Sind Hochhaus-Wohntürme eine umweltschonende Art viel Wohnraum und Lebensqualität zu schaffen?

Wie wird Wohnraum am umweltschonendsten erzeugt? Anzunehmen wäre, dass es am besten wäre so wenig Grundfläche wie möglich zu bauen. Wenige, dafür aber hohe Gebäude wären demnach die ideale Lösung. Eine neue Studie bestätigt allerdings, dass hohe Gebäude und nachhaltiger Wohnbau nicht ganz zusammenpassen.

Die Studie befasst sich mit der Annahme, dass es besser ist, größer und dichter zu bauen. Ein solches urbanes Designkonzept basiert auf der Schaffung von viel Wohnraum auf wenig Grundfläche. Was dabei vernachlässigt wird, sind oft die Treibhausgase. Die Forscher berücksichtigten in ihrer Studie den Kohlenstoff, der zum Bau der Gebäude aufgewendet werden muss, als auch die Betriebsemissionen. Sie erklären, dass in der sogenannten Grauen Energie und im Treibhauspotenzial die verborgene Energie stecke.

Es sind quasi Emissionen hinter den Kulissen, die bei der Gewinnung und Produktion von Rohstoffen, der Herstellung der Gebäudekomponenten, dem Auf- und Abbau des Gebäudes und dem Transport zwischen den einzelnen Phasen verwendet oder erzeugt werden. Wenn man die genannten Faktoren einrechnet, sind hohe Gebäude, vor allem je schmäler sie sind, weniger effizient. Ein hoher Anteil des Platzes geht für Treppen und Aufzugskerne verloren. Außerdem sind schwerere Konstruktionen nötig, um mehr Stockwerke zu unterstützen. In der Studie wird auch besprochen, warum niedrigere Gebäude nicht unbedingt weniger Menschen beherbergen. Werden Gebäude höher, müssen sie weiter auseinander gebaut werden – aus strukturellen Gründen, städtischen Richtlinien und Vorschriften wie zum Beispiel angemessene Standards für Tageslicht, Privatsphäre und natürliche Belüftung.

Die Endergebnisse sind eindeutig. Allein aufgrund der versteckten Emission beim Bau der Gebäude sind Hochhaustürme schlechter als niedrige Wohnhäuser, obwohl die Studie den Transport nicht berücksichtigt. Der steigende Anteil an Hochhauswohnungen in Kombination mit wenig dicht verbauten Gebieten mit Einfamilienhäusern ist eigentlich die schlimmste aller möglichen Varianten. Die beste Form des Wohnens aus Sicht des Lebenszyklus von Kohlenstoff wären mittelgroße Hauser wie im traditionellen europäischen Standard: nicht zu hoch, nicht zu niedrig, aber genau richtig. Dicht genug, um ein Gemeinschaftsgefühl aufzubauen, aber nicht so dicht, dass alle in die Anonymität abgleiten.


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