet. Das gilt besonders für diejenigen, die jetzt im Homeoffice mehr Strombedarf haben. Ich schätze ganz vorsichtig, dass es an diesen Tagen zu maximal 30 Prozent mehr Bedarf in den privaten Haushalten kommen wird. Man sollte hier wirklich die Angst nehmen, denn große Energiefresser, wie sehr alte Fernseher und PCs, hat heute kaum jemand mehr zu Hause und auch undichte Fenster sowie unsanierte Altbauten sind in Wien mittlerweile selten.“ 

Energie-Experte Andreas Hudecek führt mit viel Leidenschaft durch die Wien Energie Erlebniswelt in der Spittelau, sofern er nicht – wie jetzt – im Homeoffice Interviews gibt. Fotocredit: © Bohmann/ Stefan Fuertbauer
Energie-Experte Andreas Hudecek führt mit viel Leidenschaft durch die Wien Energie Erlebniswelt in der Spittelau, sofern er nicht – wie jetzt – im Homeoffice Interviews gibt. Fotocredit: © Bohmann/ Stefan Fuertbauer

Wie kommt es denn überhaupt dazu, dass jetzt der Stromverbrauch in der Stadt im gesamten sinkt, und es gleichzeitig zu einem zunehmenden Energiebedarf in den Privathaushalten kommt – abgesehen vom Homeoffice?

Andreas Hudecek: „Man muss bedenken, dass beispielsweise ein Großteil des Gastronomie im Moment wegfällt. Und dort herrscht ein großer Stromverbrauch. Während man zu Hause eher gezielt wärmt oder kocht, laufen in großen Gastronomieküchen die Öfen ja auf Dauerbetrieb, Fritteusen müssen warmgehalten werden. Dieser Energiebedarf fällt derzeit weg. Auch Büros, Gewerbebetriebe und der Flughafen haben einen großen Energiebedarf, der jetzt deutlich kleiner ist. Und zu Hause sind die Leute mit ihrem Strom prinzipiell etwas sparsamer als in der Firma. Für den erhöhten Strombedarf in Privathaushalten ist momentan hauptsächlich die vermehrte Nutzung von Unterhaltungselektronik, das deutlich ins Private verlagerte Kochen und eben das Homeoffice verantwortlich.“ 

Aktuell wird zuhause mehr gekocht als sonst. Das verbraucht mehr Energie. Wie du im Homeoffice richtig Energie sparen kannst, verrät dir der Energieberater hier – Foto: © Pixabay
Aktuell wird zu Hause mehr gekocht als sonst. Das verbraucht mehr Energie.  Foto: © Pixabay

Apropos Homeoffice: Was sind denn Tipps und Tricks, um gerade im zu Hause eingerichteten Büro möglichst energieschonend zu agieren?

Andreas Hudecek: „Wer schaltbare Steckerleisten zu Hause hat, sollte alle fürs Heimbüro benötigten Geräte daran anschließen. So sind sie bequem mit einem Handgriff am Ende des Arbeitstages vom Netz zu nehmen. Vorsicht gilt hier bei Tintenstrahldruckern, diese sollte man nicht an die selbe Steckerleiste stecken, denn viele solcher Drucker sollen abschließend eine Düsenreinigung durchführen können. Ein ganz wichtiger Hinweis ist auch, dass man Energie für Beleuchtung sparen kann, wenn man sein Homeoffice-Plätzchen umsichtig einrichtet. Überprüft, ob es eine Möglichkeit gibt, den Arbeitsplatz direkt vor einem Fenster oder im rechten Winkel dazu zu positionieren. So profitiert man vom natürlichen Tageslicht.“

Gibt es auch etwas, das ich bei der Arbeit am Computer selbst beachten kann, wenn ich möglichst ressourcenschonend die kommenden Tage im Heimbüro verbringen will?

Andreas Hudecek: „Eindeutig ja: Ideal ist hier, gleich einmal die Einstellungen zu überprüfen und den Bildschirmschoner auszuschalten. Bildschirmschoner erhöhen den Stromverbrauch und sind bei modernen Bildschirmen unnötig. Besser ist es, die Funktion ,Monitor ausschalten’ in der Energieversorgung des Computers zu aktivieren. Außerdem kann man mit dem Ruhemodus viel erreichen, in den Computer und Bildschirme versetzt werden sollten. Diese Einstellungen sind in der Systemsteuerung im Menü ,Energieoptionen’ zu finden. Anders als im Stand-by-Modus ist der PC im Ruhemodus komplett abgeschaltet und trotzdem bei Bedarf rasch einsatzfähig.“

Abgesehen vom für viele neu eingerichteten Arbeitsplatz: Was kann man in der aktuellen Situation noch beachten, um möglichst energiesparend durch diese Zeit zu kommen?

Andreas Hudecek: „Man kann sich definitiv was sparen, wenn der W-Lan-Router nicht dauerhaft eingeschaltet ist. Er zieht nämlich selbst dann Energie, wenn das WLAN nicht benutzt wird. Deshalb macht es wirklich Sinn, den Router abends vom Netz zu nehmen. Und es ist ratsam, sich den Stromverbrauch von Unterhaltungselektronik anzusehen, der teilweise falsch eingeschätzt wird: Gaming-Konsolen verbrauchen beispielsweise im Betrieb oft doppelt soviel Energie wie ein modernes Fernsehgerät.“

Der Energiebedarf bei Gaming Konsolen überrascht teilweise. Foto: © Anton Porsche / Pixabay
Der Energiebedarf bei Gaming-Konsolen überrascht teilweise. Foto: © Anton Porsche / Pixabay

Das kommt vielleicht für viele überraschend: Gibt es sonst noch Dinge im Haushalt, deren Energieverbrauch vielleicht manche überraschen mag. 

Andreas Hudecek: „Man kann sagen, dass manchen Menschen nicht ganz bewusst ist, wie viel Energie Wärme braucht. Ein wichtiges Beispiel ist hier die Waschmaschinenwäsche mit 90 Grad. Die kann man in der Regel wirklich bleiben lassen, das kommt noch von früher. Heute gibt es eh kaum mehr Textilien, die man bei 90 Grad waschen soll, aber manche Leute machen es eben bei Tisch- oder Leintüchern trotzdem. Obwohl Waschmaschinen und Waschmittel mit der Zeit gegangen sind und das gar nicht mehr nötig ist. Und bei 90 statt 60 Grad verbraucht die Maschine rund das Doppelte an Energie.“

Quelle: Energieleben Redaktion / Foto: © hamonazaryan1 & Anton Porsche – Pixabay, Energieleben Redaktion


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